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Poinger (60) wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs der Stieftocher vor Gericht

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Anklage wegen sexuellen Missbrauchs: In Dacchau steht ein 48-Jähriger vor Gericht (Symbolbild).
Anklage wegen sexuellen Missbrauchs: In München steht ein 60-jähriger Poinger vor Gericht (Symbolbild). © dpa

Weil er seine heute 19-jährige Stieftochter über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben soll, muss sich ein 60-Jähriger vor dem Münchner Landgericht verantworten. Der Mann räumt die Vorwürfe ein. Die Mutter der 19-Jährigen hat sich dennoch nicht von ihm getrennt.

Poing - Laut Anklage sind Mutter und Tochter im März 2011 in das Haus des Angeklagten eingezogen. Dieser war in die Betreuung und Erziehung der damals Neunjährigen eingebunden. Bereits im September desselben Jahres hat er sich erstmals an das Mädchen herangemacht und sie auf der Couch beim Fernsehen im Brust- und Intimbereich befummelt. In den folgenden vier Jahren kam es zu über 140 Übergriffen – mit steigender Intensität.

Zum Geschlechtsverkehr kam es nur deshalb nicht, weil es ihm nicht gelang, in das Mädchen einzudringen. Ob er bei den Übergriffen Gewalt angewendet hat, blieb offen. Das Kind hat sich aus Angst vor Repressalien nicht gewehrt.

Sexuelle Übergriffe und eine Körperverletzung

Die sexuellen Übergriffe gab der Angeklagte ebenso zu wie einen Fall der Körperverletzung: Mit seinen Arbeitsschuhen mit Stahlkappen hat der gelernte Werkzeugmacher dem Kind in den Rücken getreten. Auch ihm sei im Alter zwischen 13 und 17 „körperliche und seelische Gewalt“ in einem klösterlichen Internat bei Eichstätt angetan worden, erklärte der 60-Jährige. Sexuell missbraucht worden sei er aber nicht, mehr wolle er dazu nicht sagen. In seiner Familie sei er „das schwarze Schaf“ gewesen. Um zu erfahren, „warum es so gelaufen ist, wie es gelaufen ist“, habe er sich nicht nur an Psychologen gewandt, sondern auch an Heiler und Pendler und sogar an einen peruanischen Schamanen.

Täter entschuldigt sich in einem Schreiben

In einem Schreiben an seine Stieftochter entschuldigte er sich für das „erhebliche Maß an Respektlosigkeit und Verantwortungslosigkeit“ und fügte hinzu: „Ich schäme mich zutiefst“. Dafür, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, hat ihm das Gericht einen Strafrahmen zwischen vier und fünf Jahren in Aussicht gestellt.

Die Vorsitzende Richterin Regina Holstein machte keinen Hehl daraus, dass sie das mutmaßliche Opfer für glaubwürdig und eine höhere Strafe für möglich hält. Dass sich das Gericht dennoch auf den Deal eingelassen hat, hat wohl damit zu tun, dass der jungen Frau so die Aussage vor Gericht erspart bleibt. Das Video über die Vernehmung der 19-Jährigen ist im Gerichtssaal abgespielt worden – wie üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ambivalentes Verhältnis des Opfers zur Mutter

Die junge Frau tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Das Verhältnis zu ihrer Mutter sei „ambivalent“, sagte ihre Anwältin Claudia Enghofer am Rande der Verhandlung. Zum einen, weil unklar sei, was die Mutter von den Übergriffen mitbekommen hat. Zum anderen, weil sich die Mutter, die den Angeklagten nach den Vorfällen geheiratet hat, nicht von ihm getrennt hat. Auch nicht, nachdem sich die Tochter ihr und der Polizei anvertraut hat und der Angeklagte verhaftet worden ist. Auch die 5000 Euro, die ihr der Angeklagte angeboten habe, wolle ihre Mandantin nicht annehmen, erklärte Enghofer: Sie wolle ihm nicht die Möglichkeit geben, sich freizukaufen. In der Tat würde ein gelungener Täter-Opfer-Ausgleich wohl zu einer Strafe am unteren Ende des vereinbarten Strafrahmens führen.

Mit einem Urteil wird kommende Woche gerechnet.

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