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„Dieser Job verlangt 200 Prozent und mehr“: Luitgard Stephan-Wagenhäuser will keine Schulleiterin mehr sein, sondern wieder ausschließlich Lehrerin. Unser Bild zeigt sie bei ihrer Rede während der Zeugnisfeier der Anni-Pickert-Mittelschule. 

Anni-Pickert-Schule Poing

Schluss mit Verwaltungsstress und Lehrermangelsorgen: Rektorin gibt Schulleitung ab 

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Keine Freizeit mehr, Stress mit Lehrermangel und Verwaltung: Die Rektorin der Anni-Pickert-Schule Poing mag all das nicht mehr und wird wieder eine ganz normale Lehrerin.

Poing – Luitgard Stephan-Wagenhäuser gibt unumwunden zu: „Das Büro frisst einen auf.“ Das „Büro“ ist für die 59-jährige Lehrerin die Verwaltungsarbeit, die eine Schulleitungsstelle mit sich bringt. Stephan-Wagenhäuser war die vergangenen vier Jahre Rektorin der Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule (aktuell rund 620 Schüler), die vier Jahre zuvor Konrektorin. Jetzt hat sie entschieden: Schluss damit. „Dieser Job verlangt 200 Prozent Einsatz und mehr“, sagt sie. Das könne und wolle sie nicht mehr leisten. „Ich möchte wieder ausschließlich unterrichten, mit jungen Menschen zusammen sein und sie auf ihrem Weg unterstützen.“ Deshalb legt sie die Schulleitung in Poing nieder und geht zurück in den normalen Schuldienst, in Teilzeit. Inklusive finanzieller Einbußen.

Poing: Konrektorstelle ein Jahr lang unbesetzt

Egal: mehr unterrichten, aber auch mehr leben, mehr Zeit haben für die Familie (Luitgard Stephan-Wagenhäuser ist verheiratet, hat Kinder und bereits Enkelkinder) – statt weiterhin so gut wie alles (insbesondere viel Freizeit und die Wochenenden) aufzugeben für die Schule, statt sich mit der Bürokratie und Verwaltung rumzuschlagen, ständig um Lehrerstellen und andere Dinge kämpfen zu müssen – und immer wieder ernüchtert zu werden. Wie vor einem Jahr, als die damalige Konrektorstelle in Poing eigentlich neu besetzt worden war, kurz vor Schulstart die betreffende Lehrkraft aber von der Regierung von Oberbayern eine andere Stelle angeboten bekommen und diese angenommen hat. Mit der Folge, dass es das ganze Schuljahr über keinen Ersatz für die Anni-Pickert-Schule gab, trotz mehrmaliger Hilferufe der Schulleitung und auch des Elternbeirats – und Luitgard Stephan-Wagenhäuser noch mehr Aufgaben übernehmen musste. Zusätzlich zum Unterricht, in dem sie weiterhin als Lehrerin tätig war, wie es generell gang und gäbe ist.

Viel zu wenig Zeit für das eigentliche Unterrichten

„Ich wusste schon, als ich die Schulleitung übernahm, auf was ich mich einlasse“, sagt sie. Anfangs habe sie gehofft, dass sich alles einspielen und besser werde – wurde es aber nicht. Beispielsweise das Thema Lehrerstellen – insbesondere in den Fachbereichen fehle es an Kräften, teilweise würden, wegen des Lehrermangels, Studenten bzw. noch unfertige Lehrer in den Unterricht geschickt. Um die sich die Schulleitung halt auch kümmern müsse.

Stillstand beim Umbruch der Mittelschulen, auch in Poing

Der Lehrermangel ist für Luitgard Stephan-Wagenhäuser ein entscheidender Grund, warum sich das Projekt Mittelschule mit M-Zug, Mittlere-Reife-Abschluss und Fachangeboten, wie es bayernweit, so auch in Poing, aufgebaut worden ist, seit einiger Zeit im Stillstand befinde. Das sei frustrierend.

Nachfolge für Anni-Pickert-Schule Poing steht fest

„Ich habe für mich jetzt eine Entscheidung treffen müssen“, sagt die Noch-Rektorin. Leicht falle es ihr nicht, Poing zu verlassen. „Die Zusammenarbeit mit dem Kollegium, mit der Gemeinde und allen anderen war bestens.“ Trotzdem: Es gehe jetzt um sie. Würde sie so weitermachen, würde sie vermutlich irgendwann zusammenbrechen. Mit 59 Jahren zieht Stephan-Wagenhäuser die Reißleine. Wo sie künftig unterrichten wird, wisse sie noch nicht, sagt sie.

Die Nachfolgerin steht nach Informationen unserer Zeitung bereits fest: Ab August soll Eva Guerin, Konrektorin der Grafen-von-Sempt-Mittelschule Markt Schwaben, die Anni-Pickert-Schule in Poing leiten.

Lesen Sie auch: Stephan-Wagenhäusers letzte Zeugnis-Abschlussfeier als Rektorin der Anni-Pickert-Mittelschule 

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