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Der Autoteilegroßhändler Stahlgruber gehört jetzt zur amerikanischen LKQ Corporation.

Autoteilehändler wechselt Besitzer

Stahlgruber an US-Konzern verkauft

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Der Autoteilegroßhändler Stahlgruber gehört jetzt zur amerikanischen LKQ Corporation, einem der globalen Marktführer der Branche. Wie sich der Verkauf auf die Zentrale des Unternehmens in Poing (Kreis Ebersberg) auswirkt, ist noch unklar.

Poing – In Bayern ist das Unternehmen als Marke prägend für ein ganzes Geschäftssegment: Stahlgruber beliefert vor allem Autowerkstätten mit Teilen, Ausrüstung und Werkzeugen. Auch bundesweit ist das Unternehmen Marktführer. Im globalen Maßstab ist die frühere Münchner Firma, die ihre Zentrale 2002 ins nahe gelegene Poing (Kreis Ebersberg) verlegt hat, eines von vielen Unternehmen einer sehr zerklüfteten Branche. In Europa war Stahlgruber immerhin die Nummer drei. Bisher. Denn nun wird es Teil der Nummer eins. Der einstige Metallwarenhändler (deshalb „Stahl“), der 1923 von den Brüdern Otto und Willy Gruber gegründet wurde, wird Teil der amerikanischen LKQ-Corporation. Sie hat, wie beide Unternehmen mitteilten, die Stahlgruber GmbH inklusive aller nationalen und internationalen Töchter gekauft. 

Der Preis wurde nicht genannt. Er entspricht laut Stahlgruber-Meldung einem Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro. Ein Teil des Preises fließt direkt. Er liegt innerhalb der Kreditlinie des Käufers. Ein Teil wird aber durch neu ausgegebene LKQ-Aktien bezahlt. Die Zustimmung der Kartellbehörden zu der Übernahme steht noch aus. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete neue Stahlgruber-Eigentümerin steht in der Rangliste von Europas Autoteilehändlern derzeit klar an der Spitze. Doch das kann sich schnell ändern. Denn in der Branche reihte sich in den vergangenen Jahren Übernahme an Übernahme. 

Erst vor zwei Monaten kaufte die Nummer zwei, die amerikanische Genuine Parts Company (GPC), den großen europäischen Anbieter Alliance Automotive Group, der vorher den deutschen Autoteilegroßhändler Coler übernommen hatte. Platz drei besetzt auch künftig eine Gruppe mit Sitz in Deutschland: Wessels und Müller (Osnabrück) hat sich 2015 durch den Kauf des Stuttgarter Rivalen Trost gestärkt – blieb aber hinter Stahlgruber. Auch Finanzinvestoren mischen bei der Konsolidierung in der Branche mit. Nun wird der bisherige deutsche Champion geschluckt.

 Darüber, was das für die Beschäftigten und die Standorte bedeutet, muss das Unternehmen schweigen, weil es unter Beobachtung unter anderem der – in solchen Fragen pingeligen – US-Kartellbehörden steht. Bei früheren Zusammenschlüssen mussten in aller Regel Filialen dran glauben, bei denen per Fusion Gebietsüberschneidungen entstanden. Dieses Risiko ist beim Kauf von Stahlgruber eher gering. Denn die anderen europäischen LKQ-Töchter haben ganz andere Vertriebsregionen als das Traditionsunternehmen: Euro Car Parts konzentriert sich auf Großbritannien und Irland, Sator auf die Niederlande. Dagegen hat Stahlgruber seine Schwerpunkte in Deutschland und Österreich, ist aber auch an den Märkten in Tschechien, Italien, Slowenien und Kroatien vertreten und verkauft auch in die Schweiz. So dürfte sich an den meisten Standorten, an Lagerhäusern und Verkaufsstellen zunächst wenig ändern. 

Bei der Auswahl des Investors spielte laut Stahlgruber-Mitteilung „das Wohl der Mitarbeiter eine tragende Rolle“. Von einem weiteren Ausbau der „herausragenden Marktposition im europäischen Kfz-Teilemarkt“ sprach Stahlgruber-Chef Reiner Reiff. Falls das gelingt, könnte Stahlgruber seine Position ausbauen und weiter wachsen. Dominick Zarcone, Präsident von LKQ, rechnet fest damit. Er lobte das bisherige – im Vergleich zum Markt überdurchschnittliche – Wachstum und die „hervorragende Reputation“ von Stahlgruber. „Wir sind stolz, die 6600 Stahlgruber-Mitarbeiter in der LKQ-Familie willkommen zu heißen.“ 

Unklar bleibt vorerst, welche Funktion die bisherige Stahlgruber-Zentrale in Poing künftig haben wird. Noch im Oktober 2016 hatte Stahlgruber angekündigt, sie bis 2018 zu erweitern. Die Bauarbeiten sind noch im Gang. Dem Vernehmen nach laufen die Arbeiten ohne Zäsur weiter. Poing ist nicht nur Sitz der Stahlgruber GmbH, die nun verkauft wurde und ihrer bisherigen Eigentümerin, der Stahlgruber AG. In dem Gebäude sitzt auch die zweite Stahlgruber-Tochter: die Rema Tip Top AG. Sie ist nach eigener Einschätzung ein international führender Anbieter für Reifenreparatur und Oberflächenschutz. Sie ist von dem Verkauf nicht betroffen.

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