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Wegen der Bauarbeiten bleibt der Parkplatz auf der Südseite des Poinger S.-Bahnhofs gesperrt.

Das Jahrhundert-Bauwerk

Poinger Bahnunterführung: Endlich Baubeginn

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Jahrzehntelang hat die Gemeinde Poing auf diesen Tag gewartet: Endlich haben die Arbeiten zum Neubau der Bahnunterführung am S-Bahnhof begonnen. Sie soll die Verbindung zwischen Alt- und Neu-Poing werden. 

 Poing – Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und der Deutschen Bahn AG war in den vergangenen Jahren, gelinde gesagt, nicht einfach. Chaotisch zum Teil. Wofür die Kommune nicht viel konnte, sie war der Bahn sozusagen ausgeliefert. Der Konzern war es, der immer wieder für Verwirrung gestiftet hat. Planungen wurden vorgestellt und verworfen, Planer präsentiert und durch neue ersetzt. In der Dezember-Sitzung 2003 verkündete die Bahn, dass der Startschuss für den Bau der neuen Bahnunterführung im September 2004 erfolgen, das Bauwerk im August 2005 fertig sein solle. Für den Bau waren vier Millionen Euro ursprünglich veranschlagt, in jener Sitzung erfuhr der Gemeinderat, dass sich die Kosten um eine halbe Million erhöhen würden.

Aus dem Bau ist damals nichts geworden, wie auch in den darauf folgenden Jahren nicht, obwohl es immer wieder neue Ankündigungen und Versprechungen seitens der Bahn gegeben hatte. Später hieß es, die Unterführung solle 2007 fertig sein, dann wurde sie doch wieder aufs Abstellgleis gestellt. Zumal im Jahr 2005 bekannt wurde, dass in den bisherigen Kostenberechnungen der Bau von barrierefreien Rampen, sprich: Zugängen zu den Bahnsteigen, vergessen worden sei. Dies gab Bürgermeister Albert Hingerl Anfang 2005 bekannt – die Folge: Die Kosten würden sich fast verdoppeln.

Eine Kostenexplosion drohte zudem, weil der Gemeinderat damals bei den ursprünglichen Planungen auf eine sehr breite und demzufolge lichte Unterführung gesetzt hatte. Davon musste sich die Kommune verabschieden – im Laufe der Jahre wurde das Bauwerk immer schmäler. Kein Platz mehr für Geschäfte, Café oder Ausstellungsflächen – diese Träume, die der Gemeinderat zu Beginn der Planungen gehegt hatte, waren geplatzt.

Also alles zurück auf Anfang. Mit einer Unbekannten: Kommt der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen München-Ost und Markt Schwaben? Die Gemeinde wusste jahrelang nicht, ob die Unterführung auf den Ist-Zustand (zwei Gleise) oder auf vier Gleise ausgerichtet werden sollte. Das Projekt stand weiterhin auf dem Abstellgleis. Als sich der Gemeinderat im April 2007 kurz vor dem Ziel wähnte (damals wurde ein konkreter Entwurf beschlossen), gab es Anfang 2008 einen herben Rückschlag: Das damals eingesetzte Planungsbüro hatte den Auftrag zurückgegeben, angeblich wegen Problemen in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Bahn. Die folgenden Jahre herrschte Funkstille, auch deshalb, weil stets unklar war, ob und wann die Bahnstrecke vom Münchner Ostbahnhof bis Markt Schwaben viergleisig ausgebaut wird.

Nachdem Anfang 2011 bekannt wurde, dass in absehbarer Zeit kein Ausbau erfolgt, beschloss die Mehrheit im Gemeinderat, dass die Gemeinde Poing nicht mehr länger auf die Bahn warten und die Unterführung in Eigenregie bauen wolle. Die Kostenschätzung damals: etwa 8,3 Millionen Euro, von denen die Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren (ARGE) am Bergfeld vier Millionen Euro übernehmen wollte. So ist es in einem Vertrag mit der Gemeinde Poing festgeschrieben, der bis heute gültig ist. Aus den vier Millionen sind mittlerweile 3,5 Millionen Euro geworden, da in den vergangenen Jahren rund 500 000 Euro hauptsächlich für Planungskosten draufgegangen sind. Neue Ziele für die Fertigstellung wurden gesetzt: erst das Jahr 2015, danach 2017. Aus beidem wurde nichts.

Immerhin: 2017 beschloss der Gemeinderat in Absprache mit der Bahn, die Unterführung endlich in Angriff zu nehmen und das Bauwerk auszuschreiben. Es folgte der nächste Schock: Kein einziges Unternehmen gab ein Angebot ab. Die Gemeinde musste das Vorhaben erneut auf dem Markt anpreisen. Dieses Mal mit einer Bauzeit von 18 statt elf Monaten. Daraufhin meldeten sich drei Firmen, im April 2018 erteilte der Gemeinderat einem Unternehmen den Auftrag. Die Kosten: knapp acht Millionen Euro. Baustart: 22. Mai.

Damit ist aber immer noch nicht alles im grünen Bereich. Kurz vor der Auftragsvergabe hatte die Deutsche Bahn angekündigt, die barrierefreien Rampen, für deren Bau sie zuständig ist, frühestens im Jahr 2020 errichten zu können – also erst nach der Errichtung der Unterführung.

Bürgermeister Albert Hingerl sprach unlängst von einem „Schildbürgerstreich“, sollte es dazu kommen. Am Ende stünde eine fertige, neue Bahnunterführung – ohne barrierefreie Zugänge zu den Bahnsteigen. Hingerl kündigte an, dass die Gemeinde alles versuchen werde, die Rampen doch zeitgleich errichten zu lassen. Das Dauer-Projekt und -Thema Bahnunterführung bleibt weiter spannend.

Für den Fall, dass das Bauwerk tatsächlich wie geplant errichtet wird, hat Bürgermeister Albert Hingerl bereits angekündigt, eine Pilgerwanderung nach Altötting machen zu wollen.

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