Skelett
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4000 Jahre alt ist dieses Grab mit Skelettresten, das Archäologen auf dem Areal des Neubaugebiets W7 gefunden haben.

Untersuchungen abgeschlossen

Poinger Lerchenwinkel: Wohnen, wo schon vor 4000 Jahren Menschen lebten

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Wohnraum für etwa 2000 Leute wird im Neubaugebiet Lerchenwinkel in Poing geschaffen. Archäologische Funde beweisen, dass hier schon vor 4000 Jahren Menschen lebten.

Ein letzter Streifen am östlichen Rand musste Ende 2020 noch untersucht werden, jetzt sind die archäologischen Arbeiten auf der gesamten Fläche des Neubaugebiets Lerchenwinkel abgeschlossen. Das gibt Thomas Schächtl von der Standortmarketingagentur Schwebende Elefanten im Namen und Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Bauträger und Investoren am Bergfeld (ARGE) bekannt. Laut Bericht der mit den Untersuchungen beauftragten PLANAteam Archäologie (Wasserburg am Inn) wurden in dem schmalen Streifen 13 archäologische Befunde dokumentiert. „Hauptsächlich flache, wenige Dezimeter tiefe, rundlich bis ovale Pfostenreste“, heißt es im Bericht.

Glockenbecherzeit

Als Glockenbecherkultur wird eine endneolithische Kultur bezeichnet, die in Süd-, West- und Mitteleuropa (im Osten bis nach Ungarn) ab 2600 v. Chr. aufkommt, etwa bis 2200 v. Chr. andauert und nur in Großbritannien bis ca. 1800 v. Chr. besteht. Sie stellt in diesen Regionen eine Kultur am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit dar. (Quelle: Wikipedia)

Diese Spuren auf Hausgrundrisse fügen sich laut Archäologen ins Gesamtbild des Neubaugebiets ein: Das Areal war schon immer ein Siedlungsgebiet. Funde gehen bis in die Glockenbecherzeit vor 4000 Jahren zurück. So auch jetzt, im Abschlussbericht schreibt PLANAteam-Chef Ulrich Schlitzer: „Es handelt sich um vorgeschichtliches (vermutlich metallzeitliches) Siedlungsmaterial wie bspw. etwas Keramik. Die Befunde passen hinsichtlich ihrer Lage und Orientierung zu den 2018/19 festgestellten, glockenbecherzeitlichen bis frühbronzezeitlichen Strukturen.“

Poing: Neues Baugebiet so groß wie 23 Fußballfelder

Auf dem Gelände des Neubaugebiets Lerchenwinkel (circa 16 Hektar groß, was etwa 23 Fußballfeldern entspricht) fanden die Archäologen unter anderem eine kleine Nekropole (Totenstätte) der mittleren bzw. jüngeren Glockenbecherzeit (2600 bis 2200 v. Chr.) mit neun Hockergräbern. Außerdem Siedlungsspuren aus der anschließenden Frühbronzezeit. Insgesamt konnten die Archäologen auf dem Areal mindestens 50 Hausgrundrisse rekonstruieren, von unterschiedlicher Größe. „Das lässt darauf schließen, dass hier über mehrere Jahrtausende hinweg Menschen gelebt haben“, sagte PLANAteam-Inhaber Ulrich Schlitzer vor zwei Jahren, als die meisten Arbeiten abgeschlossen waren. Damals wurden öffentliche Führungen über das Gelände angeboten, bei denen die Archäologen die Funde erläuterten. Diese reichen teilweise zurück bis in die späte Steinzeit, der Großteil der Häuserreste sowie Tonscherben sei in die Zeit um 2500 vor Christus einzuordnen.

In der Zusammenfassung für den Lerchenwinkel schreibt Schlitzer: „Die Grabungsfläche reihte sich in das weitreichende Siedlungsareal ein, das im Norden von Poing innerhalb der letzten 16 Jahre zum Vorschein kam.“ Aufgrund der Neubaugebiete und der im Vorfeld stets stattfindenden Bodenuntersuchungen gilt Poing-Nord als größte zusammenhängende Fläche Bayerns, die archäologisch untersucht wird. Im Lerchenwinkel werden Häuser und Wohnungen für etwa 2000 Menschen gebaut; außerdem wird hier ein Gymnasium errichtet.

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