Eine Frau und ein Mann vor einem Bücherregal.
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Fünf Bücher in zehn Monaten: Iny Klocke und Elmar Wohlrath aus Poing, die meist als „Iny Lorentz“ schreiben, nutzen die Pandemie-Zeit äußerst kreativ.

Hausbesuch

Schreiben, schreiben, schreiben: Das Bestseller-Autorenpaar Iny Lorentz im Lockdown

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Was macht das Bestseller-Autorenpaar Iny Lorentz („Die Wanderhure“) während des Lockdowns? Schreiben. Was fehlt? „Man kann nirgendwo aufladen.“ Ein Besuch.

Poing – Tagelang, wochenlang, monatelang zuhause im Homeoffice arbeiten: Das ist für Iny Klocke und Elmar Wohlrath seit vielen Jahren Alltag. Das Autoren- und Ehepaar, das unter dem Pseudonym Iny Lorentz mit historischen Romanen wie „Die Wanderhure“ und „Die Kastellanin“ bekannt geworden ist, kennt den Zustand, der für viele Menschen in diesen Corona-Zeiten neu ist. „Eine Tagesstruktur beibehalten“ geben Iny Klocke und Elmar Wohlrath als Tipp fürs Arbeiten zuhause. Und: Humor. „Elmar bringt mich manchmal so zum Lachen, dass ich mich am Boden kugeln könnte“, erzählt Iny Klocke, blickt zu ihm und grinst.

Wir sind Pawlowsche Hunde

Elmar Wolrath

Gut 14 Millionen verkaufte Bücher weltweit, Übersetzungen in vielen Sprachen: Das Autorenpaar hat zahlreiche Bestseller geschrieben. Man könnte es als Akkordarbeit bezeichnen, was Iny Klocke (71) und Elmar Wohlrath (68) tun, sie selbst sagen über sich mit einem Schmunzeln: „Wir sind Pawlowsche Hunde.“ Der russische Forscher und Nobelpreisträger Iwan Petrowitz Pawlow (1849 - 1936) hat anhand von Experimenten an Zwingerhunden die klassische Konditionierung nachgewiesen. Einer natürlichen, meist angeborenen sogenannten unbedingten Reaktion wird durch Lernen eine neue, bedingte Reaktion hinzugefügt.

Alexandra Neldel spielte in der Verfilmung der „Wanderhure“ die Hauptrolle.

Das Beispiel des Pawlowschen Hundes: Wenn ihm Futter gereicht wurde, erklang zugleich stets ein Glockenton. Nach einigen solchen Futtergaben begann schon allein nach dem bekannten Glockenton der Speichel des Hundes zu fließen. Vereinfacht übertragen auf das Autorenpaar bezogen: Iny Klocke und Elmar Wohlrath schreiben seit jeher (angefangen haben sie schon viele Jahre vor der „Wanderhure“, die 2004 erschien, mit Science-Fiction-Geschichten). Allein schon die Entdeckung eines interessanten Themas löst den Reiz aus, wieder etwas Schreiben zu wollen.

Wir arbeiten zusammen, nicht gegeneinander.

Iny Klocke und Elmar Wolrath

Es folgen einarbeiten, recherchieren und: schreiben, schreiben, schreiben. Bislang 40 Werke sind als Iny Lorentz erschienen, 25 unter anderen Pseudonymen. Die Bücher des Autorenpaars sind nur in ganz wenigen Fällen kürzer als 500 Seiten. Corona hat mit sich gebracht, dass sie jetzt noch mehr an den Tastaturen gesessen sind: „In den vergangenen zehn Monaten haben wir fünf Bücher geschrieben. Normalerweise schreiben wir vier Bücher in zwölf Monaten“, berichtet Elmar Wohlrath. Einer der vielen großen Bücherschränke im Haus der Schriftsteller ist allein mit ihren eigenen Werken gefüllt.

„Die Wanderhure“ bei den Festspielen in Bad Hersfeld.

Die Arbeitsaufteilung ist seit jeher gleich: „Ich schreibe drauf los“, sagt Wohlrath und bewegt die rechte Hand nach vorne, als würde er einen Gashebel drücken, „danach bügelt Iny drüber und glättet alles.“ Jetzt hält die rechte Hand ein imaginäres Bügeleisen, mit dem Elmar Wohlrath durch die Luft fährt.

Fünf Mal lese und bearbeite sie die Texte, beschreibt Iny Lorentz ihren Teil. Streit wegen Themen, Formulierungen, gar wegen einzelner Wörter? Ihre Antwort: nein. Wenn sie Kritik übe, dann in Frageform, erläutert Lorentz. „Warum hast Du das so und so beschrieben?“, nennt sie als Beispiel. Nie zu direkt oder gar aggressiv. „Wir arbeiten zusammen, nicht gegeneinander“, sagen beide unisono und lächeln sich an.

Wir brauchen die Luft vor Ort.

Elmar Wolrath über Recherche-Reisen.

Gemeinsam unternimmt das Paar auch die Recherche-Reisen, in alle möglichen Ecken der Welt. Südtirol, Österreich genau so wie Haiti und Bora-Bora. Wegen Corona derzeit nicht möglich. Vergangenes Jahr waren es, im Sommer, lediglich zwei Kurztrips nach Osttirol und Thüringen. Die geplante Recherchefahrt mit dem eigenen Wohnwagen nach Lissabon und zurück musste ausfallen.

Der Plan für die Jahre 2021-2023: Jedes Jahr drei Bücher

Es sei nicht so, dass ohne Recherchereisen die Ideen ausgehen würden, sagt Elmar Wohlrath. In Büchern und Dokumentationen könne er viel Hintergrundinformationen sammeln. Aber: „Wir brauchen die Luft vor Ort: Mit den Leuten sprechen, alles aufnehmen.“ Er nennt es „Recherche-Klausur“: Voll eintauchen in die jeweilige Welt des Geschehens.

Für die Hörbuch-CD „Die Wanderhure“ erhielt das Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath die Goldene Schallplatte.

Für die nächsten drei Jahre hat das Paar die Arbeiten größtenteils erledigt: „In jedem Jahr werden drei Romane von uns erscheinen“, kündigt Iny Klocke an. Langeweile verspüren sie im Lockdown nicht, sagt sie, aber: „Es ist bedrückend.“ „Du kannst nirgendwo aufladen“, ergänzt ihr Mann Elmar Wohlrath. Zum Beispiel in ein Café gehen, dort Menschen beobachten, mit Menschen zusammensein, mit Menschen in Gesellschaft reden. Bis das wieder möglich ist, werden Iny Klocke und Elmar Wohlrath weiterhin in der Umgebung bleiben: „Wir waren in den letzten Wochen und Monaten so viel spazieren wie noch nie.“

Wer weiß, vielleicht werden die Spaziergänge durch ihren Heimatort Poing ja irgendwann zu Recherche-Gängen für einen historischen Roman. Stoff gäbe es genug: Bei Ausgrabungen in den vergangenen Monaten und Jahren im Zuge von Neubaugebieten haben Archäologen zahllose Gegenstände, Häuser- und Grabreste aus verschiedenen Epochen entdeckt. Glockenbecherzeit, Steinzeit, Römerzeit etc. Zuletzt ein Skelett, das rund 4000 Jahre alt ist.

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