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Ganz harmlos tun die alten Tanten beim Polizeibesuch. 

Theater in Poing

Tödliches Vergnügen mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ 

Spritzig, spannend, sarkastisch: Die One Night Stage hat in Poing „Arsen und Spitzenhäublichen“ aufgeführt. 

Poing – An der rabenschwarzen Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring haben sich schon viele versucht. Jetzt wagte sich das neue Ensemble One Night Stage (Bühne für eine Nacht) an das Stück, mit Schauspielern aus der Nachbarschaft und angeführt von Regisseur Raffael Scherer.

Dieser Versuch darf als durchaus erfolgreich gelten: Zwei Abende hintereinander unterhielt die junge Truppe in der Aula der Anni-Pickert-Schule ihre Zuschauer glänzend. Mortimer Brewster (Stephan Kainberger) hat’s wahrlich nicht leicht: Eigentlich soll der erfolgreiche Theaterkritiker über eine Aufführung schreiben, die er nicht mag. Dazu will ihn seine heiratswütige Freundin Elaine Harper (Patrizia Hauser) unbedingt begleiten, bei der er noch nicht ganz sicher ist, ob er sie mag. Und da sind noch seine beiden Tanten Abby und Martha (herrlich gespielt von Sven Mößbauer und Michael Gammel), die er eigentlich ganz gerne mag. Ein weiterer Bewohner des Hauses ist Teddy Brewster (Mathias Neugebauer): Er lebt in seiner eigenen Welt, glaubt, Präsident Roosevelt zu sein, trompetet und trampelt laut, gräbt seltsam im Keller herum.

Leichen liegen in der Fenstertruhe

Per Zufall, fast schon auf dem Weg ins Theater, entdeckt Mortimer eine Leiche in der Fenstertruhe. Er ist fassungslos, doch seine Tanten antworten mit stoischer Gelassenheit, dass übergangsweise hier Mister Hopkins ruhe: „Er war ein einsamer Buddhist und Untermieter bei uns, wir haben ihm unseren Holunderwein gegeben, mit einer speziellen Mischung aus Arsen und Strychnin“. Der Neffe solle sich bloß nicht aufregen, „schließlich haben auch ältere Damen ihre Geheimnisse“, und Teddy, der harmlose Spinner, werde Mr. Hopkins sowieso im Keller vergraben, als Nummer zwölf! „Schließlich haben wir allen diesen Herren geholfen, ihren Frieden zu finden“, lächelt etwa Martha alle Bedenken weg. Doch für Mortimer kommt’s noch dicker, in Gestalt seines kriminellen Bruders Jonathan (Johannes Veigl), der als verschollen galt.

Opfer sterben den schnellen Gifttod

Tatsächlich erkennt ihn kaum jemand wieder, ist doch sein Gesicht von Säure entstellt – und auch er hat eine Leiche im Gepäck. Der ebenso findige wie skrupellose Gangster merkt schnell, dass es noch Platz in Fenstertruhe und Keller für „den warmen Körper draußen im Auto“ gibt, will seine Familie zur Endlagerung zwingen. Doch da hat er die Rechnung ohne die Tanten gemacht: „Einen Ausländer in unserem Keller dulden wir nicht“. Dafür unterschreiben sie willig ihre Einweisung in das Heim „Schäferstündchen“, zusammen mit Onkel Teddy.

Der Heimleiter freut sich darüber sehr, doch nicht lange: Auch er stirbt den schnellen Gift-Tod, das letzte Opfer der bösen Damen, die doch so unschuldig wirken. Damit verabschiedet sich die engagierte Schauspieler-Truppe mit viel Beifall vom Publikum.

Mehr Aufführungen waren nicht möglich

„Wir hätten zwar gerne noch weitere Aufführungen gemacht, doch leider gab’s keine freie Bühne mehr“, zog Regisseur Scherer Bilanz. Immerhin haben Bürgermeister Albert Hingerl und Kulturreferentin Birgitta Nagel die beiden Auftritte in der Schule ermöglicht. Zufrieden wird Scherer allemal sein, denn er hat nach zwei Monaten Probenarbeit ein Stück abgeliefert, das Nachschlag verdient.

Friedbert Holz

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