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Beim Tag der offenen Tür in der Traglufthalle Grub vor zwei Monaten waren Götz Kirchhoff (re.) und der Helferkreis voller Tatendrang. Doch statt, wie vom Landratsamt angekündigt, mehr Asylbewerber zu begleiten, sinkt die Zahl der Flüchtlinge.

Umzug

Flüchtlingszahl sinkt auf 160

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Die Zahl der Asylbewerber, die in Poing untergebracht sind, wird bis zum Ende der Sommerferien von derzeit gut 380 auf etwa 160 sinken. Grund: Die Flüchtlinge aus der Realschulturnhalle werden nach Pliening und in den Landkreis Eichstätt ausquartiert. 

Nachdem die Realschulturnhalle geräumt ist (dies soll bis Ende der Sommerferien geschehen), ist das ehemalige Arbeiterwohnheim an der Gruber Straße die einzige Massenunterkunft für Asylbewerber in Poing. Die Turnhalle der Seerosenschule ist bereits leer, die zweite Notunterkunft in der Dominik-Brunner-Realschule wird in diesen Tagen geräumt. Am gestrigen Dienstag wurden gut 20 Afghanen in den Landkreis Eichstätt gebracht, wohin auf Geheiß der Regierung von Oberbayern der Großteil der in Poing lebenden Asylsuchenden umziehen wird, berichtet Götz Kirchhoff, Sprecher und Koordinator des Helferkreises.

Knapp 70 Flüchtlinge sollen ab dem heutigen Mittwoch Zug um Zug in die Traglufthalle nach Pliening kommen. Dabei handelt es sich insbesondere um jene, die in der Region bereits Wurzeln geschlagen haben, weil sie beispielsweise an Lernprogrammen teilnehmen oder Praktika absolvieren bzw. arbeiten.

Hier allerdings ist Kirchhoff mit der Informationspolitik und der Vorgehensweise des Landratsamtes nicht zufrieden. Auf seine Frage, wer denn grundsätzlich für die Verlegung und die Verteilung zuständig sei, habe er bislang keine Antwort erhalten. Seiner Meinung nach wäre es besser gewesen, die Kreisbehörde hätte vor der Umverteilung eine Erhebung gemacht, welche Asylbewerber hier bereits „Wurzeln geschlagen“ haben, sodass man sie nicht aus der jetzigen Umgebung herausreißen müsse. Andererseits, so Kirchhoff, hätte man durchaus Flüchtlinge aus der Traglufthalle in Pliening, die noch nicht integriert sind, nach Eichstätt umziehen können – sodass genug Platz wäre für jene aus Poing, die bereits hier Fuß gefasst haben.

Erst vor einer Woche habe er von der Umquartierung erfahren, berichtet Götz Kirchhoff, und auch, dass das Landratsamt zunächst etwa 50 Asylbewerber ausgewählt habe, die (in Pliening) bleiben dürfen.

Daraufhin habe er zusammen mit Mitgliedern des Helferkreises am Wochenende selbst bei den Flüchtlingen in der Dominik-Brunner-Realschule nachgefragt, wer Kurse besucht bzw. Praktika macht oder arbeitet. „Wir haben dem Landratsamt daraufhin zwölf Asylbewerber genannt, die hierbleiben sollten.“

Die kurzfristigen Entscheidungen und die abrupte Vorgehensweise seitens der Kreisbehörde sei schade für die bisher geleistete Integrationsarbeit des Helferkreises, sagt Kirchhoff. Er hätte sich eine bessere Kommunikation gewünscht. Auch in Sachen Traglufthalle in Grub. Ebenfalls vor einer Woche habe er erfahren, dass diese nicht belegt werden soll. Der Tag der offenen Tür, bei dem der Helferkreis auf die Ankunft von Asylbewerbern vorbereitet worden war: umsonst. „Wie viel die leer stehende Halle den Steuerzahler kostet, das müsste der Landrat beantworten“, meint Kirchhoff.

Wenn zum Ende der Sommerferien die Realschulturnhalle frei ist, werden es noch etwa 160 Asylbewerber sein, die in Poing leben. 120 davon im ehemaligen Arbeiterwohnheim an der Gruber Straße, der Rest in kleinen Unterkünften der Gemeinde Poing. „Der Helferkreis bleibt freilich bestehen und kümmert sich weiterhin um diejenigen, die hier sind“, betont Götz Kirchhoff. Auch die Kleiderkammer im Wohnheim werde fortgeführt. Außerdem werde der Poinger Helferkreis (derzeit rund 160 Ehrenamtliche) mit jenem in Pliening zusammenarbeiten und diesen unterstützen.

Armin Rösl

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