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Ihre Arbeiten ergänzen sich wunderbar: Doris Leuschner und Karl Orth zeigen zwei ganz eigene Arten, plastisch zu gestalten.

Doris Leuschner und Karl Orth stellen in Poing filigrane Bambus- und starke Metall-Skulpturen aus

Die Kunst des Weglassens

Auf den ersten Blick gehen ihre Kunstwerke diametral auseinander: die fragmentarischen Metall-Frauengestalten von Karl Orth und die wundersam zusammen gefügten Formen aus Bambus von Doris Leuschner. Doch sie ergänzen sich sehr harmonisch, jetzt zu bestaunen in Orths Atelier.

Poing – Karl Orth, 47, ist kein Unbekannter am Ort. Seine zierlichen Frauenfiguren, deren teilweise fehlenden Gliedmaßen die Phantasie des Betrachters herausfordern, stehen kraftvoll im Raum. Meist sind sie, elegant schreitend, auf einem kleinen Sockel dargestellt, manche hängen als Halbskulptur an der Wand. Bei einer seiner neuesten Kreationen zeigt der Künstler je eine Vorder- und Rückseite einer Frau – das Rückgrat als metallenes Skelett fasziniert dabei besonders. „Durch viel Probieren nähere ich mich der endgültigen Form“, verrät Orth, dessen sehr kraftvoll reduzierte Gestalten ihre Faszination aus dem gerade nicht Vorhandenen beziehen. Da steht etwa ein einzelner linker Fuß, von der eigentlichen Gestalt getrennt, die tatsächliche Verlängerung zum Oberschenkel fehlt, existiert nur in der Vorstellung desjenigen, der vor dieser Figur steht. „Dieses Weglassen entsteht ganz intuitiv beim Arbeiten, und ich gebe meinen Werken auch keine Namen“, gibt Orth einen kleinen Einblick in die Philosophie seines Schaffens.

Auch Doris Leuschner, 52, beschäftigt sich mit Formen, die nur schwerlich eine klare Deutung finden. Die Künstlerin aus München, die über eine Vermittlung von ihrer einstigen Studien-Kollegin Inge Schmidt aus Poing ins Orthsche Atelier gefunden hat, lässt sich vorwiegend von Formen, Erfahrungen und Beobachtungen aus der Unterwasser-Welt inspirieren. „Das Thema Wasser hat mich schon immer fasziniert, ich tauche sehr gerne“, so Leuschner. Und so beschäftigt sie sich mit Formen der so genannten Einzeller, die in der Dunkelheit der Ozean-Tiefen leben. Sie hat dabei überraschend hochkomplexe „Über-Lebens-Formen“ entdeckt. „Was zwar für die Wissenschaft vielleicht nicht so interessant ist, gibt mir doch viel Stoff für neue Skulpturen“. Und so schafft sie in vielen Arbeitsstunden eigenartige und dabei in sich ruhende, harmonische Körper aus unzähligen Bambus-Ringen, die sie meist auf einen Styropor- oder Wachskörper als Grundform aufträgt. Gehalten werden die zahllosen Kringel von einer geheimnisvollen Paste „aus verschiedenen Elementen, teilweise mit Silikon – aber die Zusammensetzung verrate ich nicht“. Am Schluss bearbeitet sie das gesamte Werk mit einem Winkelschleifer, hier entsteht die finale Form. Im Ambiente von Karl Orths Atelier wurde so eine Symbiose geschaffen, die zum Nachdenken anregt, gleichermaßen über Menschliches wie Vergängliches.

Öffnungszeiten

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 23. Dezember, jeweils mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung, 01 79-9 05 75 01.

Friedbert Holz

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