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Im Durchschnitt wird bei der Grundschule an der Bergfeldstraße alle zwei Minuten zu schnell gefahren. Das ist ein Ergebnis der ersten Blitzer-Bilanz, die am Donnerstagabend im Gemeinderat präsentiert worden ist.

Blitzer-Bilanz

Brennpunkt Bergfeldstraße

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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An das Tempolimit in der Bergfeldstraße bei Grundschule halten sich nicht viele Autofahrer. Im Durchschnitt ist hier alle zwei Minuten jemand zu schnell unterwegs.

Poing – Ein Montag im März, kurz nach zehn am Vormittag. Bergfeldstraße in Poing-Nord, nahe der dortigen Grundschule. Das Messgerät der Kommunalen Verkehrsüberwachung blitzt auf, soeben ist eine 56-jährige Frau aus Kirchheim mit ihrem Auto durchgerauscht – mit 71 Stundenkilometern. Erlaubt sind 30. Die Konsequenz: Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und eine hohe Geldbuße.

Auf Platz 2 der unrühmlichen Rangliste der Raser auf der Bergfeldstraße liegt ein 40-Jähriger aus Poing, der mit 67 km/h unterwegs war. Auch dieser Autofahrer erhielt Fahrverbot, Punkte und Geldstrafe.

Das sind die zwei Spitzenreiter, die die Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ) seit ihrem Start in Poing (am 17. Januar) gemessen hat. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend hat Raimund Steckermeier, Leiter der von der Gemeinde Poing beauftragten Verkehrsüberwachung, die erste Bilanz präsentiert. Die ist zum Teil erschreckend: Vor Schulen und Kindertagesstätten gibt es zahlreiche Verstöße gegen das dortige Tempolimit auf 30 km/h.

Ein weiteres Beispiel kommt aus Poing-Süd: In der Schulstraße, nahe des Jakl-Geißel-Kinderhorts, raste ein 18-Jähriger in einem Lieferwagen mit Tempo 65 am Messgerät vorbei. Die Folgen: siehe oben.

Die Kommunale Verkehrsüberwachung hat im Zeitraum von 17. Januar bis 30. September insgesamt 32 Messungen an verschiedenen Stellen (immer in der Nähe von Schulen und Kitas bzw. in Tempo-30-Zonen) durchgeführt. Laut Raimund Steckermeier sind 10 439 Fahrzeuge an den Messstellen vorbeigefahren, davon waren 558 zu schnell. 537 im Verwarnungsgeldbereich (bis zu 20 km/h über dem erlaubten Tempolimit) und 21 im Bußgeldbereich (ab 21 km/h). Noch eine Zahl aus der Statistik: knapp 64 Prozent aller, die zu schnell unterwegs waren, hatten ein Ebersberger Kennzeichen. Der Rest stammte zum Großteil aus Stadt und Landkreis München.

In den ersten Monaten der KVÜ in Poing wurden explizit Messstellen an Schulen und Kindertagesstätten ausgewählt. Insgesamt haben Gemeindeverwaltung, Polizei und Verkehrsüberwachung 21 Stellen in der Gemeinde Poing festgelegt, an denen gemessen werden soll (siehe Kasten).

Bislang stand das Blitzgerät an zwölf der ausgewählten Orte. Dazu gehören auch der Mitterfeldring (hier lag die Spitzengeschwindigkeit bei knapp 50 km/h) und die Blumenstraße. Bei letzterer war das Messgerät laut Steckermeier drei Mal im Einsatz. „Hier hat sich schon eine positive Wirkung der Verkehrsüberwachung gezeigt, die Zahl der Tempoverstöße ist von mal zu mal geringer geworden“, berichtete er in der Gemeinderatssitzung. In dieser kündigten Bürgermeister Albert Hingerl und Hauptamtsleiter Jürgen Rappold an, dass in den nächsten Wochen die Messungen ausgedehnt werden auch auf Straßen, in denen Tempo 50 gilt. Außerdem sollen die Standzeiten des mobilen Blitzers verkürzt werden und häufigere Wechsel der Standorte stattfinden.

Die bisherigen 32 Messungen wurden allesamt tagsüber und außerhalb der Ferienzeiten durchgeführt. Gemeinderatsmitglied Werner Dankesreiter (Bündnis90/Die Grünen) regte an, auch abends und nachts aktiv zu werden. Hauptamtsleiter Rappold antwortete, dass man schon demnächst damit starten werde, spätabends das Blitzgerät aufzustellen. Am 18. Mai 2017 hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, eine Kommunale Verkehrsüberwachung einzuführen. Ausschließlich für den fließenden Verkehr. Hierzu hat sich die Gemeinde dem Zweckverband Markt Schwaben angeschlossen, der in 14 Städten und Gemeinden tätig ist. Dieser wiederum hat für die KVÜ die Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft beauftragt, deren Leiter der Verkehrsüberwachung Raimund Steckermeier ist.

Die KVÜ in Poing ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt. Danach soll der Gemeinderat über die Fortsetzung entscheiden. Bürgermeister Albert Hingerl betonte in der Gemeinderatssitzung, dass die Kommune mit der KVÜ keinen finanziellen Gewinn erziele.

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