Eine schwarze Mülltonne.
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Die kleinstmögliche Restmülltonne in Poing hat ein Fassungsvermögen von 80 Litern.

Abfallwirtschaft

Restmülltonne: Poing bleibt bei Minimum 80 Litern

  • Armin Rösl
    VonArmin Rösl
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Die kleinstmögliche Restmülltonne in der Gemeinde Poing wird wohl die 80-Liter-Tonne bleiben. Ein Antrag auf Einführung einer 40-Liter-Tonne wurde jetzt abgelehnt.

Poing – Die Gemeinde Poing wird wohl keine 40-Liter-Restmülltonne für Privathaushalte einführen. In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Gemeinderates gab es hierfür keine Mehrheit. Die Fraktionen von Bündnis90/Die Grünen und SPD-Bürgerliste hatten den Antrag an die Verwaltung und den Gemeinderat gestellt, zu prüfen, ob eine kleinere Restmülltonne angeboten werden kann. Mit entsprechend geringerer Gebühr. Um damit einen Anreiz zu schaffen, Müll zu vermeiden. Mit 9:2 Stimmen (lediglich die beiden Ausschussmitglieder der Grünen waren dafür) hat der Ausschuss sich gegen die Einführung ausgesprochen und dies dem Gemeinderat empfohlen. Der wird letztendlich darüber entscheiden.

Poing: Nur die Grünen stimmen für 40-Liter-Angebot

Wie Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) in der Sitzung berichtete, könnte eine Änderung zu einer kleineren Tonnengröße erst zum 1. Januar 2024 umgesetzt werden, mit der Neuausschreibung des Entsorgungsvertrages für die Hausmüllabfuhr. Hierfür müsse ohnehin eine Neukalkulation der Müllgebühren stattfinden. Die kleinstmögliche Größe der schwarzen Tonne liegt in Poing bei einem Fassungsvermögen von 80 Litern. Die Jahresgebühr beträgt 186 Euro bzw. 150 Euro bei Eigenkompostierung (wenn keine grüne Tonne genutzt wird). In der Kreisstadt Ebersberg gibt es eine 40-Liter-Abfalltonne, die Jahresgebühr beträgt 90,60 Euro bzw. 79,20 Euro.

Gebühren für größere Tonnen würden steigen

Laut Kalkulation der Kämmerei Poing würde hier eine 40-Liter-Tonne 102 bzw. 78 Euro (bei Eigenkompostierung) kosten. Die Gebühr für die 80-Liter-Tonne würde gleichzeitig steigen, auf 204 bzw. 156 Euro. Für eine 120-Liter-Restmülltonne müssten 306 bzw. 240 Euro bezahlt werden, derzeit sind es 282 bzw. 222 Euro. „Sollten wir eine Kombination mit 40-Liter-Restmülltonne und 80-Liter-Biotonne zulassen, würden in jedem Falle immer die übrigen Tonnengrößen zu einer Subventionierung der kleineren Tonne beitragen“, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung.

Abfallmengen

In der Gemeinde Poing betrug im Jahr 2020 die Gesamtmenge an Restmüll aus Haushalten 1535,57 Tonnen, was 92,40 Kilogramm pro Einwohner entspricht. Im Jahr 2019 waren es 1452,05 Tonnen (87,16 Kilo pro Einwohner).

Biomüll wurde 2020 eine Menge von insgesamt 1352,69 Tonnen (81,39 Kilo pro Einwohner) gesammelt und verwertet, im Jahr 2019 waren es insgesamt 1262,2 Tonnen (75,77 Kilo). Diese Zahlen stehen im vor Kurzem veröffentlichten Jahresrückblick 2020 der Gemeinde Poing.

Laut Bürgermeister Stark hat das Entsorgungsunternehmen mitgeteilt, dass es für die Entleerung einer 40-Liter-Tonne den Preis einer 120-Liter-Tonne berechnen würde. Dies habe technische Gründe, da es keine reine 40-Liter-Tonne geben würde, sondern einen Einsatz in einer größeren Tonne. „Die Leerungskosten werden also unter Umständen für die Gemeinde sogar steigen“, steht im Bericht, der in der Haupt- und Finanzausschusssitzung vorgetragen wurde.

„Ich bin skeptisch, dass mit einer 40-Liter-Tonne der Restmüll zurückgeht

Poings Bürgermeister Thomas Stark

Matthias Andres von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) sagte, dass eine Umverteilung der Kosten zu Lasten anderer Haushalte mit größeren Mülltonnen nicht fair sei. Derselben Meinung ist Wolfgang Spieth (FDP): „Wir können den Bürgern nicht vermitteln, dass Leute mit größeren Tonnen die Kleinverbraucher finanzieren.“ Zumal in Wohnanlagen es beispielsweise nicht möglich sei, kleinere Mülltonnen einzuführen.

Ich finde es schade, dass unser Ansinnen der Müllreduzierung kaputt geredet wird.

Daniel Becker (Bündnis90/Die Grünen)

Daniel Becker (Grüne) erinnerte in seinem Wortbeitrag daran, dass der Antrag darauf abziele, die Restmüllmengen zu reduzieren. Bürgermeister Thomas Stark hierzu: „Ich bin skeptisch, dass mit einer 40-Liter-Tonne der Restmüll zurückgeht.“ Das sieht auch Michael Lanzl (CSU) so, der befürchtet, „dass Sparfüchse die 40-Liter-Tonne nehmen und den Rest dann woanders hinwerfen.“

Poing: Möglichkeit von „Tonnen-Sharing“

Lanzl wies darauf hin, dass es in der Gemeinde Poing die Möglichkeit des „Tonnen-Sharing“ gebe: Zwei Haushalte können sich eine Restmülltonne teilen. Von diesem Angebot machen derzeit nur ganz wenige Gebrauch, berichtete in der Sitzung Maybrit Huber-Gegg vom Abfallwirtschaftsamt der Gemeinde. Als mögliche Begründung nannte sie: „Hierfür muss ein ganz gutes Nachbarschaftsverhältnis bestehen. Nicht jeder will, dass der andere seinen Müll sieht.“

Kurz vor der Abstimmung meldete sich noch einmal Daniel Becker von den Grünen zu Wort: „Ich finde es schade, dass unser Ansinnen der Müllreduzierung kaputt geredet wird.“

Wohin kommt der Restmüll aus dem Landkreis Ebersberg? Unsere Zeitung hat die Reise nachverfolgt.

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