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Zwischen den Birken könnte ein eigener Radweg geführt werden. Eine von mehreren Überlegungen zur Zukunft des Westrings.

Streitfall Westring in Poing

Neuer Vorschlag: Radweg durch Birkenallee

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Viele Ideen, noch keine konkreten Lösungen: Rund 100 Besucher waren zur Informationsveranstaltung zum Thema Zukunft des Poinger Westrings gekommen.

Poing – Der Verkehrsgutachter kündigte seine nachfolgenden Worte als „Hiobsbotschaft für die Anwohner“ an: „Aus rechtlichen Gründen ist es nicht mehr möglich, eine Ampelanlage an eine Tempo-30-Zone anzubinden.“ Genau so eine Anlage sei aber notwendig am östlichen Ende des Westrings an der Einmündung zur Plieninger Straße. Nur so könne der künftige Mehrverkehr im Westring gut fließen und geregelt werden, sagte Bernhard Schuster vom Verkehrsplanungsbüro Prof. Kurzak in einer Infoveranstaltung am Mittwochabend. Ohne Ampelanlage mit extra Linksabbiegespur bestehe die Gefahr, dass sich in Spitzenzeiten der Verkehr bis zur Bergfeldstraße zurückstaut.

Gut 100 Interessierte waren in die Aula der Anni-Pickert-Schule gekommen, um über den aktuellen und zukünftigen Verkehr im Westring (Poing-Nord) zu diskutieren. Der wird sich nach Fertigstellung der noch zu realisierenden Wohngebiete W7 und W8 (nördlich der Bergfeldstraße) verdoppeln, heißt es in dem von Schuster vorgestellten Gutachten. Von aktuell gut 3000 auf 6000 Fahrzeuge pro Tag. Grund: In beiden Quartieren wird Wohnraum für jeweils rund 2000 Menschen geschaffen – hauptsächlich durch Mietwohnungen. So hat es der Gemeinderat beschlossen.

Daran werde auch nicht mehr gerüttelt, betonte Bürgermeister Albert Hingerl. Zumal es an bezahlbarem Wohnraum fehle und die Gemeinde mit Unterstützung der Bauträger die Situation verbessern möchte. Damit entgegnete er Stimmen von Anwohnern aus dem Westring, die dafür plädierten, den Bau von Wohnungen und Häusern für insgesamt 4000 Menschen auf 2000 zu reduzieren. „Mit der Entscheidung für mehr Wohnraum nehmen Sie also in Kauf, dass die Lebensqualität für die Anwohner abnimmt?“, fragte ein Mann aus dem Westring. Hingerl antwortete: „Ja. Aber ich kann nachvollziehen, dass die Qualität abnimmt.“

Neben der Aussage zur Ampelanlage und der möglichen Aufhebung der Tempo-30-Zone hat ein weiterer Satz von Verkehrsgutachter Bernhard Schuster die Anwohner erschreckt aufhorchen lassen: „Der Westring und die Bergfeldstraße sind in ihrem jetzigen Zustand in der Lage, den Mehrverkehr aufzunehmen – sofern dort nicht geparkt wird.“ Genau das aber wollen die Anlieger: Das Parken soll auf der Straße weiterhin erlaubt sein, außerdem soll die Tempo-30-Zone beibehalten werden. Damit der Westring nicht zu einer gefährlichen Durchfahrtsstraße werde.

Eine Art Umgehung ist er eh schon geworden, nach gut 30 Jahren als Sackgasse. Seit dem Durchstich zur Bergfeldstraße und der Anbindung an die Neubaugebiete hat der Verkehr auf dem Westring stark zugenommen. Und wird es weiterhin tun, da zahlreiche Pendler aus Erding/Pliening kommend den Westring und die Bergfeldstraße als Abkürzung zur Autobahn nutzen, statt über die Gruber Straße zu fahren. Einige Anwohner kritisierten in der Veranstaltung am Mittwochabend, dass ihnen in der Vergangenheit von der Gemeinde immer wieder zugesichert worden sei, dass die Zone 30 sowie die Parkerlaubnis bestehen bleibe, damit aus dem Westring eben keine Umgehungs- und Durchfahrtsstraße werde.

Am Ende der gut zweistündigen Diskussion betonte Hingerl, dass man noch ganz am Anfang von Planungen und weiteren Gesprächen stehe: „Wir reden hier von einer Entwicklung in den nächsten zehn bis 15 Jahren.“ Konkrete Lösungen gebe es noch keine, man wolle im Dialog bleiben. Und: Der Gemeinderat wird in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am 20. Juli über Anregungen aus der Infoveranstaltung diskutieren, kündigte der Bürgermeister an.

Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob und in welcher Form nördlich und/oder südlich des Westrings ein Radweg gebaut wird. Für die südliche Variante hat Straßenplaner Peter Staudinger eine fast schon romantische Möglichkeit präsentiert: „Man könnte den Radweg zwischen den Birken durchführen, sodass man durch eine Allee radelt.“ Aber diese Planung sei noch nicht ausgereift, betonte Staudinger.

So gut wie sicher hingegen ist das Vorhaben, an der Kreuzung Kirchheimer Allee/Bergfeldstraße einen großen Kreisverkehr zu errichten. Mit einem Radius von 40 Metern. „Groß genug, um sämtlichen Verkehr, auch den der Zukunft, aufzunehmen und flüssig fließen zu lassen“, urteilte Verkehrsgutachter Bernhard Schuster.

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