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Seinen Abschied hat er sich fröhlicher vorgestellt: Poings Bürgermeister Albert Hingerl.

Nach 20 Dienstjahren

Servus, Bürgermeister: Hingerls Abschied war so nicht geplant

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Seinen Abschied hat sich Poings Bürgermeister Albert Hingerl anders vorgestellt: Wegen Corona befindet er sich im Krisenmodus. Am Donnerstag ist seine letzte Gemeinderatssitzung. 

Poing – Stehempfang, Abschiedsfeier, Umarmungen, Alles-Gute-Für-Die-Zukunft-Wünsche etc. pp. – all das wird Albert Hingerl nicht erleben. Zumindest vorerst nicht. Wegen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Regelungen und Maßnahmen endet seine Dienstzeit als Bürgermeister von Poing nach 20 Jahren quasi sang- und klanglos. „Irgendwann holen wir das Abschiedsfest nach“, sagt er.

Poing: Letzte öffentliche Gemeinderatssitzung

Am heutigen Donnerstag wird Hingerl zum letzten Mal eine öffentliche Gemeinderatssitzung leiten, die aufgrund von Corona im Feuerwehrhaus stattfindet. Beginn ist um 18.30 Uhr. Auch die Verabschiedung jener Gemeinderatsmitglieder, die aus dem Gremium ausscheiden, wird heute zwangsweise nüchtern ausfallen. Neben der Verabschiedung stehen Themen auf der Tagesordnung, die unverzichtbar und nicht verschiebbar sind. Aus diesem Grund dürfen laut Innenministerium Sitzungen des Gemeinderates und seiner Ausschüsse stattfinden. Auch mit Öffentlichkeit, sprich: Zuschauern. Allerdings steht für sie nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung, informiert die Gemeindeverwaltung. Und um den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten zu können (gilt auch für die Gemeinderatsmitglieder), findet die Sitzung nicht im Rathaus, sondern im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr (Friedensstraße 1) statt.

Poing: Erste Anträge fürs Neubaugebiet Lerchenwinkel

Auf der Tagesordnung stehen das Neubaugebiet W7 (Lerchenwinkel) sowie der Ersatzneubau der Grundschule Karl-Sittler-Straße. Bereits eine halbe Stunde zuvor, um 18 Uhr, beginnt eine Sitzung des Bauausschusses. Hier stehen Anträge für den Bau der ersten Häuser im Lerchenwinkel in Poing-Nord zur Entscheidung.

Natürlich habe er sich sein Dienstende anders vorgestellt, sagt Albert Hingerl, aber: „Ich bin Realist.“ Seit Beginn der Corona-Pandemie befinde er sich im Krisenmodus und ist zusammen mit Muriel Brodbeck Ansprechpartner an der Corona-Hotline, unter Telefon (0 81 21) 97 94-400, die das Rathaus eingerichtet hat. Dazu kommen Termine aller Art, der letzte offizielle ist an seinem letzten Arbeitstag, 30. April, um 14 Uhr, berichtet er. Einen Tag später ist Schluss.

Bis zum Schluss auf Terminen unterwegs

Vor gut einem Jahr gab Hingerl in der Bürgerversammlung bekannt, dass er nach 20 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl antreten werde. Jetzt, zum Schluss seiner Karriere, wäre turnusgemäß wieder Bürgerversammlung, doch die musste wegen Corona abgesagt und auf Herbst verschoben werden. Freilich hätte er nochmals gerne eine Bürgerversammlung durchgeführt, sagt Hingerl, der direkte Kontakt zu den Menschen sei ihm immer wichtig gewesen. „Ich werde eventuell nach meiner Amtszeit, und wenn es wieder erlaubt ist, ein paar Leute besuchen“, sagt er. Von den Mitarbeitern im Rathaus wolle er sich auf alle Fälle persönlich verabschieden, einzeln. „Entweder telefonisch oder mit Mundschutzmaske.“

Keine Übergabe an Nachfolger

Heute, ein Jahr, nachdem er seinen Rückzug bekannt gegeben hat, sagt Hingerl ohne Wehmut: „Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war.“ Ab dem 1. Mai mehr Zeit für die Familie, für Hobbys, für Reisen (wenn’s wieder möglich ist) und mehr.

Eine Übergabe an seinen Nachfolger Thomas Stark finde nicht statt – weil sie gar nicht nötig sei, so Hingerl. „Er ist seit 30 Jahren im Rathaus und seit 20 Jahren an meiner Seite. Er kennt alle Abläufe, alle Themen, alle Ansprechpartner – und Geheim-Dossiers habe ich keine.“

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