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Gute Bekannte: das Duo "Shots" mit Raffi und Ludwig.

Kleinkunst

Applaus, Applaus!

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Weniger ist mehr: Bei der "4. Open Stage" hat Wirt Andreas Otten auf die große Bühne verzichtet, und stattdessen die offene Bühne im kleineren, ehemaligen Bäckerei-Verkaufsraum aufgebaut. Das war die richtige Idee: Hier hatten die Künstler die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben. Ein großer Abend.

Andreas Otten hat alles richtig gemacht. Statt wie bisher in der großen, ehemaligen Backstube mit den hallenden Fliesenwänden, hat der Wirt der „Café-Station“ die „4. Open Stage“ am Freitagabend im kleineren, alten Verkaufsraum der Bäckerei Nagler veranstaltet. Eine sehr gute Entscheidung. Hier kam keine Bierzelt-Atmosphäre mit dazwischenratschenden Besucher an Biertischen auf, sondern wahre Kleinkunst-Atmosphäre. Vergleichbar mit dem Theater im Fraunhofer-Wirtshaus in München.

Tolle Premiere: Thomas (re.) und Alex.

Gut 60 Leute passen in den Raum neben der „Café-Station“, sie alle erlebten in drei Stunden tolle Künstler von 13 bis über 50 Jahren. Das war auch neu: So viel gute Qualität gab’s bei der Offenen Bühne noch nie. Wobei „offen“ nicht ganz richtig ist: Die Veranstaltung hat sich schon nach dem dritten Mal einen guten Ruf erarbeitet, so dass mehr Musiker sich vorher anmelden, als überhaupt in einen Abend passen.

Den Beginn machten Julia und Jonas. Die 13-jährige Schülerin und ihr 14-jähriger Begleiter an der Gitarre sorgten dafür, dass schon ab dem ersten Ton im Raum Ruhe herrschte. Denn: Mit einer derartig guten Stimme und einer so tollen Präsentation von Liedern wie „Don’t be cruel“ von Elvis Presley hatte nun wirklich keiner gerechnet. Respekt! Nummer zwei: Martina Resch, Stammgast der „Open Stage“ und einmal mehr bezaubernd. Die Tierärztin an der Gitarre besticht mit ihrer klaren Stimme – vor allem aber mit ihrer Unbekümmertheit. Wie gut, dass sie das Lampenfieber, welches sie noch bei der 1. Offenen Bühne begleitet hatte, mittlerweile abgelegt hat.

Ebenfalls Stammgast bei der "Open Stage", nicht nur in Poing: Ines Wagner.

Ebenfalls ein guter Bekannter ist das Duo „Shots“ mit Raffi und Ludwig. Auch sie hatten, wie alle anderen Künstler, an diesem Abend endlich die volle Aufmerksamkeit des Publikums. In diesem Falle besonders wichtig und gut, da ihre selbstgeschriebenen Acoustic-Punk-Songs Tiefgang haben. Aus aktuellem Anlass hervorzuheben: „Papa“, ein Lied über einen Vater, der abends loszieht, um gegen Ausländer zu hetzen. Gesungen aus der Sicht des Sohnes.

Obwohl er zahlreiche Instrumente beherrscht und in einer Studentenband spielt, feierte Thomas Steinbrunner am Freitag Premiere: zum ersten Mal sang er auch noch. Gar nicht schlecht für den Anfang. Zusammen mit Alex an der Gitarre brachte er das Publikum zum Jubeln, mit Liedern wie „Heidi“ von Django 3000 oder einer sehr melancholischen Version (mit der guten alten Melodika) von „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode.

Thomas Schuh, Premierengast bei der „Open Stage“, sang als Ein-Mann-Band österreichische und internationale Klassiker. So mancher einer rieb sich verwundert die Ohren, denn: Dass ein Mann um die 50 so hoch und (fast) klar singen kann – wer hätte das gedacht?

Tom Gruber riss zum Abschluss das Publikum noch einmal richtig mit.

Von Ines Wagner weiß man, was man erwarten darf: Eine sympathische Norddeutsche, die schöne Lieder von Ina Müller und anderen an der Gitarre singt. Auch sie ist Stammgast in der Café-Station, deren Wirt Andreas Otten mit dieser Veranstaltung einen neuen Meilenstein in Poing gesetzt hat. Sollten die geplanten Umbauarbeiten in dem alten Verkaufsraum klappen, soll hier regelmäßig Kleinkunst geboten werden. Es wäre ein würdiger Rahmen dafür, wie der Freitagabend bewiesen hat.

Alle Künstler stammen aus Poing, auch der letzte Interpret des Abends. Der allerdings aus der Reihe tanzte: Für Tom Gruber ist Musik nicht nur Hobby, sondern Beruf. Der Bandleader von „White – The Band“ brachte vom ersten Ton an das Publikum auch zu später Stunde, knapp drei Stunden nach Beginn, zu Höchstleistungen. Und zum großen Finale kamen ein paar Musiker des Abends auf die Bühne, um zusammen zwei Gute-Nacht-Lieder zu spielen, eines davon von den Sportfreunden Stiller. Applaus, Applaus!

Armin Rösl

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