+
Kinder, Jugendliche, Erwachsene: Capoeira-Trainer Tamarindo gibt in Poing mehrere Kurse.

Zehn Jahre Capoeira in Poing

„Das ist mein Leben“

  • schließen

Seit zehn Jahren bietet das Familienzentrum Poing Kurse und Workshops in Capoeira an. Am Samstag wird der runde Geburtstag groß gefeiert. Ein Trainingsbesuch.

Poing – Im Discosaal des Jugendzentrums Poing liegt eine lange Matte auf dem Boden. Tamarindo kniet daneben, vor ihm liegt ein großer Gymnastikball. Ein Schüler nach dem anderen beugt sich rücklings auf den Ball und rollt auf die andere Seite. Irgendwann später wird daraus eine akrobatische Rückwärtsrolle in der Luft. Tamarindo hilft beim Drüberrollen, klatscht in die Hände, lächelt, feuert jeden seiner Schüler an. „Ich lebe, ich atme Capoeira“, sagt der 41-Jährige nach dem Training.

Seit zehn Jahren bietet das Familienzentrum Poing den brasilianischen Kampftanz in verschiedenen Kurseinheiten für jedes Alter an. Tamarindo ist seit 25 Jahren Capoeira-Trainer, seit acht Jahren in Poing. Hier unterrichtet er an drei Tagen in der Woche, ansonsten in München, und er gibt Workshops in aller Welt.

In Poing sind es über 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die er regelmäßig trainiert. Iris Makarun und ihre Kinder Leoni (13 Jahre), Mateo (10) und Mia (6) sind vier von ihnen. Die Mutter macht seit fünf Jahren Capoeira, Leoni seit neun, Mateo ebenfalls seit fünf und Mia seit zwei Jahren. „Die Musik, die Gemeinschaft, die Akrobatik“, zählt Iris Makarun auf, was Capoeira für sie ausmacht. „Es ist wie eine große Familie.“ Leoni und Mateo stimmen ihrer Mutter zu. „Am Anfang war es hauptsächlich die Musik, die mir gefallen hat“, erzählt Leoni. „Dann die Akrobatik.“ Mama Iris: „Es ist eine tolle Energie, die während Capoeira fließt.“

Energie, Kraft, Mut und Hoffnung – all das habe Capoeira ihm damals gegeben, als er mit 16 Jahren begann, Unterricht zu nehmen, erzählt Tamarindo, der eigentlich Francisco Soares Barreto heißt, und aus Salvador da Bahia in Brasilien stammt. Als eines von 19 Kindern in der Familie habe er mit elf Jahren zu arbeiten begonnen. „Tagsüber als Milchverkäufer, abends habe ich auf Parkplätzen vor Bars und Restaurants auf Autos aufgepasst oder sie gewaschen.“

Brasilien sei beherrscht von Drogen und Kriminalität. Capoeira sei für viele arme Menschen eine Möglichkeit zu entkommen bzw. etwas Sinnvolles zu tun. Als Tamarindo als Jugendlicher damit anfing, habe er ziemlich schnell gewusst: „Das ist mein Leben.“

Capoeira wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika verschleppten Sklaven praktiziert und weiterentwickelt. Traditionell wird zu den Kämpfen, die aus vielen Drehtritten, eingesprungenen Tritten und Akrobatik bestehen, ohne den anderen zu verletzen, Musik gespielt. Die Kämpfe finden immer in einer Roda (portugiesisch: Kreis) statt, der von Capoeiristas und Musikern gebildet wird.

Als er das erste Mal in München ein Training geleitet hat, habe er noch kein Wort Deutsch gesprochen, erzählt Tamarindo. Die Poingerin Vera Scherpf, selbst gebürtige Brasilianerin, hatte ihn damals erlebt – und war hin und weg, wie der junge Mann die Kinder und Jugendlichen angeleitet hat. „Capoeira ist Körpersprache“, sagt er. Da brauche es nicht vieler Worte. Vera Scherpf hat ihn damals nach Poing eingeladen, seitdem unterrichtet er auch hier, spricht mittlerweile sehr gut Deutsch, hat die Gruppe „Gingando Sempre“ gegründet – und hat jeden Tag aufs Neue Spaß und Freude am Kampftanz.

Beides sowie Akrobatik vermittelt er seinen Schülern. Einige von ihnen werden am Samstag, 18. Mai, in der Aula der Anni-Pickert-Schule ihr Können zeigen. Dort findet das große Fest zum zehnten Geburtstag von Capoeira im Familienzentrum Poing statt. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass und warme Küche ab 18 Uhr. „Es gibt eine Capoeira- und eine Samba-Show, Live-Musik und brasilianische Küche“, kündigt Tamarindo an. Und viel Lebensfreude.

Der Eintritt zur Jubiläumsparty kostet zehn Euro. Platzreservierung zum Essen per E-Mail an tamarindogs@
hotmail.com. Weitere Infos gibt es ebenfalls bei Trainer Tamarindo, unter Telefon (0176) 32211174.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gestürzt: Frau will 25 000 Euro von Grafinger Geschäft
Sie wollte für ihre Schwiegertochter ein Oberteil kaufen und brach sich beide Füße. Jetzt hat eine 70-Jährige ein Bekleidungsgeschäft in Grafing wegen mangelnder …
Gestürzt: Frau will 25 000 Euro von Grafinger Geschäft
Eltern wollen Geschwindigkeitsüberwachung - Bürgermeister sagt: Haltet Euch doch Hühner!
Ernst Eberherr (CSU), Bürgermeister in Egmating, hat auf den Protest der Eltern reagiert, die sich für mehr Verkehrssicherheit einsetzen - mit einem kuriosen Vorschlag.
Eltern wollen Geschwindigkeitsüberwachung - Bürgermeister sagt: Haltet Euch doch Hühner!
Mann nagelt totes Huhn mitsamt Wut-Schreiben an Scheiterhaufen
Ihm reicht’s! Alexander Stark aus Ebersberg hat am Egglburger See, wo er wohnt, dieses Schild an einem Holzstoß befestigt und daneben ein totes Tier gehängt. Was ihn …
Mann nagelt totes Huhn mitsamt Wut-Schreiben an Scheiterhaufen
Förderverein fordert: Nehmt die Kündigung zurück!
Die Kündigung von Gertrud Hanslmeier-Prockl, Leiterin des Einrichtungsverbunds Steinhöringer Werkstätten, schlägt immer höher Wellen. Jetzt meldet sich Ursula Bittner, …
Förderverein fordert: Nehmt die Kündigung zurück!

Kommentare