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Wieder Corona-Welle: Darf der Nikolaus heuer kommen? In bayerischem Ort hat man kreative Ideen

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Nikolaus vor einem Kirchenschild
Gelebte Ökumene: Am 6. Dezember empfängt der Nikolaus in Poing Familien und Kinder in der evangelischen Christuskirche. © Konstantin Rösl

Wegen der Corona-Lage kann der Nikolaus in Poing heuer erneut nicht zu den Familien kommen. Sie aber können zu ihm - dieses Mal aber nicht in die Pfarrkirche.

Poing – Wie einst Maria und Josef, so war der Nikolaus der Poinger Privatinitiative „Weltstadtvorstadt mit Herz“ (WSVSmH) in den vergangenen Tagen auf Herbergssuche – für Sonntag und Montag, 5. und 6. Dezember. Nach mehreren Gesprächen ist er fündig geworden und erhält an beiden Tagen Obdach: einmal in einem Baucontainer, das andere mal in der evangelischen Christuskirche.

Poing: Nikolaus auf der Suche nach einer Herberge

Der Reihe nach: Wegen der aktuellen Corona-Lage sind Haus-/Wohnungsbesuche in diesem Jahr leider erneut nicht möglich. Bis vor gut zwei Wochen dachte Armin Rösl, WSVSmH-Initiator und -Nikolaus, dass es doch noch klappen könnte. Bereits seit etwa einem Monat ist sein ehrenamtlicher Nikolausdienst mit gut 40 Anmeldungen ausgebucht. Doch dann kam die vierte Coronawelle übers Land und somit das Aus für Besuche in Häusern und Wohnungen. Zwar ist Rösl geimpft, dennoch ist ihm das Risiko zu groß, unwissentlich mit dem Virus angesteckt zu werden und es dann weiter zu tragen. Auch die Einhaltung der 2G-Regel in den einzelnen Häusern wäre zu aufwendig, berichtet er.

Nikolaus vor Baucontainer.
Am 5. Dezember wird der Nikolaus im Bauleitungscontainer der ARGE am Neubaugebiet Lerchenwinkel sein. Der Container wird innen dekoriert. © Konstantin Rösl

Erster Gedanke des 48-Jährigen: „Ich mache es wie vergangenes Jahr, stelle mich in die katholische Pfarrkirche und empfange dort die Familien und Kinder.“ Pfarrer Philipp Werner hatte vor einem Jahr ohne Zögern beide katholischen Kirchen in Poing zu Verfügung gestellt – seit drei Jahren gibt es mit Dominik Junga einen zweiten, zusätzlichen Nikolaus, um so gut es geht alle Anfragen annehmen zu können. Er empfing in der zweiten Kirche Familien und Kinder.

Katholische Pfarrkirche Poing heuer leider besetzt

Heuer gibt es allerdings ein Problem: Die beiden Kirchen sind am 5. und 6. Dezember mit Krippenspielproben und anderen Veranstaltungen belegt. Hintergrund: Die Kirchen müssen derzeit als Ersatzorte für das Pfarrheim Rupert Mayer dienen, in dem notgedrungen der katholische Kindergarten am Endbachweg mit 35 Kindern untergebracht ist. Weil der Neubau nach fünf Monaten wegen Wasserschäden schon wieder geschlossen ist und saniert werden muss (wir berichteten).

Wir sprechen heute von einem Ökumenischen Heiligen. Und Ökumene finde ich gut!

Poings evangelischer Pfarrer Michael Simonsen

Was tun? Den Nikolausdienst absagen, kam für Rösl nicht infrage. Erstens, um den Kindern in Poing einen Nikolaus zu ermöglichen, zweitens, um durch den Dienst wieder Spenden für seine Patenkinder der Stiftung Regentropfen in Ghana sammeln zu können. Die erste Idee: Bei Poings evangelischem Pfarrer Michael Simonsen nachfragen, ob der Heilige Nikolaus nicht in der Christuskirche... „Aber klar!“, lautete gleich dessen Antwort. Probleme, dass es eigentlich ein katholischer Heiliger ist? Simonsen: „Da er schon lange nicht mehr lebt und in einer Zeit gewirkt hat, als es nur eine Kirche gab, sprechen wir heute von einem Ökumenischen Heiligen. Und Ökumene finde ich gut!“ Am Montag, 6. Dezember, kann der WSVSmH-Nikolaus in die Christuskirche.

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Offene Türen bei der ARGE der Bauträger

Was aber am Sonntag, 5. Dezember? An diesem Tag ist die evangelische Kirche wegen eines Adventskonzerts den ganzen Nachmittag belegt. Ausgerechnet an jenem Tag, an dem auch Dominik Junga Zeit hat und mit Armin Rösl viele Termine wahrnehmen könnte. Rösls nächste Idee: Bürgermeister Thomas Stark. Der sagte sofort Unterstützung zu, allerdings sei es nicht so ohne Weiteres möglich, Privatpersonen in öffentliche Gebäude wie das Bürgerhaus oder das Jugendzentrum zu lassen. Aus verschiedenen Gründen. Wenn es allerdings gar nicht anders gehe, dann...

Container werden innen geschmückt

...Rösl probierte es bei einer weiteren Anlaufstelle: Der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Bauträger und Investoren am Bergfeld, ein Zusammenschluss von Firmen und der Gemeinde Poing. Die ARGE hat einen neuen Bauleitungscontainer am Neubaugebiet Lerchenwinkel aufgestellt, der alte (etwa 500 Meter entfernt) steht auch noch. Könnten die Nikoläuse nicht in die beiden Container (weit genug voneinander entfernt, sodass die Kinder nicht verwirrt werden wegen der zwei Nikoläuse? „Freilich!“, lautete die Antwort von ARGE-Sprecher Helmut Sloim. Damit in den Containern der Nikolausbesuch zum Erlebnis wird, werden sie innen weihnachtlich dekoriert. Und damit alles so sicher wie möglich ist, gilt für Erwachsene die 2G-Regel und FFP2-Maskenpflicht.

„Ich danke von Herzen allen, die dem Nikolaus eine Herberge geben“, sagt Armin Rösl. „Es sind einmal mehr außergewöhnliche Zeiten, dennoch sollen Kinder die Möglichkeit haben, den Nikolaus zu besuchen.“ rm

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