Im Internet lauern auch Abzockfirmen. foto: dpa

Poinger (29) in Internet-Falle

Poing - Als er per Post eine Rechnung über 132 Euro erhalten hat, wusste Marius Augustin aus Poing erst gar nicht, worum es geht. Dann war ihm klar, dass er einer Internet-Abzocke aufgesessen ist.

Die Geschichte beginnt am 1. April diesen Jahres und ist kein Scherz. An jenem Tag hat Marius Augustin im Internet nach Möglichkeiten gesucht, kostengünstig mit dem Auto von Poing nach Stuttgart zu gelangen. Unter anderem sah er sich auf der Seite mitfahrzentrale-24.de um. Weil ihm das Angebot dieser Mitfahrzentrale zu teuer erschien, verließ er die Seite wieder und forschte weiter.

Vier Monate später, am 2. September, flatterte dem Poinger eine Rechnung ins Haus, ausgestellt von der Paid Content GmbH mit Sitz in Gammelsdorf (Landkreis Freising). Als Geschäftsführer ist Frank D. genannt. „Sehr geehrte(r) Herr/Frau Marius Augustin, Sie haben sich am 01.04.2001 für die Mitgliedschaft bei mitfahrzentrale-24.de entschieden. (...) Wie vereinbart berechnen wir Ihnen heute die Jahresgebühr für diesen Service.“ Die Gebühr: 132 Euro.

Der 29-jährige Poinger wunderte sich über die Rechnung, da er bei seinem Besuch der Internetseite seines Wissens nach keine Anmeldungsbestätigung angeklickt hatte. „Ich hatte lediglich meine Adresse eingegeben, so wie es bei allen Mitfahrzentralen üblich ist, wenn man auf der Suche nach einer Fahrt ist“, erzählt Marius Augustin. Er ist erfahrener Mitfahrer, regelmäßig reist er per Mitfahrgelegenheit nach Stuttgart und zurück.

Der Poinger schrieb dem Unternehmen und stellte klar, dass weder er noch irgendjemand anderer in seinem Auftrag sich bewusst für ein kostenträchtiges Angebot bei mitfahrzentrale-24.de entschieden habe.

Eine Woche später erhielt Augustin erneut die Rechnung, dieses Mal zuzüglich Mahngebühr in Höhe von neun Euro. Als Infotelefon ist eine 0900-Nummer angegeben mit dem Hinweis, dass ein Anruf 1,99 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz koste.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass eine Nichtzahlung der Gebühr einen negativen Schufa-Eintrag nach sich ziehen könne. Sollte allerdings jemand anderer sich im Internet als Marius Augustin ausgegeben und in dessen Namen angemeldet haben, rät die Paid Content GmbH, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. „Nachdem Sie Ihre Anzeige erstattet haben, teilen Sie uns bitte das Aktenzeichen des Vorgangs bei der Polizei, sowie den Namen des aufnehmenden Beamten und die Dienststelle mit, bei der Sie waren“, heißt es in einem weiteren Schreiben der Paid Content GmbH an Augustin.

Der Poinger hat weder die Hotline angerufen noch Auskünfte über sein weiteres Vorgehen gegeben. Stattdessen recherchierte er über die Paid Content GmbH und deren Geschäftsführer und erstattete bei der Polizei Anzeige wegen Betruges.

Bei den Erkundungen über Frank D. ist Marius Augustin auf allerlei Interessantes gestoßen. Unter anderem entdeckte er einen Fernsehbeitrag, in dem über die Machenschaften des Portalbetreibers berichtet wird. Dieser unterhält nicht nur die Seite mitfahrzentrale-24.de, sondern auch die mitwohnzentrale-24.de. Auch hier erhalten diejenigen, die im Internet ihre Adresse hinterlassen haben, eine Rechnung über 132 Euro. Des Weiteren ist Frank D. Geschäftsführer eines Inkasso-Büros in Berlin. Der war trotz mehrmaliger Versuche unserer Zeitung telefonisch nicht erreichbar.

Die Rechnung über 132 Euro hat der Poinger Marius Augustin nicht gezahlt, stattdessen hat er sich an unsere Zeitung gewandt, um andere mögliche Opfer vor dieser Internet-Falle zu warnen. Das tun auch die Verbraucherzentralen in Deutschland (siehe Kasten). Die Fahrt nach Stuttgart hat Marius Augustin über eine seriöse Mitfahrzentrale gebucht.

Armin Rösl

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