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Spannende Geschichte aus der Urzeit Poing: Simon Trixl berichtete, was er und seine wissenschaftlichen Kollegen so alles aus Knochenfunden von Tieren herausarbeiten können.

Was man aus Knochen so alles lesen kann

Archäologie ist spannend. Simon Trixl berichtet in Poing, was er und seine Kollegen alles an Informationen in alten Tierknochen finden 

Wenn Archäologen Siedlungen vergangener Zeiten ausgraben, finden sie neben materiellen Hinterlassenschaften wie Tonscherben oder Gewandspangen zumeist auch Tierknochen. Natürlich gab es auch in der Gegend rund um Poing solche Funde. Jetzt deutete Simon Trixl vom Institut für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin an der LMU München in einem spannenden Vortrag im Max-Mannheimer-Bürgerhaus diese Funde für interessierte Laien.

„Schon vor rund 7500 Jahren gab es hier in Poing und Umgebung erste Tierhaltung. Menschen waren sesshaft geworden, brauchten als Lebensgrundlage neben dem Ackerbau auch Haustiere“, so der 30-jährige Forscher aus München. Dabei legen vor allem Knochen und Zähne aus Gruben und Brunnen neben Speiseabfällen Zeugnisse einstiger Tierhaltung ab. „Manchmal“, so Trixl, „werden auch komplette Tierskelette gefunden, entweder als Reste entsorgter Kadaver oder von Tieropfern im Rahmen ritueller Handlungen“.

So hatte der engagierte Archäozoologe seinen Vortrag auch mit dem Motto „Hunde im Brunnen und Ochsen auf der Weide“ überschrieben. „Im Gegensatz zur Paläozoologie beschäftigen wir uns nicht mit Dinosauriern, sondern mit der Geschichte des Menschen und seinen jeweiligen Beziehungen zu Tieren, forschen zu alten Tieren. Manchmal lassen sich gefundene Knochen nur mittels weiterer Zeitzeugen in ihrem Alter bestimmen. Meist benutzen wir dazu sogenannte Vergleichssammlungen. Sie helfen uns, Tierart, Geschlecht und Alter einzuordnen. Dies wäre selbstverständlich auch mit der Untersuchung ihrer DNA möglich. Doch ein solches Verfahren ist sehr langwierig und teuer“.

Weil die erste Tierhaltung rund um Poing lange vor der Erfindung der Schrift stattfand, gibt es aus dieser Zeit nur vage Bilder oder ungenaue Statuen, manchmal ein Mosaik. Erst zur Römerzeit gibt es erste schriftliche Aufzeichnungen, etwa von Marcus Cato dem Älteren. Er empfahl in seinem Werk „De agricultura“ (Über die Landwirtschaft) etwa, den Tieren „Futter und Wasser zu geben“.

Im Bergfeld wurden denn auch rund 600 Tierknochen aus römischer Zeit gefunden; professionell mit solchen Überresten beschäftigte sich aber erst 1875 der deutsche Forscher Edmund Naumann. „Haustiere“, erzählte Trixl, seinen erstaunten Zuhörern, „stammen aber meist nicht von Urtieren aus der Landschaft um Poing ab, sie kamen vielmehr mit Menschen aus dem Vorderen Orient. So ist auch die Kuh keine Nachfolgerin des Urochsen.

Weitere kleinere Tiere dieser Einwanderer waren Schafe, Ziegen und Schweine“. Tiere seien einst auch nur als Nahrungsquelle gesehen und genutzt worden, ihr Einsatz als Zugtier etwa oder als Wolle-Spender kam erst später.

Auch das Pferd taucht erst in der Frühen Bronzezeit auf, geritten wurde es aber viel später. „Diese Tiere waren alle noch deutlich kleiner im Wuchs als heute, und sie hatten teilweise ein dünneres Fell“, weiß Trixl. Rund um Poing wurden vor allem Rinder und hier wiederum Ochsen gezüchtet, weil der Boden sehr viel Wasser enthält, und zwar schon in geringer Tiefe. So ist etwa bekannt, dass die sogenannte Heimstettener Gruppe, die als einzige Siedlung inmitten einer damals romanisierten Umgebung noch andere Bauten und Lebensgewohnheiten bevorzugte, sich ganz auf die Zucht von Ochsen spezialisiert hatte. „Diese wurden dann als Zugtiere für die Gespanne der damaligen Zeit verkauft, die Lkw der Antike“.

Hühner schließlich, heutzutage aus einem Speiseplan kaum wegzudenken, seien erst in der Zeit der Kelten, also etwa 500 vor Christus, in unsere Gegend gekommen. „Ihre kleineren Knochen aber sind deutlich schwieriger zu finden. Das gilt auch für Fische, die es damals in heimischen Bächen und Seen gab. Wir wissen zwar von ihnen, haben aber so gut wie keine konkreten Körperbelege“. Friedbert Holz

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