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Veraltete Strukturen, zu wenig Geld: AWO Poing löst sich auf

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Von: Sabine Heine

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Poing Weihnachtsfeier der Senioren
Bis zu 140 Poinger Senioren kamen jährlich zu der von der AWO organisierten Weihnachtsfeier. Wie es damit weitergeht, steht noch in den Sternen. © J.Dziemballa

Die Entscheidung war einstimmig.: Der AWO-Ortsverein Poing wird aufgelöst. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Poing – 56 Jahre lang hat sich der AWO-Ortsverein für soziale Belange in der Gemeinde Poing eingesetzt und legendäre Veranstaltungen organisiert wie die Senioren-Weihnachtsfeier der Gemeinde oder den beliebten Stand auf dem Christkindlmarkt. Damit ist nun Schluss. Der Verein löst sich auf.

„Die Entscheidung ist einstimmig gefallen“, sagt Vorstand Peter Maier nach der Mitgliederversammlung. Zwei Jahre lang habe man hin und herüberlegt, wie es weitergehen könne mit dem Verein, doch am Ende seien sich alle einig gewesen: Weitermachen bringt nichts.

Starre Verbandsstruktur macht Ortsvereinen zu schaffen

Maier findet klare Worte für die Gründe: das viel zu enge Korsett der nicht mehr in die Zeit passenden, bundeseinheitlichen AWO-Satzung, an die sich auch kleine Ortsvereine halten müssen, die schwierige finanzielle Lage, auch Haftungsfragen, und die dringend notwendige – und in Poing nun für ihn perfekt umgesetzte – Professionalisierung der Seniorenarbeit.

Rund 100 Mitglieder hat der AWO-Ortsverein Poing bis zum Schluss gehabt – allerdings waren es vor Ausbruch der Corona-Pandemie noch 156. „Der Mitgliedsbeitrag beträgt 30 Euro“, rechnet Maier vor, „nur ein kleiner Teil davon bleibt beim Ortsverein, das meiste geht an den Verband“. Damit bleibt einem so kleinen Ortsverein kein großer finanzieller Spielraum, etwas auf die Beine zu stellen – auch wenn säntliche Arbeiten ehrenamtlich geleistet werden. Zum Beispiel die Seniorennachmittage, die dem Verein 2500 bis 3000 Euro jährlich gekostet haben – und die vergangenes Jahr eingestellt worden sind. „Das war auf Dauer nicht zu finanzieren“, bedauert der Vorstand.

Inzwischen gibt es kompetente, professionelle Seniorenbeauftragte

Gleichzeitig ist Maier, der auch Seniorensprecher im Gemeinderat ist, froh, dass es in Poing inzwischen zwei hauptberufliche Seniorenbeauftragte in der Gemeinde gibt. „Das war ja unser Anliegen. Heutzutage reicht es nicht, einmal in der Woche ein Kaffeekränzchen zu organisieren. Senioren brauchen professionelle und vor allem kompetente Beratungsangebote. Da sind sie jetzt in den besten Händen.“ Inzwischen gebe es ja auch wieder einen Seniorennachmittag pro Woche – von der Gemeinde organisiert – und vielleicht, wenn Corona es zulasse, irgendwann auch mal wieder eine große Weihnachtsfeier – nur eben ohne Beteiligung eines AWO-Ortsvereins.

Die Mitgliederversammlung war sich am Ende der Debatte einig: Sie hat die Auflösung des Vereins beschlossen. Die Entscheidung getragen haben so prominente Verfechter des Sozialwesens in Poing wie Altbürgermeister Rainer Lauterbach, der langjährige AWO-Vorstand und Poinger Ehrenbürger Wolfgang Schubert oder der frühere Geschäftsführer des Poinger Seniorenzentrums, Ernst Weller. Sie alle erklärten übereinstimmend, dass die Auflösung des Vereins zwar bedauerlich, aber letztendlich die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt sei. „Wir haben das lange und sehr sachlich diskutiert“, sagt Peter Maier, der den Verein jetzt liquidieren muss. „Wir gehen erhobenen Hauptes da raus.“

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