Lüften ist in Corona-Zeiten auch in der Schule angesagt. Doch damit kommt die Kälte. Foto dpa/Picture Alliance
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Lieber Stoß- und Querlüften: Die Klassenzimmer der Poinger Grundschulen und Räume der Kitas werden nicht pauschal mit Luftreinigern ausgestattet. 

Gemeinderat hat entschieden

Vorerst keine mobilen Luftreiniger für Poings Schulen und Kindertagesstätten

  • Armin Rösl
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Die Gemeinde Poing wird Schulklassenzimmer und Kita-Räume nicht mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausstatten. Bis auf Einzelfälle bestehe kein Bedarf.

Die Gemeinde Poing wird pauschal keine mobilen Luftreinigungsgeräte für Räume in Schulen und Kindertagesstätten kaufen. Gut eine Stunde hat der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstagabend über das Thema diskutiert und entschieden, dass lediglich bei Bedarf eines oder mehrere Geräte angeschafft werden sollen. Um zu ermitteln, ob und welche Räume mechanisch luftgereinigt werden müssen, werden sogenannte CO2-Ampeln in den Zimmern aufgestellt, um die Luftqualität zu prüfen.

Poing: Eine Stunde Diskussion im Gemeinderat

Die SPD-Fraktion hatte den Antrag an die Verwaltung und den Gemeinderat gestellt, wegen der Corona-Pandemie die Klassenzimmer aller Schulen, für die die Gemeinde verantwortlich ist (die beiden Grundschulen Karl-Sittler-Straße und am Bergfeld sowie die Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule) mit mobilen Geräten auszustatten, um die Corona-Ansteckungsgefahr zu mindern. Außerdem, so heißt es im Antragsschreiben weiter, sollten alle Kindertagesstätten geprüft werden und bei Bedarf für sie ebenfalls Luftfilteranlagen gekauft werden.

Poing: Über 200 Räume geprüft

Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) berichtete, dass Mitarbeiter des Bauhofs im Vorfeld der Sitzung in den Schulen und Kindertagesstätten sämtliche Räume kontrolliert hätten um festzustellen, ob eine Stoß-/bzw. Querlüftung durch Fenster möglich ist – so, wie es unter anderem das Umweltbundesamt und das Landesamt für Gesundheit empfehlen. Insgesamt handle es sich um 169 Räume in den Kindertagesstätten und 40 in der Anni-Pickert-Schule. Die beiden Grundschulen Karl-Sittler-Straße und am Bergfeld verfügen über eingebaute Frischluftanlagen, sodass hier stets für frische Luft bzw. Luftaustausch gesorgt ist.

Möglicher Bedarf lediglich in einzelnen Räumen

Stark trug das Ergebnis der Kontrolle vor: In der Anni-Pickert-Schule seien es sechs Räume und die Mensa, bei denen nachgebessert werden müsste bzw. keine ausreichende Lüftung möglich sei, in den Kindertagesstätten seien es insgesamt circa 17 Räume. „Insbesondere Schlaf- und Nebenräume“, erläuterte der Bürgermeister. All diese Zimmer sollen nun nochmals geprüft werden und, wie vom Gemeinderat beschlossen, bei Bedarf mit einer mobilen Luftreinigungsanlage ausgestattet werden.

Die Kosten für ein Gerät betragen laut Thomas Stark etwa 3000 Euro. In Bezug auf den Antrag der SPD-Fraktion rechnete er vor: „Würden wir für alle Räume Luftreiniger kaufen, wären wir bei einem Betrag von über 600.000 Euro.“ Das gebe der Haushalt nicht her. Zumal ein staatlicher Zuschuss nur in bestimmten Fällen gewährt werde, beispielsweise wenn es sich um Räume handle, die keine Fenster haben. Außerdem gab Stark zu bedenken, dass eine Großbestellung öffentlich ausgeschrieben werden müsse mit den entsprechenden Formalitäten und Verfahren. Bis letztendlich die Geräte geliefert werden, könnte es deshalb bis zum Frühjahr dauern.

Wie soll ich Eltern erklären, dass die Gemeinde Geld für die Sanierung von Straßen ausgeben wird, aber nicht für die Sicherheit der Kinder?

SPD-Fraktionssprecherin Bärbel Kellendorfer-Schmid

SPD-Fraktionssprecherin Bärbel Kellendorfer-Schmid stellte, wie sie zugab, eine polemische Frage mit Blick auf den Haushalt und die geplanten Ausgaben der Gemeinde: „Wie soll ich Eltern erklären, dass die Gemeinde Geld für die Sanierung von Straßen ausgeben wird, aber nicht für die Sicherheit der Kinder?“ Bürgermeister Stark wies den unterschwelligen Vorwurf an die Gemeinde zurück und betonte, dass die Verwaltung nicht nur in Corona-Zeiten alles tue, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.

Poings Bürgermeister weist Vorwurf zurück

In der Gemeinderatssitzung wurde die Meinung der Rektorinnen der drei Poinger Grund-/Mittelschulen verlesen, sie hatten im Vorfeld auf Bitten der Gemeindeverwaltung schriftliche Stellungnahmen abgegeben. Karina Schaffer (Bergfeldschule) und Verena Heigl (Karl-Sittler-Schule) verweisen auf die eingebauten Frischluftanlagen und die Möglichkeit, zusätzlich Fenster öffnen zu können. Mobile Luftreiniger seien deshalb nicht notwendig – sollte die Gemeinde sich dennoch entschließen, welche anzuschaffen, würde man dies freilich nicht ablehnen.

Schulleitung: Wir benötigen keine Luftfilteranlagen

Eva Guerin von der Anni-Pickert-Schule schreibt: „Hiermit möchten wir Ihnen bitte mitteilen, dass die Anni-Pickert-Schule keine Luftfilteranlagen benötigt. Alle unsere Klassenzimmer verfügen über viele Fenster, die man weit öffnen kann. (...) Darüber hinaus ist auch ein Stoßlüften über die Gänge möglich. Luftfilteranlagen würden in unseren Klassenzimmern außerdem unnötig viel Platz wegnehmen, über den wir in der aktuellen Corona-Zeit wegen des geforderten Sitzabstandes der Schüler nicht wirklich verfügen.“

Elternbeirat sieht Bedarf

Der Elternbeirat der Anni-Pickert-Schule sieht das anders. In einem offenen Brief an die Gemeinderatsmitglieder, der unsrer Zeitung vorliegt, heißt es: „Nach unserem Kenntnisstand gibt es zahlreiche Klassenräume, deren Fenster nur einen Spalt breit geöffnet werden können. Lediglich eine Fluchttüre ist komplett zu öffnen. Deshalb ist es notwendig, die Klassenzimmertüre zu öffnen, um eine Querlüftung zu ermöglichen. Die Klassenzimmertüren führen aber zum innen liegenden Gebäudeflur. Dort wiederum vermischen sich demzufolge die Aerosole der verschiedenen Klassen. Der erforderliche Luftaustausch zur Senkung der Virenlast ist damit nach unserer Auffassung nicht möglich. Hinzu kommt, dass durch das häufige (Quer-)lüften die Temperatur in den Klassenräumen stark absinkt und sowohl Kinder wie Lehrer frieren, noch zumal die Schüler nicht umherlaufen dürfen, sondern an ihren Sitzplätzen bleiben müssen. Dies beeinträchtigt sowohl die Gesundheit unserer Kinder und des ohnehin knapp bemessenen Lehrkörpers als auch den Lernerfolg.“

Kompromissvorschlag als Beschluss

Über das Für und Wider von mobilen Luftreinigern diskutierten die Gemeinderatsmitglieder ausführlich und intensiv – es wurden Studien und Untersuchungen aller Art genannt. Franz Langlechner (CSU) sagte: „Wir sind gut beraten, das Ganze verantwortungsvoll zu untersuchen, aber nicht gleich auf jeden Zug aufzuspringen.“

Als am Ende absehbar war, dass die SPD keine Mehrheit für ihren Antrag bekommen wird, lenkte sie ein und befürwortete, so wie alle anderen Fraktionen, den Kompromissvorschlag von Bürgermeister Thomas Stark: Die betroffenen Räume werden mittels CO2-Ampeln (diese sind bereits bestellt) nochmals kontrolliert, bei Bedarf werden einzelne Geräte gekauft – gleichzeitig wird geprüft, ob die Gemeinde hierfür einen staatlichen Zuschuss erhalten kann.

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