Aus dem Gerichtssaal

Watschn kostet 500 Euro

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Watschn, Wegdrücken mit der flachen Hand oder ein Faustschlag? Am Amtsgericht Ebersberg ist das lange unklar.

Poing – Richter Dieter Kaltbeitzer muss lange nachfragen, bis er sich sicher ist: Eine Watschn ist es am Ende, wegen der ein 20-Jähriger aus Markt Schwaben vor dem Amtsgericht Ebersberg zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt wird. Ebenfalls lange unklar: ob er vorsätzlich zugeschlagen hat.

Von vorne: Alles beginnt einige Stunden vor besagter Watschn, in Erding auf einem Volksfest, 2015. Ein 22-Jähriger aus Poing feiert gemeinsam mit einem Kumpel (17) im Bierzelt, sie trinken ein paar Maß. Es kommt zu einer Unstimmigkeit mit einer Gruppe heranwachsender Jugendlicher, Beleidigungen fallen angeblich. Ein 16-Jähriger fühlt sich von dem 22-jährigen Poinger derart verbal angegriffen, dass er seinen älteren Bruder anruft, der kurzerhand mit einigen Freunden am S-Bahnhof Poing die beiden Bierzeltgänger abwartet, als sie aus Erding zurückkommen. Die Gruppe zieht in Richtung City Center.

Der ältere Bruder des 16-Jährigen, der sich in Erding beleidigt fühlte, stellt den 22-Jährigen wegen der verbalen Ergüsse zur Rede: Was dann genau passiert, lässt das Gericht bei der Verhandlung rätseln. Fünf Beschuldigte hätten laut Anklage einen Kreis um den 22-jährigen Poinger gebildet und diesen damit am Weglaufen gehindert. Der ältere Bruder habe auf ihn eingeschlagen. Alles Lüge, sagen die Angeklagten – alle aus Markt Schwaben. Einen Kreis habe es nie gegeben. Das Opfer selbst sagt während der Verhandlung, dass er sich gar nicht eingekesselt gefühlt habe. Wo er sich aber sicher sei: dass einer der Beschuldigten ihn mehrmals mit der Faust auf den Hinterkopf geschlagen habe. Auch das sei gelogen, beteuern hingegen die fünf Markt Schwabener. Der ältere Bruder habe den Poinger lediglich „mit der flachen Hand“ weggeschoben.

„Vor Gericht verharmlosen Sie das Ganze jetzt“

Dieter Kaltbeitzer ist skeptisch. Stellt er sich doch die Frage, ob ein Wegschieben mit der flachen Hand und eine Watschn nicht sehr ähnlich sind? Auf die Geschwindigkeit komme es wohl an. Außerdem: Zwei der Angeklagten haben bei der Polizei von einer „Watschn“ gesprochen, einer habe sogar von „zuschlagen“ erzählt, hält der Richter den fünf Freunden vor. „Vor Gericht verharmlosen Sie das Ganze jetzt“, sagt Kaltbeitzer. Am Ende ist sich der Richter sicher: Es sei eine Watschn gewesen. Und: Der 20-Jährige habe vorsätzlich zugehauen.

Zwar behaupten die Angeklagten, dass der 22-jährige Poinger einen Maßkrug dabei hatte, und mit diesem vor dem Gesicht des 20-jährigen Bruders „herumgefuchtelt“ habe. „Das war gefährlich“, sagen sie. Er hätte mit dem Krug zuschlagen können. Doch eine Notwehrsituation kann weder Staatsanwaltschaft noch Gericht dabei feststellen. Der 20-Jährige akzeptiert das Urteil wegen vorsätzlicher Körperverletzung, 500 Euro Strafe. Weitere Faustschläge, wie das Opfer behauptet, können ihm nicht nachgewiesen werden. Ausschließen kann Richter Kaltbeitzer eine Kreisbildung der anderen Beschuldigten – was als Körperverletzung angeklagt war. Sie wurden darin freigesprochen.

Jedoch wird einer der Markt Schwabener (20) weiter wegen Diebstahls verurteilt: drei Tage Sozialdienst. Er hat dem Kumpel (17) des Poingers nach dem Gefecht eine Schachtel Zigaretten geklaut. Auch er akzeptiert das Urteil noch im Gerichtssaal, obwohl er bis zum Ende der Verhandlung beteuert hat, die Zigaretten nicht aus der Hand des 17-Jährigen Poingers gerissen zu haben.

Ein dritter der Angeklagten aus Markt Schwaben wird im selben Prozess wegen Sachbeschädigung zu zwei Tagen Sozialdienst verurteilt. Er gesteht am Ende der Verhandlung, gegen ein Auto getreten zu haben – Sachschaden über 500 Euro.

Rubriklistenbild: © sro

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