Mächtiger Wasserfall in Island
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In sagenhafte Landschaften blicken, wie hier in Island. STURM schreibt den Soundtrack dazu. 

Neue EP veröffentlicht

STURM: minimalistisch, intensiv - die Musik des Jan Sturm aus Poing

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Der Poinger Jan Sturm komponiert und veröffentlich als STURM Songs auf Spotify. Wer Sturm erwartet, liegt falsch. Reise in eine minimalistische, intensive Klangwelt.

Poing – Fünf Songs, insgesamt acht Minuten und zwei Sekunden. Das ist die EP „Olde Warp“ von Jan Sturm, der als STURM auf dem Streamingdienst Spotify einen eigenen Kanal hat. Die EP „Und Wieder Olde Warp“ umfasst sechs Lieder, Gesamtlänge: neun Minuten und 53 Sekunden. Jetzt ist seine neue EP auf Spotify erschienen, Titel: „Topographie“. Acht Songs, insgesamt 14 Minuten und 56 Sekunden. Im Mittelpunkt immer das Klavier, umrankt von Tönen und Geräuschen aller Art. Minimalismus, und doch ist jede Sekunde voller Intensität.

Jan Sturm komponiert und veröffentlicht als STURM.

„Du musst es fühlen.“ Jan Sturm spielt mit seinen Fingern auf dem Holztisch wie auf einem Klavier. Der 44-jährige PR-Manager erinnert mit seinem dichten Bart und der schwarzen runden Brille an Pettersson aus „Pettersson und Findus“. Der schrullige und liebenswerte Alte, der mit dem Kater Findus ein Einsiedler-Dasein im hohen Norden führt. Würde Pettersson sich auf einen Stuhl setzen und still in die Landschaft blicken, wäre die Musik von STURM der Soundtrack dazu.

Poing: Jan Sturms Liebe zum Norden

Jan Sturm liebt den Norden, die Musik aus dem hohen Norden. Melancholisch, eher düster, nachdenklich, „ich habe schon immer Moll gehört“, sagt er. Die isländische Band Sigur Rós zum Beispiel. Sphärische Klänge, versinken in andere Welten. Jan Sturm taucht regelmäßig in seinem Haus in Poing ab und ein in schier unendliche Weiten und Tiefen. Kopfhörer auf, Computer an – stundenlang tüftel der 44-jährige Komponist an Klängen und Geräuschen aller Art. „Ich muss in meinem eigenen Raum sein“, sagt er. Oftmals nachts. So lange, „bis es meinen Ansprüchen genügt“.

Abtauchen in andere Welten

Noten lesen kann Jan Sturm nicht. Er spielt auf der Klaviertastatur, der Computer nimmt automatisch auf. Wenn eine Tonfolge passt, wiederholt er sie, sucht vielleicht nach zwei, drei weiteren Tönen, die dazu passen. Fühlt sich eine Sequenz, die er entdeckt und geschaffen hat, gut an, sind diese meist etwa 30 Sekunden der Mittelpunkt, um den herum sich alles andere dreht. Sturm fügt Geräusche, Töne und Melodien hinzu, aus der Natur und aus der Konserve, wie Streicher-Klänge. Mehr nicht. „Ich stelle mir vor, das Klavier steht zum Beispiel in einem Wald, mit allen entsprechenden Geräuschen drumherum“, sagt er.

STURM-Musik in englischem Podcast

In den 2000er-Jahren hatte Jan Sturm ein eigenes Musiklabel und war DJ. Irgendwann legte er eine Pause ein, vor etwa drei Jahren kehrte er an Synthesizer, Piano und Computer zurück. Im Hinterkopf: „Ich wollte schon immer auf Spotify.“ Seine Musik mit anderen teilen. Musik, die zum Beispiel in einem Podcast in England zu hören ist. 20 Sekunden als Teil einer Gute-Nacht-Geschichte für Kinder.

Der Filmemacher und Autor Dieter Wieland in seinem Garten in Uffing am Staffelsee.

Jetzt hat der Poinger seine dritte EP veröffentlich, „Topographie“. Eine Auswahl der Songtitel: „Was ist da für eine Welt zerbrochen“, „Giesing“, „Doch in den Büchern steht es nicht“. Inspiriert ist das Album von Dokumentarfilmer Dieter Wieland, der für den BR mehr als 250 Filme produziert hat. Auf seiner Internetseite schreibt der BR über Wieland: „In der Sendereihe ,Topographie’ formulierte er seine Kritik an Bausünden, Fehlplanungen und Umweltzerstörungen. Gleichzeitig wies er immer wieder auf die Schönheiten in diesem Land hin, um die Bereitschaft zu fördern, historisch Bewährtes im Orts- und Landschaftsbild zu erhalten.“

Erhalten für immer: Die Musik von Jan Sturm ist zeitlos, für die Ewigkeit. Es ist schön, dass er sie teilt. Auf Spotify in der Suchfunktion in Großbuchstaben STURM eingeben – und sich nicht wundern: Es erwartet einen kein gewaltiger Sturm, sondern ein zarter Wind, der einem wohltuend übers Gesicht weht.

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