Radfahrer fährt in Unterführung am S-Bahnhof Poing
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Auf der Südseite misst die Rampe an der breitesten Stelle 48 Meter.

S-Bahnhof Poing

Drei Monate nach Eröffnung: Bauausschuss diskutiert optische Nachbesserungen für Bahnunterführung

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Verschiedene Grautöne, viel Beton und Asphalt: Das ist die vor drei Monaten eröffnete neue Unterführung am Poinger S-Bahnhof. Jetzt gibt es Vorschläge, wie das Bauwerk ansehnlicher und bunter werden könnte. Kosten: ca. 145.000 Euro.

  • Neue Unterführung am S-Bahnhof Poing soll ansehnlicher werden
  • Bauausschuss diskutiert über Maßnahmen
  • Nachbesserungen würden 145.000 Euro kosten

Drei Monate nach der Eröffnung der neuen Fuß- und Radunterführung am Poinger S-Bahnhof gibt es konkrete Vorschläge, wie das Bauwerk schöner gemacht werden könnte. Mit Bepflanzung von Mauern, mit Bäumen an den Rampen sowie auf der Nord- und auf der Südseite, eventuell auch mit einem Kunstwerk in Form eines Graffito. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen werden vom von der Gemeinde beauftragten Planungsbüro Prof. Kagerer Landschaftsarchitekten aus München auf circa 145.000 Euro brutto geschätzt. Die Bahnunterführung selbst kostete rund 9,5 Millionen Euro.

Im Juni 2018 war Spatenstich.

Schon kurz nach der Eröffnung kritisierten manche Bürger das Bauwerk, das von Beton und Asphalt geprägt ist. In der öffentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses des Gemeinderates am Dienstagabend stellte Planerin Annette Wrulich vom Büro Kagerer Möglichkeiten vor, wie die Unterführung, insbesondere deren Umfeld, schöner gestaltet werden könnte. Vorab erinnerte Bürgermeister Thomas Stark daran, dass es sich um ein „Ingenieursbauwerk“ handle. Als solches sei es konzipiert worden, um den rein technischen Zweck einer Fuß- und Radunterführung zu erfüllen. „Daraus können wir kein Biotop machen“, sagte Stark.

Wir können aus der Unterführung kein Biotop machen.

Bürgermeister Thomas Stark

Nichtsdestotrotz wolle auch er, so, wie alle Ausschussmitglieder, nachbessern, wo es Sinn macht und möglich ist. Dies ist insbesondere an den Außenbereichen der beiden Rampen der Fall, in der Unterführung selbst kann der Boden nicht verändert werden. Grund: Darunter ist eine sogenannte „weiße Wanne“ verbaut, um zu verhindern, dass Grundwasser in die Unterführung dringt.

Rampe bis zu 48 Meter breit

Für den Zugang zur Rampe im Süden (deren breiteste Stelle laut Bürgermeister Stark 48 Meter beträgt), an der Bahnhofstraße, schlägt Planerin Annette Wrulich vor, mittig eine Baumgruppe mit sechs Bäumen einzupflanzen. Hierfür müsste der Asphalt aufgebrochen werden. Gleiches könnte auch auf der Nordseite getan werden, allerdings mit weniger Bäumen, um die Verbindungsachse zum Marktplatz nicht zu unterbrechen.

Kein barrierefreier Zugang zu den Bahnsteigen

Der neuen Fuß- und Radunterführung am S-Bahnhof Poing fehlt ein wichtiges Detail: barrierefreie, direkte Zugänge von der Unterführung zu den Bahnsteigen. Hierfür ist die Deutsche Bahn zuständig, die die Barrierefreiheit eigenen Angaben zufolge erst 2021 herstellen wird. Die Gemeinde Poing hatte der Bahn vorgeschlagen, die barrierefreien Zugänge gleichzeitig mit dem Bau der Unterführung zu schaffen. Das aber passte der Bahn nicht in den Plan.

Des Weiteren schlägt Wrulich vor, Betonwände zu bepflanzen und/oder künstlerisch zu gestalten. Insbesondere die hohe Mauer auf der Südseite bereitet der Verwaltung und den Ausschussmitgliedern Kopfzerbrechen: Weil sie leicht zu begehen ist (was zwar eigentlich nicht erlaubt ist), und weil sie fünf Meter hoch ist, sei die Gefahr, dort herunter zu fallen, groß. Deshalb, so die Meinung im Bauausschuss, sollten auf der Mauer Pflanzen eingesetzt werden, die nach unten ranken. Damit könnte die Versuchung, auf der Wand herumzuklettern, minimiert werden.

Unterführung kostete 9,4 Millionen Euro

Ausschuss- und Gemeinderatsmitglied Peter Maier (SPD) erinnerte in der Sitzung daran, dass der Planer stets gesagt hätte, dass es dort keine Absturzsicherungen brauche. „Knapp daneben ist auch vorbei“, kommentierte Maier diese Aussage nun in der Bauausschusssitzung. Auch Franz Langlechner (CSU) blickte zurück auf die vielen Sitzungen und Diskussionen im Gemeinderat und mit den Planern in den vergangenen Jahren. „Wir dürfen nicht vergessen, woher die Unterführung kommt. Wir haben ein sehr technisches, aber durchgestyltes Bauwerk.“ Er kenne in der Region keine Bahnunterführung, die „so luftig und weit ist wie in Poing“. Andererseits sei die Wucht der angesprochenen Wand auf der Südseite sehr groß.

Diskussion: Fahrradständer, oder nicht?

Zusätzlich zur Gestaltung haben die Ausschussmitglieder auch über die Frage diskutiert, ob und falls ja: in welcher Anzahl Fahrradstellplätze an der Unterführung errichtet werden sollen. Hier gehen die Meinungen bezüglich der Nordseite von „keine Radlständer“ bis „viele Stellplätze“. Für „keine Radlständer“ spreche, dass es im nahe gelegenen Parkhaus genügend Fahrradstellplätze gibt; außerdem: „Wenn man zum Beispiel 28 Stellplätze macht, stehen mindestens 100 Fahrräder da“, meinte Bürgermeister Thomas Stark. Man müsse überlegen, ob man dieses Bild wolle. Für „so viele Stellplätze wie möglich“ wiederum spreche, dass dieses Angebot eine Aufwertung des Fahrradfahrens sei. „Gar keine Fahrradständer wäre blauäugig“, sagte Peter Maier (SPD).

Bürgermeister Thomas Stark kündigte am Ende der Diskussion an, dass geplant sei, in der September-Sitzung des Gemeinderates finale Entscheidungen zur Umgestaltung der Unterführung zu treffen. Der Bau- und Umweltausschuss war lediglich vorberatend tätig.

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