+
Schön, dass du da bist – so haben Laura Kieblspeck (links) und Tamara Stangl das Buch genannt, das sie für Flüchtlingskinder entworfen haben.

Studentinnen werden Autorinnen

Buch für Flüchtlingskinder: Deutschland ganz einfach erklärt

  • schließen

Poing/München - Es gibt Integrations- und Sprachkurse für erwachsene Asylbewerber – aber was ist mit den Kindern? Die Studentinnen Tamara Stangl und Laura Kieblspeck haben ein Bilderbuch entworfen, das Flüchtlingskindern das Leben in Deutschland erklären soll. Fehlt nur noch ein Verlag.

Die Idee kam Laura Kieblspeck, als sie mit Flüchtlingskindern ein Wimmelbilderbuch anschaute. Auf einer Doppelseite war eine Szene aus einem Freibad zu sehen. Die Menschen auf dem Bild trugen nur Badehose oder Bikini. „Die Kinder haben immer wieder gekichert und auf die Figuren gezeigt“, erzählt die 24-jährige Studentin. Die Mädchen und Buben aus einem Münchner Flüchtlingsheim wollten gar nicht mehr umblättern. Freizügige Szenen wie diese hatten sie noch nie gesehen. In ihren Heimatländern wäre so etwas undenkbar.

Laura Kieblspeck ist Betreuerin in der Einrichtung – und sie ging an diesem Tag sehr nachdenklich nach Hause. „Es müsste ein Bilderbuch geben, in dem Flüchtlingskindern unsere Werte und unser Leben anschaulich und leicht verständlich erläutert werden“, dachte sie sich damals. Und die Idee war geboren.

Kurze Zeit später machte sich die Münchnerin zusammen mit ihrer Freundin Tamara Stangl (23) aus Poing (Kreis Ebersberg) ans Werk. Beide studieren Förderschul-Lehramt an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Gemeinsam mit ihrer Dozentin Tatjana Eckerlein entwickelten sie ein Konzept und setzten es als Fotobuch um. Laura Kieblspeck schrieb die Texte. „Sie sind bewusst in einfacher deutscher Sprache gehalten“, erklärt sie. Tamara Stangl zeichnete dazu die Bilder in Aquarell – sie malt seit ihrer Kindheit leidenschaftlich gern.

Auf 17 bunten Seiten erzählen die beiden Studentinnen die Geschichte des Jungen Ali, der aus seiner Heimat geflüchtet und nach Deutschland gekommen ist. Sie schildern, wie er aufgenommen wird – und welche Werte in Deutschland wichtig sind. „Hier dürfen Frauen alles, was Männer auch machen“, steht beispielsweise auf einer Seite. „Frauen haben die gleichen Berufe. Sie sagen ihre Meinung und entscheiden selbst über ihr Leben.“ Ein anderes Beispiel: „Alle Kinder gehen in Deutschland zur Schule. Das ist neu für Ali.“ Die Buchstaben sind in derselben Druckschrift geschrieben, wie sie in der Grundschule verwendet wird. Das soll es den Kindern leichter machen.

„Schön, dass Du da bist! Zusammen sind wir bunt.“ lautet der Titel des Bilderbuchs. „Wir sehen es als Pendant zu den Integrationskursen für Erwachsene“, sagt Tamara Stangl. In methodisch-didaktischen Kommentaren haben die jungen Autorinnen mit Hilfe ihrer Dozentin zusammengefasst, welche Hintergründe die einzelnen Seiten und Bilder haben und wie mit ihnen beispielsweise im Kindergarten oder im Schulunterricht gearbeitet werden könnte.

Gut fünf Monate hat es gedauert, bis Laura Kieblspeck und Tamara Stangl ihr fertiges Werk endlich in der Hand halten konnten. Bisher gibt es nur eine Handvoll Exemplare von dem Buch. „Wir suchen noch nach einem Verlag oder nach Sponsoren“, sagt die 24-Jährige. Wenn das gelingt, könnte das Integrations-Bilderbuch tatsächlich seinen Weg in Schulen und Kindertagesstätten finden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zornedings Ex-Pfarrerschreibt Buch
Unter dem Titel „Und wenn Gott schwarz wäre... Mein Glaube ist bunt!“ hat der frühere Pfarrer von Zorneding ein Buch geschrieben. Es erscheint am 25. September im …
Zornedings Ex-Pfarrerschreibt Buch
Stele für Aßlinger Sternenkinder
Im östlichen Teil des Aßlinger Friedhofs, nahe des dortigen Kreuzes, wird schon bald eine Stele stehen. Der Gedenkort für sogenannte Sternenkinder ist eine Idee der …
Stele für Aßlinger Sternenkinder
Das sagen die Freien Wähler 
Die Freien Wähler wenden sich ab von dem bisher klaren Ja zum Erhalt des Jahnsportplatzes. Hier ihre Stellungnahme zum ablaufenden Begehren im Wortlaut:
Das sagen die Freien Wähler 
Erfolgsmodell
Was für eine Erfolgsgeschichte: Ende des Monats startet in Forstinning zum 20. Mal das Sommerferienprogramm des Vereins „Mach mit“.
Erfolgsmodell

Kommentare