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„Fräulein Draußen“ alias Kathrin Heckmann aus Poing am Ziel in Großbritannien. 

Zu Fuß durch die Welt

Wanderbloggerin „Fräulein Draußen“: Allein, und doch mit tausenden Begleitern

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Kathrin Heckmann ist „Fräulein Draußen“. Die 32-Jährige aus Poing wandert durch die Welt. Allein, mit Rucksack. Und doch sind stets tausende Menschen dabei.

Poing – Offiziell liegt Kathrin Heckmanns Hauptwohnsitz in Poing im Kreis Ebersberg. Aber eigentlich wohnt sie in ihrem Zelt. Mit dem war die 32-Jährige schon in vielen Ländern dieser Welt unterwegs. Sie ist 1500 Kilometer durch Großbritannien gewandert, 1000 Kilometer durch Australien, ging in den heimischen bayerischen Bergen auf und ab, war mehrmals in Nordamerika und in Skandinavien. Immer zu Fuß, immer allein.

Auf dem Amatola-Trail in Südafrika. 

Bis auf die tausenden Begleiter natürlich, die jede Reise verfolgen. Denn Kathrin Heckmann ist eine erfolgreiche Outdoor-Bloggerin. „Fräulein Draußen“ nennt sie sich, sie hat 18.000 Follower auf Instagram, 12.600 auf Facebook, 2853 auf Twitter. Sie sagt: „Ich wandere nicht, um zu bloggen. Ich blogge, um zu wandern. Damit ich noch mehr gehe.“ Wenn sie in Städten ist, will sie meist schnell wieder raus. Zu viel Trubel. Zu viele Menschen. Angst allein im Zelt, allein im Nirgendwo hat sie nie. „Jeder Wald ist sicherer als die Münchner Innenstadt“, sagt sie.

Zum ersten Mal schlug sie ihr Zelt vor sieben Jahren in der schottischen Wildnis auf. Sie hatte ihr Studium für Publizistik und Skandinavistik gerade abgeschlossen und arbeitete als Marketing-Managerin bei einem großen Software-Unternehmen. Das war eine Zeit, in der vor allem die Schreibtischlampe ihre Nacht erhellte. In der freien Natur sind es die Sterne und die Milchstraße. „Der vielleicht schönste Anblick, den ich mir nur vorstellen könnte“, sagt sie.

Rausgehen in die Natur –das war schon immer ihr Ding, erzählt Kathrin Heckmann. Als Kind war sie oft mit dem Hund unterwegs, während des Studiums entdeckte sie dann das Wandern für sich. Bei ihrem Schottland-Trip entstand die Idee, anderen davon zu erzählen. Und zwar in einem Blog im Internet. Das war die Geburtsstunde von „Fräulein Draußen“. Seitdem erzählt sie auf www.fraeulein-draussen.de von ihren Touren, von ihren Erlebnissen in der Natur, in der Einsamkeit. „Selten schreibe ich in Echtzeit“, sagt Heckmann. Sie genießt lieber die Momente, die Natur, der Blog-Eintrag kann warten. Sie wandert, weil sie wandern will. Sie bloggt, weil sie andere teilhaben lassen und motivieren will, auch ihrem Herzenswunsch zu folgen. Und sei es auch nur eine frühmorgendliche Wanderung auf einen Berggipfel, um oben den Sonnenaufgang zu erleben. „Vielleicht kann ich dem einen oder der anderen den entscheidenden Schubs geben.“

In den Drakensbergen in Südafrika.

Dass sie mit dem Wandern und Bloggen einmal Geld verdienen würde, daran habe sie damals in Schottland freilich nicht gedacht. „2016 habe ich gemerkt, dass das möglich ist“, erzählt sie. Immer mehr Anfragen von Tourismusverbänden, von Bekleidungsunternehmen und Outdoor-Ausrüstern erreichten sie. Ob sie denn nicht diese oder jene Wanderung machen und darüber schreiben wolle, ob sie nicht eine Ausrüstung testen wolle. Wollte sie. Macht sie. Bis heute. Und für ihren Herzenswunsch, das Draußensein, gab sie schließlich sogar ihren Job auf.

„Das Schöne am Wandern ist das Unterwegssein“, sagt Kathrin Heckmann. „Die Langsamkeit. Das Gegenteil von schneller, höher, weiter.“ Deshalb hat sie sich auch keine großen Ziele gesetzt, wie: einmal auf den Mount Everest oder einmal durch die Wüste. Sie hört auf ihr Herz – ohne große Routenplanung. Einfach los.

Mitte Juli ist’s wieder so weit: zwei Monate Skandinavien. Wohin genau, steht noch nicht fest. Den Platz auf der Fähre hat sie bereits gebucht. Mehr nicht. Dieses Mal ist sie nicht zu Fuß unterwegs, sondern erstmals mit dem Fahrrad. Daran hat ein bisschen Corona Schuld: Als die Pandemie ausbrach, saß Kathrin Heckmann gerade in den Niederlanden fest. Um etwas Abwechslung zu haben, kaufte sie sich ein Fahrrad. Der Spaß daran wurde von Tag zu Tag größer.

„Ich mache nur, worauf ich Lust habe“, sagt sie. Das gilt für ihre Touren, das gilt, so betont sie, auch fürs Bloggen. „Die meisten Dinge blogge ich hinterher, vieles auch gar nicht.“ Wenn sie ein Foto teilt oder etwas darüber schreibt, dann verrät sie nicht immer den Ort. „Gerade bei sensibleren Orten sollte man überlegen, ob und was man postet“, sagt sie. Fräulein Draußen ist schließlich draußen, weil sie mag. Nicht, weil sie bloggt.

Heckmanns Buch:

„Fräulein Draußen – Wie ich unterwegs das Große in den kleinen Dingen fand“ ist im Ullstein Verlag erschienen.

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