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Die erste „Kulturroute“-Tour: Helmut Ganslmaier (li.) erklärt gut 20 Interessierten das alte Poing.

„Kulturroute“

Spaziergang durch Poings Geschichte

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An 29 Stellen in Poing-Süd stehen seit Donnerstag Tafeln, die über die Geschichte des jeweiligen Ortes informieren. Der erste Teil der „Kulturroute“ ist eröffnet - ein Spaziergang durch das Poing, als es noch ein Straßendorf war.

Poing – Wer auf den historischen Spuren der Gemeinde Poing wandeln und wandern möchte, kann dies ab sofort auf eigene Faust tun: An 29 Stellen im alten Ortsteil, südlich der Bahnlinie, sind wetterfeste Infotafeln aufgestellt mit historischen Bildern und Erklärungen. Am gestrigen Donnerstag wurde die erste „Kulturroute“ eröffnet, die den Titel trägt: „Eine Zeitreise zu historischen Stätten“. In diesem ersten Teil wird anhand der Tafeln gezeigt, welche Stätten vor etwa 100 Jahren von Bedeutung gewesen sind. Beispielsweise die erste Werkstatt für Fahr- und Motorräder an der Bahnhofstraße 3, oder der erste Kramerladen in der Hauptstraße 25, der schon vor 1900 eröffnet worden war.

Überhaupt die Hauptstraße: An dieser standen einst insgesamt neun Bauernhöfe, in jener Zeit, als Poing noch ein Straßendorf war. In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Gemeinde zum Siedlungsschwerpunkt entwickelt mit aktuell über 16 000 Einwohnern. Viele von den Neubürgern in Poing-Nord dürften in Poing-Süd lediglich das Rathaus kennen, weil sich darin das Einwohnermeldeamt befindet. Aber sonst?

Die Macher: Peter Dreyer (li.) hat die alten Bilder geliefert, Helmut Ganslmaier hat gemeinsam mit ihm die historischen Informationen zusammengetragen. 

Die Poinger Helmut Ganslmaier und Peter Dreyer haben in den vergangenen zwei Jahren in der Historie der Gemeinde gegraben, haben alte Fotos hervorgekramt und haben beides mithilfe von Kulturamtsleiterin Birgitta Nagel und der Archäologin Petra Haller zur „Kulturroute“ zusammengefügt. Am Donnerstagnachmittag hat Ganslmaier gut 20 interessierte Bürger in einem ersten geführten Spaziergang über das alte Poing erzählt. „Wenn es Anfragen geben sollte, biete ich freilich weiter solche Führungen an“, sagt er. In launiger und kurzweiliger Art berichtet er an den einzelnen Stationen Interessantes und Humorvolles. Zum Beispiel, als einst das Dach vom alten Schulhaus geflogen war und die Schüler danach unterrichtsfrei hatten. Oder, wo nach dem Zweiten Weltkrieg ungefähr 600 Heimatvertriebene in Poing untergebracht waren. Oder wie es dazu kam, dass ein Poinger Bauernbub den Prinzregenten Luitpold zum Taufpaten bekommen hat.

An vielen Stellen ist heute von den historischen Gebäuden nichts mehr zu sehen. Beispielsweise das altehrwürdige Liebhart’s Bräuhaus an der Anzinger Straße 1 oder das ehemalige Hotel Strasser. Dank des Engagements von Helmut Ganslmaier und Peter Dreyer aber bleiben Stätten wie diese zumindest in der Erinnerung erhalten. Vor allem dank der historischen Bilder, die Dreyer schon seit Jahrzehnten sammelt. Etwa 300 bis 400 Fotos und Postkarten vom alten Poing hat er zuhause, die älteste Postkarte aus der Zeit um 1898.

Eine Zeit, in der es freilich noch kein Internet, keine Smartphones und keinen QR-Code gab. Letzterer ist auf allen Infotafeln abgebildet – damit gelangen Interessierte per Mobiltelefon zur Internetseite der Gemeinde Poing, auf der weitere Informationen zur „Kulturroute“ sowie all deren Standorte eingetragen sind.

Mit den 29 Tafeln, die nun in Poing-Süd aufgestellt sind, ist die Tour zu historischen Hofstellen noch nicht zu Ende. „Es kommen noch Angelbrechting und Grub dazu, insgesamt werden es dann zwischen 45 und 60 Tafeln sein“, schätzt Ganslmaier. Der Anfang ist gemacht.

Kulturamtsleiterin Birgitta Nagel kündigt an, dass eine weitere „Kulturroute“ schon in Planung ist: Zusammen mit der Archäologin Petra Haller, die sich mit ihrem Team quasi durch fast alle heutigen Neubaugebiete in Poing-Nord gegraben und dabei zahlreiche, zum Teil einzigartige Funde aus der Glockenbecherzeit (vor 4000 Jahren) und der Römerzeit ans Tageslicht befördert hat, wird es eine Route zu den bedeutenden archäologischen Stätten Poings geben, wo ebenfalls wetterfeste Infotafeln mit Bildern aufgestellt werden. Wenn es dann so weit ist, hat Poing mit beiden „Kulturrouten“ einen Spazierweg durch mehrere Jahrtausend Ortsgeschichte.

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