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Wer schlägt, der geht: Polizei Poing konsequent gegen Häusliche Gewalt

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Von: Sabine Heine

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Die Sachbearbeiterinnen Häusliche Gewalt in Poing: Eva Geckisch (links) und Christine Wegmaier. Opfer schweigen oft jahrelang Klare Signale an die Täter
Die Sachbearbeiterinnen Häusliche Gewalt in Poing: Eva Geckisch (links) und Christine Wegmaier. Opfer schweigen oft jahrelang Klare Signale an die Täter © PI Poing

Falsche Scham, Tabuisierung: Opfer Häuslicher Gewalt trauen sich oft nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei gibt es bei der Polizei genau die richtigen Ansprechpartnerinnen für solche Fälle. Zum Beispiel in Poing.

Poing – Polizisten sind nicht nur die Frauen und Männer in Uniform. Wir alle kennen die Kriminalbeamten aus den Tatort- und anderen Krimis im Fernsehen. Auch bei der Polizeiinspektion Poing, die gerade ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, gibt es Polizisten in zivil. Die Ermittlungsbeamten sind die „Kriminaler“ der Schutzpolizei. Was machen die eigentlich?

Die Ermittlungsbeamten, so die Polizei Poing, bearbeiten insbesondere die breit gefächerten Delikte der mittleren Kriminalität mit umfangreicheren Ermittlungsaufwand. „Dabei handelt es sich zum Beispiel um Einbruchdiebstähle, Kfz-Aufbrüche, Betriebsunfälle, Brände, Unterhaltspflichtverletzungen und Fälle Häuslicher Gewalt“, erklärt Helmut Hintereder, Chef der Polizeiinspektion Poing. Die Ermittlungsbeamten führen auch die Spurensicherungen und erkennungsdienstlichen Maßnahmen durch und vollziehen Durchsuchungen. Im Bereich der Schwerkriminalität sind die Beamtinnen und Beamten in der für den Landkreis zuständigen Kriminalpolizeiinspektion Erding zuständig.

Sachbearbeiterinnen kümmern sich um die Fälle

Für den Bereich Häusliche Gewalt sind bei der Polizei zwei Schwerpunktsachbearbeiterinnen zuständig. „Häusliche Gewalt ist bis auf wenige Ausnahmen kein einmaliges Ereignis, sondern ein Seriendelikt mit zunehmender Intensität und Wiederholung“, klärt Hintereder auf. Sie umfasse physische und psychische Gewalt zwischen Lebenspartnern innerhalb von ehelichen oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften, auch wenn sie sich nach einer Trennung ereignet und noch im direkten Bezug zur früheren Lebensgemeinschaft steht.

Die Existenz und Allgegenwertigkeit der Häuslichen Gewalt in unserer Gesellschaft wird sowohl von Opfern als auch von Tätern und Mitwissern nach außen hin häufig tabuisiert, so Hintereder. „Es verletzt das menschliche Sicherheitsbedürfnis jedoch in seinem Kernbereich. Opfer von Gewalthandlungen fühlen sich isoliert und dem Täter ausgeliefert.“ Sie schweigen oft jahrelang aus Angst vor neuen Gewalttaten. Hinzu komme häufig, dass sie sich mitschuldig am eigenen Unglück fühlen und deshalb versuchen, nach außen den Schein zu wahren. Sie halten ihre Situation für ausweglos und sind häufig nicht über weitere Hilfsmöglichkeiten informiert.

Gewalt und Belästigungen sollen verhindert werden

Hintereder: „Seit dem Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes besteht die Möglichkeit, durch die Zivil- und Familiengerichte weitergehende Maßnahmen durchzuführen. Ziel ist es dabei, Gewalt- und/oder unzumutbare Belästigungen durch den Täter zu verhindern, Gefahren für das Opfer abzuwehren, über weitergehende Hilfsangebote aufzuklären und eine konsequente Strafverfolgung durchzuführen. Die vorläufigen polizeilichen Maßnahmen bei der akuten Krisenintervention, wie Platzverweise, Kontaktverbote oder Ingewahrsanahme laufen nicht mehr ins Leere.“ Eine längerfristige Beseitigung der Gefahr für das Opfer könnten seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetztes einfacher durch Schutzanordnungen von Zivilgerichten in einem besonderen Eilverfahren erlassen werden. Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass auch bei „Stalking“, wie Telefonterror oder ähnlichen Belästigungen und Nachstellungen, ebenfalls gerichtliche Schutzanordnungen ausgesprochen und Verstöße dagegen auch mit Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden können. Hintereder: „Inzwischen werden den Tätern durch den polizeilichen Platzverweise und Kontaktverbote klare Signale gegeben: Wer schlägt, der geht!“

Nach der Aufnahme derartige Fälle durch die Polizisten vor Ort oder auf der Dienststelle, geht die Sachbearbeitung an die Schwerpunktsachbearbeiterinnen häusliche Gewalt in der Ermittlungsgruppe über. Die Sachbearbeiterinnen nehmen im Anschluss in der Regel Kontakt zu den Opfern auf um ihnen schnellstmöglich Hilfestellung zu geben, sie über ihre rechtlichen Möglichkeiten zu informieren und den Kontakt zur Interventionsstelle herzustellen.

Danach, so der Poinger Polizeichef, nehmen die Sachbearbeiterinnen Kontakt zum Täter auf, führen eine Gefährderansprache durch und treffen die erforderlichen Maßnahmen (Beschuldigtenvernehmung, Erstellung der Anzeige, usw.). Später werden die getroffenen Anordnungen überwacht.

Kinder werden in die Arbeit mit einbezogen

Bei Hochrisikofällen werden in Absprache mit dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord weitergehende Maßnahmen zum Opferschutz geprüft (z.B. elektronische Fußfesseln, Zeugenschutz usw.). Bei der Abarbeitung der Fälle häuslicher Gewalt wird ein besonderes Augenmerk auch auf die Anwesenheit von Kindern gelegt. In vielen Fällen werden Kinder Zeugen der häuslichen Gewalt. Studien belegen, dass bei Kindern mit Gewalterfahrung Sozialer Nahraum die Wahrscheinlichkeit wächst, dass auch sie spätere Konflikte mit Gewalt zu lösen versuchen.  

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