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Das schwarze Haus ist innen überhaupt nicht dunkel, ganz im Gegenteil. Als Vorbild dienten schwedische Häuser, mit großen Fenstern und ausgeklügelten Licht- und Sichtachsen. 

Ein Besuch

Das schwarze Haus von Poing

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So ganz anders als der herkömmliche Baustil ist das Haus der Familie Sturm in Poings Seewinkel. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, aber: Als Vorbild dienten Häuser in Schweden. Ein Besuch.

Nein, bei dem Schriftzug an der Wand fehlt kein „T“. „Heima“ ist isländisch und bedeutet „Heimat“. Weil Juliane und Jan Sturm große Fans des Nordischen sind, haben sie die isländische Version im schwarzen Haus aufgehängt. 

Poing Obwohl sie tief im Süden von Bayern leben, sind Juliane (37) und Jan (41) Sturm große Fans von vielem, was weit oben im Norden existiert. Die Musik, die Mentalität, die Architektur – „zu Beginn haben wir von einem typisch schwedischen Haus geträumt, weinrot zum Beispiel, mit weißen Fensterrahmen und weißem Dach“, erzählt Juliane Sturm. Weil der Bebauungsplan für das Einheimischenmodell im Seewinkel aber kein Giebel-, sondern nur Flachdach erlaubt, haben sie sich vom bunten Haus wieder verabschiedet. Ein buntes Haus ohne Giebeldach ist nur eine halbe Sache, finden sie. Dafür haben die Sturms das genaue Gegenteil gebaut: ein schwarzes Haus. Eine schwarze Box. 9,80 mal 9,80 Meter sind die Maße des Holzhauses im nordischen Stil. „Im Internet haben wir eine Umfrage entdeckt, in der Schweden angeben sollten, wie für sie das perfekte Haus ihres Landes aussieht“, erzählt Juliane Sturm. Daran haben sie und ihr Mann sich gehalten, so gut es ging. Mit Tobias Lackner und der gleichnamigen Holzbaufirma in Pfarrkirchen haben sie den richtigen Partner gefunden, der ihre Idee vom praktisch-quadratisch und individuellen Haus umsetzt.

Die größte Überraschung erlebt der Besucher gleich, nachdem er über die Türschwelle ins Haus getreten ist: Hell, sehr hell und lichtdurchflutet ist es innen. Große Fenster, ausgeklügelte Licht- und Sichtachsen, an den Wänden und Decken helles Fichtenholz. „Mein Papa hat gesagt, es sieht aus wie in einer Almhütte“, erzählt Juliane Sturm. Recht hat er. Gemütlich ist’s, es duftet nach Holz. Außen schwarze Box, innen Villa Kunterbunt. Mit pfiffigen Details wie ausrangierten, gepolsterten Turnkästen aus der ehemaligen Grundschule Karl-Sittler-Straße als Sitzbank. „Und nirgendwo hängen Fotos oder Poster von Heavy-Metal-Bands oder ähnliches“, sagen Juliane und Jan Sturm und lachen. Nein, das ist kein schwarzes Rocker- oder Gothic- oder gar Schlechte-Laune-Haus, ganz im Gegenteil. Hier ist Leben in der Bude, dafür sorgen ja auch die drei Kinder (sechs, zehn und zwölf Jahre).

Sie alle haben, ebenso wie die Eltern, ihr Schlafzimmer im ersten Stock. „Das war eine der Vorgabe an den Architekten: alle Schlafzimmer oben.“ Auch hier gilt: viel Sonnenlicht scheint durch große Fenster.

Jetzt aber, bitte: Warum ist die Holzfassade schwarz? Juliane und Jan Sturm lachen. „Wir waren einfach fixiert“, antwortet die 37-Jährige: „Unser ursprünglicher Gedanke war, verkohltes Holz zu verwenden.“ Wie bei Häusern im Norden. Weil es widerstandsfähiger sei. Aber: „Wir haben niemanden hier gefunden, der das macht.“ Also doch herkömmliches Holz. Aber schwarz, ja, schwarz sollte die Fassade trotzdem sein. Die Lösung: schwedische Schlammfarbe. Widerstandsfähig und: „Man sieht die Verwitterung nicht so stark.“ Stunden-, tagelang haben Juliane und Jan Sturm Brett um Brett gestrichen, an beiden Seiten zweimal.

Als die Fassade montiert wurde, haben Nachbarn verwundert geschaut. So, wie es heute Spaziergänger, Jogger und Radfahrer tun, die im Bergfeldpark unterwegs sind und an der schwarzen Box vorbei kommen. Den Sturms ist’s egal: „leben und leben lassen“, sagen sie. „Wenn ein Nachbar sein Haus quietschgelb anstreichen will, kann er das gerne tun.“ Für Juliane Sturm strahlt das Haus Ruhe aus. „Wenn wir abends bei Nachbarn auf der Terrasse sitzen und zu unserem Haus schauen, sieht man es in der Dunkelheit gar nicht. Es verschwindet komplett“, sagt sie und lächelt.

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