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Rainer Glück, Wirt der Alten Post in Parsdorf,  genießt den Schatten dur ch die Bäume in seinem Biergarten. Kein Gast wolle in der prallen Sonne sitzen. Den politischen Vorstoß für mehr Sonne n schutz kann er nicht verstehen.

Schattenpflicht

Politik will Biergärten weniger Sonne verordnen: Das sagen die Wirte dazu

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Der politische Vorstoß, Gastronomen sollen Mitarbeiter besser vor Sonne schützen, verdampft bei den Wirten. Einer von ihnen ist Rainer Glück, Chef der Alten Post in Parsdorf. Was er sagt. 

Ebersberg/Erding – Als Rainer Glück von dem politischen Vorschlag liest, kann er nur den Kopf schütteln. Der Wirt der Alten Post in Parsdorf (Kreis Ebersberg) sagt: „Ich verstehe den Ansatz nicht.“ In Biergarten gebe es so oder so Schatten. Geht es nach dem Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfaMed), sollen Gastronomen ihre Service-Mitarbeiter im Außenbereich besser vor der Sonne schützen. Auf Terrassen und in Biergarten sollen in den Monaten April bis September weitreichende Vorsorgemaßnahmen stattfinden, bei intensiver Belastung durch Sonne soll es sogar Pflicht sein. Heißt, dass Mitarbeiter nicht zu lange in der Sonne arbeiten oder ausreichend Schatten haben müssen.

Rainer Glück sagt, vor Jahren führte der Sonnenschirm in den Biergärten zur Debatte, weil er nicht zu groß sein durfte, nun die Sonne. Seinen Biergarten mit 270 Plätzen betreffe das Thema nicht. Vier große Kastanienbäume und blaue Schirme sorgen für Schatten. „In einem Biergarten ist fast immer Schatten“, sagt er. Weil es dort Bäume gebe und Gäste „gar nicht in der prallen Sonne sitzen wollen“. Die Mitarbeiter seien daher ebenso vor Sonne geschützt. Den politischen Vorstoß könne Glück nicht nachvollziehen. Glücks Mitarbeiter dürften sich außerdem umsonst an den Getränken bedienen; an heißen Tagen sei das unerlässlich, betont er.

Behörden sorgen ständig für neue Einschnitte

Im Freibereich des Hirschbachwirts in Forstern (Landkreis Erding) gibt es viel Schatten – seit jeher. Günter Helfenbein, der Betreiber, und seine Mitarbeiter hätten genug Sonnenschutz durch Schirme und zwei Kastanien. „Wenn es warm ist, ist es für alle Mitarbeiter anstrengend, nicht nur für die, die draußen arbeiten, sondern auch für die in der Küche“, sagt Helfenbein. Er moniert: Durch die Behörden kommen ständig neue oft bürokratische Arbeiten und Einschnitte auf Wirte zu. Freude mache das keine mehr. Er klagt vor allem darüber, dass zu viel Zeit fürs Protokollieren verschwendet werde und wenig Zeit für die Mitarbeiter und Gäste bleibe.

Die Kritik gegen den politischen Vorstoß mehrt sich in der Branche: Wann Mitarbeiter durch Sonne tatsächlich gefährdet seien, sei nicht so einfach beurteilbar, heißt es. Die Intensität der Sonnenbelastung müsste in jedem Einzelfall ermittelt werden, schreibt das Gastgewerbe Magazin – praktisch nicht umsetzbar.

Alexander Hoyer, Geschäftsführer des Schweiger Brauhaus in Markt Schwaben (Kreis Ebersberg), sieht es ähnlich: „Für Gastronomen wird es immer schwieriger.“ Es gebe so viele Regulierungen. Dadurch gehe die persönliche Gastronomie, bei der sich Wirt und Gäste kennen, und damit ein Stück bayerische Kultur kaputt. Die große Frage sei, „wo setzten wir Grenzen bei staatlicher Regulierung“.

Dass Mitarbeiter so gut es geht geschützt werden müssten, ist Hoyer wichtig. Er sagt, Arbeitgeber könnten durchaus präventiv tätig werden und beispielsweise die Mitarbeiter auf ausreichenden Sonnenschutz in Form von Sonnencremes hinwiesen. „Dazu rate ich jedem“, die Haut so oder so zu schützen. Dennoch sei jeder Mitarbeiter ein großes Stück eigenverantwortlich.

Das Thema liegt bei Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

Sandra Weißacher, Wirtin des Lindenwirts im Erdinger Ortsteil Bergham, sagt, dass es viele andere Berufe gebe, bei denen sich die Arbeiter selber vor der Sonne schützen müssen, sei es der Gärtner oder der Straßenbauer, der für Schatten sorgen müsse. Nicht alles dürfte auf den Schultern der Wirte abgeladen werden. Solche Verordnungen „sind natürlich anstrengend. Es gibt genug anders Probleme in der Gastronomie“, sagt Weißacher. Den Lindenwirt Biergarten würde die Sonnenschutzverordnung nicht betreffen, sagt sie, da es große Linden, Schirme und eine Markise gebe. Auch im Schweiger Brauhaus sorgen Linden für natürlichen Schatten.

Wenn das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Vorschlag des Ausschusses für Arbeitsmedizin folgt, wäre das ein weiterer Stolperstein für Gastronomen, lassen diese verlauten. Um das zu verhindern, hat sich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gewandt.

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