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In sechs deutschen Großstädten ist Uber unterwegs. Jetzt erstmals auch am Rand. 

Beförderung

Uber fährt bald in Poing und Pliening

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Der US-Fahrdienstvermittler hat angekündigt, in Poing und Pliening aktiv zu werden. Der Poinger Taxiunternehmer Frank Mauritz nimmt‘s zwar eher gelassen, dennoch ist er auch sauer. 

VON ARMIN RÖSL

Poing – Der Poinger Taxi-Unternehmer Frank Mauritz sieht die neue Konkurrenz zunächst gelassen: „Ich schaue mir das mal an, ob es Auswirkungen auf mein Geschäft hat. Und wie lange er sich überhaupt halten wird.“ „Er“, das ist der US-Fahrdienstvermittler Uber, der es erstmals außerhalb von Großstädten versucht: In den Gemeinden Poing, Pliening, Kirchheim, Aschheim und Feldkirchen will das Unternehmen an den Start gehen. Das hat laut Deutscher Presseagentur (dpa) Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler am Montag in Kirchheim (Kreis München) angekündigt. Dem Bericht zufolge wolle der US-Konzern in den fünf Gemeinden Fahrten zum Festpreis von fünf Euro anbieten, auch in den Nachbarort. Und nachts fahre Uber für 15 Euro nach München oder zurück.

Poing: Uber-Kampfpreis fünf Euro pro Fahrt

Frank Mauritz, der seit 2008 das einzige Taxi-Unternehmen in Poing führt, sagt zu den Discountpreisen nur soviel: „Wenn er es sich leisten kann.“ Der 55-jährige Poinger kann sich nicht vorstellen, dass sich das lange rechnen werde. Nichtsdestotrotz sei es eine Konkurrenz, die sich nicht an rechtliche Vorgaben halten müsse wie jedes normale Taxiunternehmen, so Mauritz. „Wir haben beispielsweise jährlich bei unseren Fahrzeugen TÜV-Untersuchungen, und unsere Fahrer müssen Ortskundeprüfungen absolvieren“, zählt er auf. Uber unterliege diesen Anforderungen des Personenbeförderungsgesetzes nicht, weil es Fahrgäste an Mietwagen mit Fahrer vermittelt. Dieses Fahrdienst-Modell ist umstritten und Mauritz findet es unfair gegenüber den eigentlichen Taxifahrern. Und: „Ich finde es voll daneben, dass dieses Pilotprojekt bei uns überhaupt stattfindet.“

Taxiunternehmer glaubt nicht an lange Dauer

Dieses sei laut Uber-Deutschlandchef Weigler ein Test für ein neues Geschäftsfeld außerhalb der Metropolen, berichtet die dpa, die den Manager wie folgt zitiert: „Mit dem Pilotprojekt wollen wir verstehen, wie ein On-Demand-Fahrservice auch in weniger dicht besiedelten Regionen (...) funktionieren kann.“ Damit die Bürger das Angebot ausprobieren, gebe es Schnäppchenpreise: „Zum Start investieren wir dafür quasi in Marktforschung“, sagt der Manager. „Wie eine wirtschaftliche Kalkulation im Regelbetrieb aussehen könnte, wollen wir bei dem Projekt lernen.“

Kein Taxiunternehmen, sondern Vermittler

Uber ist ein US-amerikanisches Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in San Francisco, das Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung anbietet. Der Konzern ist derzeit in sechs deutschen Großstädten, darunter München, aktiv. Weltweit sind es dem Unternehmen zufolge etwa 700 Städte. „Das Projekt hat auch für Uber absoluten Modell-Charakter“, wird Christoph Weigler von der dpa zitiert. Öffentliche Zuschüsse gebe es keine.

Das Taxi-Unternehmen von Frank Mauritz hat drei Fahrzeuge und fünf Fahrer, die sich die Schichten aufteilen. Und: „Wir haben viele Stammkunden, die wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.“ Hauptgeschäft seien Krankenfahrten wie zu Dialyse-Behandlungen.

Lesen Sie auch: Taxi-Gewerbe läuft Sturm gegen Uber und Pläne der Bundesregierung.

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