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Eintauchen in andere Welten: Sigrid A. Urban aus Poing ist Yogalehrerin, Rückführungsleiterin, Hypnotiseurin – und sie schreibt Romane über homosexuelle Männer sowie Kurzgeschichten. 

Poingerin schreibt über homosexuelle Männer

In anderen Welten

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Die Poingerin Sigrid A. Urban bringt Geist und Seele auf neue Spuren – und sie schreibt Bücher über Homosexuelle. Wir haben sie besucht.

Poing – Sigrid A. Urban spricht ruhig, sie blickt ihrem Gesprächspartner in die Augen, ohne ihm das Gefühl zu geben, sie wolle ihn durchdringen oder bedrängen. Ihre Sinne sind im feinfühligen Radarmodus. Sigrid A. Urban ist eine achtsame, aufmerksame Frau, ablenken lässt sie sich nicht. Das gilt für ein normales Gespräch ebenso wie für ihren Beruf. Die 46-jährige Poingerin, gelernte Bauzeichnerin, ist seit 1999 Yogalehrerin, mittlerweile hauptberuflich. Im Jahr 2014 absolvierte sie zusätzlich eine Ausbildung zur Hypnotiseurin und Leiterin für Rückführungen. Dinge, die man nicht so nebenher macht. Ebenso wenig wie die Romane und Kurzgeschichten, die Sigrid A. Urban schreibt: Drei Bücher hat sie verfasst, alle handeln von homosexuellen Männern, deren Schicksal und Kampf im Leben. Warum nicht über lesbische Frauen schreiben? „Weil mich Männer mehr interessieren“, antwortet sie.

„Als ich mein erstes Manuskript Verlagen vorgelegt habe, antworteten die, sie würden keine homo-erotischen Bücher verlegen“, erinnert sie sich. „Also bin ich zu einem schwulen Verlag gegangen“, sagt sie. Der nenne sich tatsächlich so, erklärt sie, er hat alle ihre drei Bücher veröffentlicht. „Einmal Sinti und zurück“, „Engelsgesang“ und „Erwarte mich in Paris“ lauten die Titel.

Auslöser für das erste Buch war ein Traum, den Urban hatte: Ein junger Mann ist im Schlafzimmer einer älteren Frau, die für ihn bezahlt hat. Als sie aufwachte war ihr schnell klar: Sie will, nein, sie muss, die Geschichte des jungen Mannes niederschreiben. Veröffentlicht wurde sie im Jahr 2010, 2011 und 2013 folgten die weiteren Bücher.

Als die verheiratete Mutter sich einmal einer Rückführung unterzogen hat („Ich hatte kein Problem, ich wollte eigentlich nur wissen, warum ich die Musik der 1960er- und 70er-Jahre so mag“) landete sie irgendwo im späten Mittelalter – als Kastrat. Ein Mann, der in der Pubertät kastriert worden ist, um den Stimmwechsel zu unterbinden und so die hohe, engelsgleiche Knabenstimme, gleich dem Countertenor, zu erhalten. „Nur: Ich konnte nicht singen. Ich taugte zu nichts.“ Dennoch habe sie sich in diesem Körper, in diesem früheren Leben wohlgefühlt, weil es ihr/ihm an nichts mangelte.

Rückführung, die nüchterne Erklärung: Mittels Hypnose, Trance und Worte wird der Mensch in einen Zustand versetzt, der es ihm ermöglicht, in ein früheres Leben zu tauchen. Um so etwas über sich herauszufinden. Um tief in sein Innerstes zu gelangen und Antworten zu finden.

Nach vielen Jahren des Yoga habe sie diese Form der Meditation und Trance interessiert – sie hat es ausprobiert, und hat danach eine Ausbildung zur Hypnotiseurin und Leiterin für Rückführungen absolviert. „Diese Techniken sind eine intensive Ergänzung zur Yogaentspannung und Meditation, da man individuell an einer tieferen Entspannung und weitreichenderen Erkenntnis arbeiten kann, die in Gruppenarbeit so nicht möglich sind.“

Yogakurse gibt und lehrt sie hauptsächlich in Kundalini Yoga, sie ist Schülerin des Meisters Yogi Bhajan, der ihr den spirituellen Namen Ajai Kaur gegeben hat. Deshalb das „A.“ in Sigrid A. Urban.

Anfangs war Yoga für sie vor allem das beste Mittel gegen ihre stark verkrümmte Wirbelsäule. Heute ist Yoga für die 46-Jährige viel mehr, sie hat das Mantra-Singen dazu gelernt und gibt es ihren Schülern und Kursteilnehmern weiter. „Am Anfang sind einige überrascht und fühlen sich damit nicht so wohl, dass sie singen sollen. Aber nach einiger Zeit merken alle, dass es ihnen guttut“, sagt sie, lächelt und fügt hinzu. „Als ich das erste Mal Mantra-Singen erlebt habe, dachte ich mir auch: Wo bin ich da hingekommen? Eine Sekte?“ Nein. Es sind Menschen, die voll und ganz ein- und abtauchen. „Wenn man sich darauf einlässt, gibt es einem sehr viel.“

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