Drei Faustschläge = Knast

Poing - Der Anlass, weshalb ein in Poing lebender Kasache ausrastete, war banal. Mit drei Faustschlägen hat der 38-Jährige sein Opfer vor einem Getränkemarkt malträtiert. Die Folge: Sechs Monate Haft.

Es war ein langer und anstrengender Nachmittag für Richterin Susanne Strubl und die übrigen Beteiligten im Prozess am Ebersberger Amtsgericht. Nach vier Stunden Wartezeit traf endlich der Dolmetscher aus München ein, nun konnte das Verfahren eröffnet werden und der Angeklagte seine Geschichte erzählen. Über den Dolmetscher ließ der in Poing lebende Kasache Igor V. (alle Namen geändert) ausrichten, dass alles gar nicht so schlimm gewesen sei an jenem Tag im Juni 2011.

Er sei zusammen mit seiner hochschwangeren Freundin zu Fuß auf dem Parkplatz der BayWa an der Gruber Straße unterwegs gewesen, als ein Auto ganz nahe an ihnen vorbei gefahren sei. "Es hat mich am Bein berührt", erläuterte der 38-jährige Angeklagte und zeigte mit seinen Händen, wie er die Einkaufstüte schützend vors Bein gehalten habe. Der Fahrer, ein 44-jähriger Poinger, sei anschließend ausgestiegen und habe begonnen zu fluchen. Was er gesagt habe, wollte die Richterin wissen. "Weiß ich nicht", antwortete der derzeit arbeitslose Kasache über den Dolmetscher. Weil der Autofahrer im Eingangsbereich des Getränkemarktes ihm zu nahe gekommen sei, habe er ihn weggeschubst, behauptete Igor V. . Seinen Bericht beendete er mit dem Satz: "Ich habe es so erzählt, wie es geschehen ist."

Die Staatsanwaltschaft und das Opfer schilderten den Hergang ganz anders. Demnach habe Igor V. drei Mal mit der Faust auf den 44-jährigen Poinger Ernst R. geschlagen. Deshalb die Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Ernst R. berichtete dem Gericht, dass er im Schritttempo über den Parkplatz gefahren sei und vermutlich mit dem Seitenspiegel die Einkaufstüte von Igor V. gestreift habe. Der habe daraufhin die Wörter "Tüte" und "Flasche" geschrien. Nachdem er sein Auto geparkt hatte, habe er den Angeklagten und seine schwangere Freundin nicht mehr gesehen. Als er im Getränkemarkt sein Leergut abgegeben wollte, sei der Kasache plötzlich vor ihm gestanden und habe ihn angebrüllt. "Dann habe ich mir drei Schläge eingefangen, beim dritten wäre ich fast umgekippt". Anschließend sei Igor V. seelenruhig weggegangen.

Zeuge Franz E., der als Lagerist im Getränkemarkt arbeitet, bestätigte die drei Schläge. An mehr könne er sich allerdings nicht mehr erinnern. In den Arztberichten, die Richterin Susanne Strubl zur Beweisführung sichtete, sind Verletzungen an der Schulter und des Brustkorbs von Ernst R. aufgeführt.

Am Ende der Verhandlung ging Strubl mit dem Angeklagten hart ins Gericht: "Sie sind ein Bewährungsversager." Wegen früherer Delikte befindet sich Igor V. derzeit auf Bewährung, dies habe ihn nicht davon abgehalten, erneut straffällig zu werden. "Ich konnte Ihnen heute keine Bewährung aussprechen", sagte Strubl, nachdem sie das Urteil verkündet hatte: Sechs Monate Freiheitsstrafe. "Ihre Schilderung kann ich nicht glauben. Ich gehe davon aus, dass sie drei Faustschläge gemacht haben", sagte sie zum Angeklagten. Auch könne sie Igor V. keine gute Sozialprognose bescheinigen. Auf Strubls Frage, wovon er denn lebe, übersetzte der Dolmetscher die kurze Antwort des Kasachen: "Vom Staat."

von Armin Rösl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der große Brocken kommt aber erst noch
Der Kirchturm in Buch (Gemeinde Kirchseeon) erstrahlt in neuem Glanz. Die Statik wurde überprüft, teilweise wurden verstärkende Eisen eingesetzt.
Der große Brocken kommt aber erst noch
Atteltaler trumpfen auf: Brauchtum in seiner schönsten Form
In einer fast bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthalle hat der Trachtenverein Atteltaler Grafing seinen traditionellen Heimatabend veranstaltet. Es war zünftig.
Atteltaler trumpfen auf: Brauchtum in seiner schönsten Form
Nazi-Sprüche per Klassenchat: Polizei ermittelt gegen Gymnasiasten wegen Volksverhetzung
Am Grafinger Gymnasium sind rechtsradikale Botschaften über einen Klassenchat verbreitet worden. Das teilte die Polizei mit. Erst vor einer Woche wurde die Schule nach …
Nazi-Sprüche per Klassenchat: Polizei ermittelt gegen Gymnasiasten wegen Volksverhetzung
Roger Rekless: Nicht alles okay, aber auch nicht alles schlecht
Der Musiker und Moderator Roger Rekless ist heimgekehrt nach Markt Schwaben. Er las aus seinem Buch „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ und erzählte, wie es dazu kam.
Roger Rekless: Nicht alles okay, aber auch nicht alles schlecht

Kommentare