Das Ebersberger Amtsgericht
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Am Ebersberger Amtsgericht wurde die Schlägerei unter Jugendlichen am Poinger Skaterpark verhandelt.

Prozess am Amtsgericht Ebersberg

Schläge und Tritte am Skaterpark Poing: Arrest zum 18. Geburtstag

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Poing – Für seinen 18. Geburtstag hätte er sich einen angenehmeren Ort vorstellen können als die Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichtes. Doch dort musste ein Forstinninger am Tag seines Erwachsenwerdens Platz nehmen – gemeinsam mit einem 19-jährigen Spezl. Der Vorwurf: Das Duo zertrümmerte einem Jugendlichen am Poinger Skaterpark erst das Handy und schlug und trat ihm bei einem anschließenden Streit ins Gesicht.

Narben, Platzwunde, Gehirnerschütterung

Wie übel er zugerichtet war, konnte der nun 17-Jährige Markt Schwabener mit Narben an den Händen belegen – er war die Halfpipe hinuntergestürzt und hatte sich an Flaschenscherben aufgeschnitten. Zudem musste das Opfer die Februarnacht, in der sich die Schlägerei zutrug, im Krankenhaus verbringen. Diagnose: Gehirnerschütterung, Schleudertrauma, Platzwunde an der Lippe, zerbrochene Zahnspange und ein geprelltes Knie.

Streit um ein Handy und eine Frau

Es flossen reichlich Bier und Wodka in jener Nacht – das zeigt schon der Anlass des Streits: Die beiden späteren Angeklagten schmetterten das Handy des Markt Schwabeners auf den Boden. „Wir haben gemeint, das ist lustig“, lautete der Erklärungsversuch des Geburtstagskindes auf der Anklagebank. Zusätzlich in Wallung gerieten die jungen Männer offenbar, weil das spätere Opfer die Freundin des älteren der beiden Angeklagten „angemacht“ habe. Als Zeugin trat die Frau nicht auf – für das Gericht war sie weder über die Polizei noch die Familie auffindbar.

Auch die Lebensumstände der Angeklagten sind kompliziert, das ergab der Bericht der Jugendgerichtshelfer aus dem Landratsamt: Der Ältere hat Schwierigkeiten, seine Ausbildung zu schaffen, musste deshalb mehrfach umziehen und braucht Unterstützung durch Verwandte. Polizeibekannt ist er wegen zweier Kleindelikte.

Schwierige Lebensumstände bei den Angeklagten

Noch prekärer sieht es bei dem nun 18-Jährigen aus: Er flog nach nach der siebten Klasse ohne Abschluss von der Schule – seine Schulpflicht hatte er erfüllt, weil er zweimal durchfiel. Außerdem musste er bereits zwei Tage in Arrest, weil er zu oft die Jungarbeiterklasse der Berufsschule, ein Angebot für Jugendliche ohne Ausbildung, geschwänzt hatte. Weil es ihm danach nicht mehr gelang, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, ist er arbeitslos und komplett auf finanzielle Hilfe seiner Familie angewiesen.

Der Staatsanwalt folgte der Argumentation der Jugendgerichtshilfe, dass trotz der heftigen Attacke nicht nur Strafe, sondern auch Hilfe geboten sei. Gerade der Jüngere laufe sonst in Gefahr, in die Kriminalität abzudriften. Auch Jugendrichter Dieter Kaltbeitzer war dieser Ansicht. Den Älteren verurteilte er zu 700 Euro Geldauflage an und drei Tagen Sozialarbeit, beides zugunsten des Sozialvereins Brücke Ebersberg.

Mit dem Arrest ist es nicht getan

Der Jüngere bekam zu seinem 18. Geburtstag eine Woche Jugendarrest, Geld hat er ohnehin keines. Seine Tat gewichtete der Richter schwerer, da er den Kopf des am Boden knienden Opfers nicht nur geschlagen, sondern auch getreten habe.

Damit er sein Leben in den Griff bekommt, muss sich der Forstinninger zur Berufsfindung Unterstützung bei der Brücke Erding suchen – und beim Jugendamt einen Erziehungsbeistand beantragen. Angesichts eines überforderten Elternhauses soll er sich mit dieser Hilfe nach dem biologischen Erwachsenwerden auch die entsprechende geistige Reife zulegen.

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