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Die Gemeinde Poing bekommt ein neues Seniorenzentrum - und will demenzfreundliche Gemeinde werden.

Seniorenkonzept

Poing will mehr Angebote für Senioren und demenzfreundliche Gemeinde werden

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Die Gemeinde Poing ist jung und kinderreich - in Zukunft wird sie auch älter und braucht mehr Pflegeplätze. Und mehr Hilfen für Senioren. All das soll kommen.

Poing – Es sind drastische Worte, die Peter Maier wählt: „Wir haben auch in Poing einen Pflegenotstand.“ Das sagte der SPD-Fraktionssprecher und Seniorensprecher des Gemeinderats am Donnerstagabend in der Dreifachhalle des Sportzentrums. Dort fand die öffentliche Sitzung des Gemeinderates statt, in der gut zwei Stunden über das Thema Senioren gesprochen und diskutiert worden ist. Mit seinem Satz wies Maier darauf hin, dass es für das Seniorenzentrum Poing eine Warteliste gebe. Die Einrichtung verfügt über 39 Pflegeplätze, davon vier Kurzzeitpflegeplätze. Insgesamt leben im Seniorenzentrum (inklusive Betreutem Wohnen) rund 60 Menschen. So steht es auf der Internetseite der gemeinnützigen Pflegestern Seniorenservice GmbH, die dem Vernehmen nach auch das neue Seniorenheim in Poing betreiben wird.

Poing: Bedarf an Plätzen steigt um das Doppelte

Das soll unweit des neuen Rewe-Marktes in Poing-Süd gebaut werden. Laut Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) werden in den nächsten Monaten detaillierte Pläne im Gemeinderat behandelt werden. Geplant seien 105 vollstationäre Plätze, dazu Tagespflege und Betreutes Wohnen. Einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht.

Dass Bedarf vorhanden ist und dieser in den nächsten Jahren steigen wird, zeigt eine Analyse, die das Büro für Räumliche Entwicklung (BRE, München) im Auftrag der Gemeinde Poing durchgeführt hat. Heike Pethe vom BRE stellte in der Gemeinderatssitzung die Ergebnisse der Pflegebedarfsplanung vor. Demzufolge steigt der Bedarf von aktuell etwa 80 auf gut 120 Plätze im Jahr 2033. Damit bestätigt die Analyse die Aussage von Peter Maier: Aktuell gibt es in Poing 80 Pflegebedürftige, die einen Heimplatz benötigen, im bislang einzigen Seniorenzentrum allerdings sind lediglich 39 (abzüglich der Kurzzeitplätze) vorhanden. Bis ins Jahr 2033, so Pethe, gebe es in der stationären Pflege einen Mehrbedarf von circa 95 Plätzen. Grund: Die Anzahl der Menschen ab 65 Jahren steigt; die Zahl jener über 85 Jahre beispielsweise wird sich laut Prognose im Laufe der nächsten Jahre verdoppeln auf dann etwa 300 (ab dem Jahr 2025 und danach gleichbleibend).

Poing: Neues Seniorenheim beim Rewe-Markt

Die Vollzeitpflege ist nicht das einzige, wo es in Poing fehlt. Laut Bedarfsprognose trifft dies auch für die Tagespflege zu. Einen weiteren Punkt brachte Franz Langlechner (CSU) zur Sprache: haushaltsnahe Dienstleistungen bzw. Hilfen für Seniorinnen und Senioren, die noch zuhause leben. Auch hier fehle es in der Gemeinde Poing an ausreichend Angeboten. Langlechner ist, wie Peter Maier, Seniorensprecher des Gemeinderates, beide sind außerdem im Seniorennetzwerk aktiv.

Seniorenbeirat Poing braucht Nachwuchs

Abgesehen von den Pflegeeinrichtungen sehen Maier und Langlechner die Seniorenarbeit in Poing auf gute Beine gestellt, Langlechner nannte sie in der Sitzung gar „beispielgebend“. Dank des hauptamtlichen Seniorenteams, bestehend aus Kerstin Bachmann und Volker Sterker, sowie dem seit Jahrzehnten aktiven und engagierten Seniorenbeirat. Mit Blick auf dieses Gremium sagte Günter Scherzl (FWG) in der Gemeinderatssitzung, dass es für die nahe Zukunft eine zentrale Aufgabe sein müsse, „die nächste Generation für den Seniorenbeirat zu gewinnen“. Einige der Gründer und heute noch Aktiven seien teilweise bereits in einem hohen Alter.

Poing will demenzfreundliche Gemeinde werden

Zur Seniorenarbeit in Poing gehört das Seniorennetzwerk, das sich alle sechs Monate trifft (wegen Corona derzeit allerdings nicht). Mitglieder sind unter anderem Vertreter der Gemeinde Poing, des Seniorenbeirats sowie zahlreicher Vereine und Organisationen, die mit Seniorenarbeit zu tun haben bzw. diese aktiv betreiben.

Seit 2018 wird ein Seniorenkonzept erstellt und stetig weitergeführt. Kerstin Bachmann und Volker Sterker stellten in der Gemeinderatssitzung die Kernpunkte für 2021 vor. Darin inbegriffen sind unter anderem Beratung und Information durch das Seniorenteam, gesellschaftliche Teilhabe, Unterstützung pflegender Angehörige und präventive Angebote. Dies und weitere Felder haben als Hauptziel: dass Menschen so lange wie möglich zuhause wohnen können. Dazu beitragen soll auch das gegenseitige aufeinander Aufpassen von Bürgern. Volker Sterker sagte, dass sich Poing an der im Juli 2020 vom Bundeskabinett beschlossenen „Nationalen Demenzstrategie“ beteiligen werde: „Wir wollen eine demenzfreundliche Gemeinde werden.“

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