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Gute Laune: Patin Luise Kinseher in der Seerosenschule. 

Auszeichnung für seerosenschule 

Stark und fröhlich gegen Rassismus

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Als erste Gemeinde im Landkreis hat Poing jetzt zwei Schulen, die die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ tragen: Zur Dominik-Brunner-Realschule ist am Dienstag die Seerosenschule hinzugekommen. Prominente Patin ist die Kabarettistin Luise Kinseher.

Poing – Wie übersetzt man die Worte „Ich fühle mich bei Euch sehr wohl, wie Zuhause, und ich bin stolz auf Euch, dass Ihr Courage und Mut habt!“ in eine Sprache, die überall auf der Welt gesprochen und verstanden wird? Luise Kinseher hat’s am Dienstagvormittag geschafft: „Weil nicht nur die Bayern jodeln, sondern auch die Österreicher und die Amerikaner und selbst die Indianer, jodle ich Euch diese Sätze jetzt vor“, kündigte die Kabarettistin auf der Bühne in der Turnhalle der Seerosenschule an und legte einen Eins-A-Jodler hin. Die außergewöhnlichste und schönste Dankesrede, seit es Reden gibt.

Mit Liedern und Aktionen zeigten die Schüler, wie international die Seerosenschule ist. 

Das Sonderpädagogische Förderzentrum Poing hat am Dienstag die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten. Mit der benachbarten Dominik-Brunner-Realschule, die seit Mai 2016 diesen Titel trägt, sind es nun zwei Schulen in der Gemeinde Poing, die offen und plakativ nicht nur ein Zeichen setzen gegen Rassismus und gegen jegliche Ausgrenzung. „Der Titel ist vielmehr, der Titel ist eine Selbstverpflichtung“, betonte Rektor Jörn Bülck beim Festakt. Im täglichen Umgang miteinander, in Projekten, im Alltag.

In den vergangenen Tagen haben sich alle Klassen auf die Auszeichnung, die vom Verein Aktion Courage (Sitz: Berlin) vergeben wird, vorbereitet. Auf der Bühne der Turnhalle präsentierten sie ihre Ergebnisse – von Plakaten über Lieder bis hin zum Bau eines Hauses, das aus Steinen errichtet ist, auf dem alle Länder geschrieben stehen, aus denen die Seerosenschüler stammen. Beeindruckend, wie Kinder aus allen Jahrgangsstufen sich selbst und ihr Geburtsland vorgestellt haben, von Chile über Deutschland bis Russland. Der klare Beweis: Die Seerosenschule ist international.

Bevor Luise Kinseher auf die Bühne trat, hatte sie sich vor Beginn der Veranstaltung in Ruhe alle Plakate angesehen, die die Schüler in den vergangenen Tagen produziert haben. „Sag’ Nein! zu Fremdenfeindlichkeit“ steht da drauf, und „Jedes Kind hat das Recht, nicht diskriminiert zu werden!!!“. Wie Schulleiter Jörn Bülck sagte, seien Schüler von Förderzentren oftmals selbst Opfer von Diskriminierung.

In der Turnhalle waren gestern alle Eins. In jener Halle, in der bis vor einem Jahr Flüchtlinge untergebracht waren. In jener Turnhalle, an deren Außenwand im Dezember 2015 jemand ein Hakenkreuz und die Worte „Go Home“ geschmiert hatte. In jener Halle, vor der damals, nachdem der Schriftzug entdeckt worden war, alle Schüler und Lehrer des Schulzentrums (Anni-Pickert-Schule, Realschule, Seerosenschule) spontan gegen Rassismus und Ausländerhass demonstriert haben.

„Ihr seid Vorbilder, ich bin stolz auf Euch!“, lobte Poings Bürgermeister Albert Hingerl die Seerosenschüler in seiner kurzen Rede. Die gleichen Worte hatte er zurecht auch schon im Mai 2016 gesagt, als die Dominik-Brunner-Realschule die Auszeichnung erhielt. Gejodelt vor Freude und Stolz hat Hingerl nicht, das hat zum Glück Luise Kinseher übernommen.

Wie der Kontakt zur Seerosenschule zustande gekommen ist, verriet die Kabarettistin vor der Veranstaltung: „Ich kenne ein Kind, das hier zur Schule geht.“ Als sie gefragt wurde, ob sie die Patenschaft übernehmen wolle (jede ausgezeichnete Schule hat einen prominenten Paten), habe sie freilich zugesagt. Patin der Dominik-Brunner-Realschule ist die Biathlonweltmeisterin Franziska Preuß.

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