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Regelmäßig hat Max Mannheimer die Poinger Schulen besucht. Zuletzt war er vor einem Jahr in der Dominik-Brunner-Realschule.

Erinnerung

"Poing war ein Schicksalsort"

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Der verstorbene NS-Zeitzeuge Max Mannheimer war einer der KZ-Häftlinge im "Todeszug", der am 27. April 1945 in Poing Halt machte. Viele Gefangene wurden auf der Flucht erschossen. Mannheimer überlebte - und kam immer wieder zurück.

Auf seinen Reisen als Zeitzeuge war Max Mannheimer, der am 23. September gestorben ist, oft und gerne in Poing. Immer wieder erzählte er seine Geschichte insbesondere vor Schülern. Als ein Neuntklässler der Dominik-Brunner-Realschule den jüdischen Holocaust-Überlebenden einmal fragte, welche Verbindungen er zur Gemeinde habe, antwortete Mannheimer: „Poing war ein Schicksalsort für mich!“ Er war einer von vielen hundert KZ-Häftlingen, die im sogenannten „Todeszug“ eingepfercht waren, der am 27. April 1945 am Poinger Bahnhof Halt machte. Gefangene versuchten zu fliehen, die SS machte Jagd auf sie, viele wurden ermordet. Max Mannheimer überlebte.

Bei seinen Vorträgen erzählte er unter anderem: „Ich saß im Todeszug aus Mühldorf, der in Poing stehen geblieben ist. Einige Leute sind rausgesprungen. Seit einem Stoß in die Rippen in Mettenheim saß ich mit angebrochenen Rippen im Waggon und konnte mich nicht so gut bewegen. Daher habe ich einem anderen den Vortritt gelassen. Vor meinen Augen sind diese Menschen bei einem Fliegerangriff umgekommen. Sie sehen, es lohnt sich manchmal, höflich zu sein.“

Ja, Max Mannheimer berichtete über die Ereignisse während des NS-Regimes nicht nur offen, sondern auch humorvoll. Egal, wo er auftrat: Während seiner Erzählungen war es mucksmäuschenstill, die Schüler hörten gebannt zu und stellten hinterher viele Fragen.

„Ich selbst begreife mich als Reisenden in Sachen Humanität“, hat der KZ-Überlebende einmal gesagt. Gegen das Vergessen war er unermüdlich auf Tour und schilderte seine Erlebnisse. Er und sein jüngster Bruder überlebten die Schrecken der Deportation nach Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und ins Konzentrationslager Dachau. Seine Eltern, drei seiner Geschwister und seine erste Ehefrau wurden von den Nazis ermordet.

Als am 27. April 2010 das Mahnmal, das an den Todeszug erinnert, am Poinger S-Bahnhof feierlich enthüllt wurde, war Max Mannheimer dabei – und kam danach, wenn seine Zeit und seine Gesundheit es erlaubten – zum jährlichen Gedenken. Vor zwei Jahren zeigte die Gemeinde Poing im Rathaus Bilder des Malers Ben Jakov – unter diesem Namen war Mannheimer als Künstler tätig. Zur Vernissage war er ebenfalls angereist.

„Max Mannheimer war unser Freund“, hat Bürgermeister Albert Hingerl jetzt in einem Nachruf geschrieben, zum Tod des 96-Jährigen. „Er war ein erstaunlicher, charismatischer, großherziger, lebensbejahender und liebender Mensch."

Armin Rösl

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