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Entschädigung: Im Justizgebäude erhielt Taxifahrer Josef Repetschnig vom Angeklagten 40 Euro Fahrpreis.

Im Gerichtssaal zahlt er Entschädigung

Taxigast bedroht Fahrer mit Hund und Messer

Poing - Nach einem Starkbierfest in München ist ein Taxigast nach der Heimfahrt in Poing ausgetickt. Nun stand er wegen räuberischer Erpressung vor Gericht - und zahlte dem Taxler eine Entschädigung.

In seinen 30 Berufsjahren als Taxifahrer hat Josef Repetschnig einiges erlebt. "Aber nur einmal habe ich die Polizei rufen müssen", sagt der 62-Jährige. Als sein Fahrgast Stefan M. (27) drohte, seinen Hund auf ihn zu hetzen, weil er den Fahrpreis nicht bezahlen wollte. Stefan M. wurde am Dienstag wegen räuberischer Erpressung vom Landgericht München II verurteilt.

Beim Starkbierfest im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz hatte der Speditionskaufmann nach drei Mass Triumphator und mehreren Rüscherln ordentlich einen in der Mütze, als er in der Nacht zum 28. März 2010 ins Taxi stieg. "Er hat gesagt, er will nach Poing", berichtete Repetschnig im Zeugenstand. "Mehr hat er nicht gesprochen." Der Taxler fuhr in Poing zum Elternhaus des Angeklagten. 39,10 Euro hätte die Fahrt gekostet. Stefan M. kramte in seinen Taschen, fand aber kein Geld. Repetschnig: "Er hat gesagt, er geht ins Haus und holt das Geld."

Doch Stefan M. kam nicht mit Geld, sondern einem Hund, einem Berner Sennen-Husky-Mischling. In der linken Hand hielt er versteckt ein Besteckmesser. "Er hat sich halb ins Auto gesetzt und gesagt, ich soll verschwinden", so der Zeuge. Stefan M. habe gedroht: "Hau sofort ab, ich gebe dir drei Sekunden, sonst hetze ich den Hund auf dich!" Repetschnig sah das Tier an. "Der Hund war ganz ruhig und hat nicht mal gebellt." Trotzdem sei ihm mulmig gewesen, er wusste ja nicht, wie der Hund auf Kommando reagiere. Dann sah der Taxifahrer das Messer in der Hand von Stefan M. "Ich bin erschrocken. Da habe ich ihn aus dem Auto herausgeschubst und die Tür verriegelt." Repetschnig alarmierte die Polizei.

Als die Streife eingetroffen war, hätten die Eltern des Angeklagten zunächst behauptet, hier wohne kein junger Mann. "Die Beamten sind reingegangen und haben ihn rausgeholt", berichtete der Taxifahrer dem Gericht. Der später in der Nacht festgestellte Blutalkoholwert des Angeklagten war enorm: 3,1 Promille.

Der Angeklagte behauptete am Dienstag im Gerichtssaal zunächst, er habe 20 Euro auf den Beifahrersitz gelegt. Doch glaubhaft schien diese Aussage dem Gericht nicht. Später drückte Stefan M. dem Taxifahrer 40 Euro Fahrgeld in die Hand und entschuldigte sich bei dem 62-jährigen Josef Repetschnig.

Der wegen Alkoholdelikten vorbestrafte Stefan M. bleibt in Freiheit. Das Landgericht München II verurteilte ihn zu einem Jahr und sieben Monaten Haft - auf Bewährung.

Eberhard Unfried

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