Zwei junge Frauen stehen an einem Freilaufstall für Kühe.
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Zuständig für „DigiMilch“ in Grub: PR-Managerin Stefanie Kulig (li.) und Projektleiterin Dr. Isabella Lorenzini am Freilaufstall der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub. 

„DigiMilch“

Schritt- und Kauzähler: Kuhbeobachtungen rund um die Uhr

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Kühe, deren Schritte und Kauvorgänge gezählt werden, Kühe, die sich mechanisch massieren lassen können: Das alles gibt‘s in Grub. Ein Besuch bei „DigiMilch“.

Grub – Neugierig kommt Kuh Amelie an den Rand des Freilaufstalls und lässt sich von Dr. Isabella Lorenzini streicheln. Hinter Amelie stehen weitere Kühe, immer wieder schlendert eine zur im Stall platzierten, automatischen Massage- und Putzrundbürste für den Rücken und lässt sich kurz verwöhnen. Ob in Grub (Gemeinde Poing) die glücklichsten Kühe der Welt leben? Lorenzini lacht. Sie und ihre Kollegin Stefanie Kulig antworten unisono: Ob es die glücklichsten sind, könne man nicht hundertprozentig sagen. Auf alle Fälle aber seien die Kühe in Grub die am besten beobachteten und versorgten weit und breit. Diese Herde, mit circa 60 Tieren, ganz besonders: Am Standort der Bayerischen Staatsgüter Grub führt die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) seit Oktober 2019 das digitale Experimentierfeld „DigiMilch“ durch, das Projekt wird vom Bund mit rund 3,4 Millionen Euro gefördert. Projektlaufzeit: vier Jahre. In Deutschland gibt es 14 derartige digitale Experimentierfelder. Ziel sei es nicht, die Verbindung zwischen Mensch und Tier aufzuheben, betonen Lorenzini und Kulig, sondern: den Landwirten die Arbeit zu erleichtern und den Tieren es so angenehm wie möglich zu machen.

Die 29-jährige Isabella Lorenzini ist Projektleiterin von DigiMilch in Grub, Stefanie Kulig (27) die PR-Managerin. Sie ist insbesondere dafür zuständig, dass das Projekt auf der Internetseite der LfL sowie auf den sozialen Kanälen Instagram und Facebook von Grub in die Welt getragen wird. Mehr als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort mit „DigiMilch“ beschäftigt. Bei dem Projekt werden beispielsweise Verhalten und Häufigkeit beim Wiederkäuen gemessen und gezählt (mittels Sensor an einem Halsband) sowie die Bewegungen der einzelnen Kuh. Hierfür tragen die Tiere einen Sensor um ein Bein, ähnlich der Fitnesstracker, wie sie Freizeit- und Profisportler benutzen.

Trotz aller Digitalisierung: Kuh bleibt Tier und wird nicht zur Nummer

„Früher“, erläutert LfL-Pressesprecherin Sabine Weindl, sei es, salopp gesagt, der Opa oder die Oma gewesen, der/die jeden Tag mehrere Stunden damit verbracht hat, die Tiere zu beobachten, um festzustellen, wie es ihnen geht. Diese Zeit habe der Landwirt in einem modernen, familiengeführten Milchviehbetrieb heutzutage nicht mehr. Um den Landwirt bzw. die Landwirtin zu unterstützen, gebe es bereits digitale Lösungen wie Fütterungs- und Melkroboter. Beides wurde und wird in Grub ebenfalls verwendet. Der allererste Melkroboter, der dort zum Einsatz kam, steht mittlerweile als Ausstellungsstück im Deutschen Museum.

Mit „DigiMilch“ werden weitere Möglichkeiten getestet. „Beobachten, beobachten, beobachten“, nennt Weindl als wichtigste Aufgabe beim Tierwohl. Beobachten, wie sich die Kuh verhält, um Rückschlüsse zu ziehen, ob alles in Ordnung ist oder ob Behandlungen oder Veränderungen notwendig sind.

Bei aller Digitalisierung und Forschung: Die Kuh bleibt Tier und wird nicht zur anonymen Nummer im Computer, betont Isabella Lorenzini und streichelt noch einmal Amelie. „Hier haben alle Kühe einen Namen, wir kennen sie alle.“ Digital und analog.

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