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Das Einfamilienhaus und die Garage an der Keltenstraße 6 sollen abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt werden. 

Geplantes Bauvorhaben

Nachverdichtung: Sorge um Ortsbild und Charakter Alt-Poings

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Bürger aus Poing-Süd kritisieren einen geplanten Neubau. Diese Form der Nachverdichtung würde das Erscheinungsbild des alten Gemeindeteils erheblich verändern. 

Poing – Die Anwohner des Grundstücks Keltenstraße 6 in Poing-Süd sehen die Feststellung der Gemeindeverwaltung anders. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung teilte das Bauamt mit: „Hinsichtlich der Höhenentwicklung und Maße des Baukörpers fügt sich das geplante Vorhaben grundsätzlich in die Umgebungsbebauung ein.“ Wie berichtet, plant ein Investor das alte Einfamilienhaus mit Garage und Schuppen an der Keltenstraße 6 abzureißen und ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen zu errichten. Der Baukörper ist im östlichen Teil mit drei Vollgeschossen geplant, im westlichen Teil mit zwei.

Poing: Zu dichte Bebauung

Die Nachbarn kritisieren das Vorhaben, weil es sich ihrer Meinung nach eben nicht in die Umgebung einfügt. In einem Brief an das Bauamt schreiben die Bewohner des Hauses Keltenstraße 4: „Die bisher erfolgte Neubebauung ab unserer Grundstücksgrenze Richtung Westen wurde bisher dahingehend verdichtet, dass auf den Grundstücken, auf denen vorher ein Einfamilienhaus stand, nun Reihenhäuser oder Doppelhäuser mit Erdgeschoss, ersten Stock und ausgebautem Dachgeschoss errichtet wurden.“ Warum jetzt ein größerer Komplex erlaubt werden soll, erschließt sich den Nachbarn nicht.

Poing-Süd: Anwohner verwundert über Bauvorhaben

Walter Hinz, Bewohner und Verwalter der Wohnungseigentümergemeinschaft Keltenstraße 4, sagt, dass er prinzipiell nichts gegen eine Nachverdichtung habe. Diese aber sollte gemäßigt erfolgen: „Wenn ich mir den Plan anschaue, dann ist da fast kein Grün mehr.“ Ganz im Gegensatz zu allen anderen Grundstücken in dem Bereich. Die Gemeinde und der Gemeinderat müssten sich die Frage stellen, ob sie eine derart dichte Bebauung in Alt-Poing zulassen möchten. Weil: Dieses Gebäude könnte zum Präsidenzfall für den Bereich Keltenstraße werden. „Alles zupflastern“, sagen Walter Hinz sowie Gabi Hageneder-Hinz, Irmgard Roming, Klaus-Dieter Thal und Ludwig Birzer im Namen aller direkten Anwohner und Nachbarn, könne doch nicht im Sinne der Gemeinde sein. Mit dieser Form der Nachverdichtung verliere Poing-Süd noch mehr an Grün und auch seinen ursprünglichen, eher dörflichen Charakter. Das Grundstück Keltenstraße 6 ist laut Bauamt circa 791 Quadratmeter groß und liegt in einem Bereich, für den es keinen Bebauungsplan gibt, sondern der innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils liegt.

Kritik an geplanter Nachverdichtung

Zu diesem Ortsteil sagen die Anwohner Hinz und Co., die seit Jahrzehnten hier leben, dass die meisten Straßen nicht für mehr Bebauung und in Folge dessen für mehr Verkehr errichtet sind. Schon jetzt gebe es Engpässe in der Keltenstraße, insbesondere an Kurven und Ecken. Wie beispielsweise an der Stichstraße Keltenweg, die direkt an das Grundstück Keltenstraße 6 angrenzt. Über den vier Meter breiten Keltenweg plant der Bauträger die Einfahrt zur Tiefgarage für das neue Mehrfamilienhaus. Gegen dieses Vorhaben haben Bauamt und Bauausschuss wegen der schmalen Breite Bedenken, weshalb die Zufahrt direkt über die Keltenstraße empfohlen wird.

Stellplatzsatzung muss eingehalten werden

Darüber hinaus muss der Investor gemäß Stellplatzverordnung der Gemeinde Poing mindestens ein Drittel der Parkplätze (geschätzt derzeit vier) oberirdisch nachweisen. Hier fragen sich die Anwohner, wo diese entstehen sollen – auf dem Grundstück dürfte kein Platz mehr dafür sein, „und auf der Keltenstraße auch nicht“, sagen sie.

Bislang liegt lediglich ein Antrag auf Vorbescheid für das geplante Bauvorhaben vor. Darin hat die Verwaltung zahlreiche Fragen des Bauherrn beantwortet. Einen konkreten Bauantrag gibt es noch nicht. Die Anwohner wehren sich dennoch schon jetzt gegen diese Form der Bebauung, weil sie ein ihrer Meinung nach schlechtes Vorbild sein könnte für weitere Vorhaben im Sinne der Nachverdichtung.

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