„Ich habe mir einen Traum erfüllt“: Giuseppe Carlucci kam vor drei Jahren ohne ein Wort Deutsch zu sprechen nach Poing. Seit zwei Wochen führt er seinen ersten Herrensalon – im Stile eines italienischen Barbiers. 

Vom „Austausch-Azubi“ zum Salon-Betreiber

Der „Barber-Pepp“

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Als er vor gut drei Jahren von Italien nach Poing kam, konnte er kein Wort Deutsch. Jetzt hat Guiseppe Carlucci seinen eigenen Friseur-Salon eröffnet.

Poing – Als er vor gut drei Jahren nach Poing kam, sprach Giuseppe Carlucci kein Wort Deutsch. Mittlerweile palavert er in herrlich erfrischendem Bairisch-Italienisch – und führt seit zwei Wochen seinen eigenen Friseursalon. „Da Boda“ (www.da-boda.de) in Erdings Altstadt ist ein reiner Herrensalon, Spezialgebiet Bartrasur. Im traditionellen Stil der Zunft der Barbiere, die es seit dem Mittelalter in Venedig gibt.

Der 25-jährige Giuseppe (keiner nennt ihn „Herr Carlucci“) stammt aus dem kleinen Dorf Villa Castelli in Apulien, wo er Barbier und Friseur gelernt und in einem Salon gearbeitet hat. Als er vor etwa vier Jahren vom Programm „MobiProfessionell“ erfuhr, bei dem junge Arbeitskräfte zur Aus- und Weiterbildung europaweit vermittelt werden, meldete er sich an. „Ich wollte nach Deutschland, weil ich neue Erfahrungen machen und die Sprache lernen wollte“, erzählt er.

Auf der anderen Seite stehen Handwerksbetriebe, die jungen Leuten eine Chance geben. Wie die Friseurmeister Kathrin und Johannes Mittermeier aus Poing, die mehrere Salons besitzen und führen. Giuseppe Carlucci erhielt die Nachricht, nach Poing gehen zu können – zunächst für drei Jahre. Der damals 21-Jährige nahm das Angebot an. Im Rahmen des Austauschprogramms erlernte er nicht nur das Friseurhandwerk im deutschen Stil, sondern in Sprachkursen auch Deutsch. Überhaupt Deutschland: Hier erhoffte sich der damals 21-jährige Giuseppe eine Zukunft in seinem Beruf, da die Jugendarbeitslosigkeit in Italien hoch und die Chancen auf Verbesserung gering sind.

Die ersten Wochen verstand er nur Bahnhof. Seine Kunden waren Puppen, an denen er sein bereits in Italien erlerntes Barbier-Handwerk verbesserte. Nach etlichen Seminaren und Deutschkursen die große Chance: Katrin und Johannes Mittermeier eröffneten in Poing einen Herrensalon. Unter der Leitung und den Fittichen von Geschäftsführerin Slavenka Viduvic mauserte sich Giuseppe schnell zum gefragten Barber. Akribisch und leidenschaftlich gern stutzt er Bärte jeder Art und Form. Klaro, Haare schneidet Giuseppe freilich auch.

„Er ist für mich wie ein Sohn geworden“, sagt seine Lehrmeisterin Slavenka Viduvic. Fürwahr: Giuseppe Carlucci ist einer jener Sorte Menschen, die man einfach gernhaben muss. „Ciao amico“ begrüßt er jeden Kunden mit Handschlag und mit breitem Lächeln unterm Schnurrbart. An dem erkennt man, wie aus dem schüchternen jungen Italiener von vor drei Jahren ein Mann geworden ist: Aus dem zarten Flaumenbart ist ein formidabler Schnauzer geworden.

„Ich liebe meinen Job, weil ich Spaß habe mit Menschen in Kontakt zu sein, mit ihnen zu reden und mit ihnen kreativ zu werden.“ Stumm dem Kunden die Haare schneiden und/oder den Bart ist nicht Giuseppes Ding. Bei ihm wird geratscht und gelacht. Vielleicht nicht jeder Manns Sache, doch der Fröhlichkeit des Italo-Bayern kann sich eh keiner entziehen.

Zusammen mit Johannes Mittermeier ist Giuseppe Carlucci nun Geschäftsführer von „Da Boda“ in Erding. Der Name ist bewusst gewählt, in Tradition des bayerischen Barbers, sprich: Boda. Zum „Boda“ gehen bedeutet nicht nur Haare und Bart schneiden, sondern Klatsch und Tratsch erfahren, über Fußball und Frauen diskutieren – „Wo Mann noch Mann sein kann“, lautet das Konzept. Dazu gehören außerdem eine Raucherlounge mit Zigarrenauswahl sowie eine gut bestückte Whisky-Bar.

Die einzigen Frauen im Haus sind die Friseurinnen Anita Schäffler und Teresa Woitzik. Für sie hat Giuseppe Carlucci seinen ehemaligen Chef aus Italien einfliegen lassen, Pietro Gallone. In einem mehrtägigen Seminar führte er sie in die Geheimnisse und die Kunst des Barbierens ein.

„Mit dem Herrensalon habe ich mir einen Traum realisieren können“, sagt Giuseppe Carlucci und lächelt. Im sozialen Netzwerk Instagram hat er sich den Spitznamen „Barber-Pepp“ gegeben.

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