Der Wollknäuel als Symbol: Grundschulleiter Bernd Romir wirft den Faden zu Bettina Ismair, Initiatorin des Netzwerks „Offenes Haus“. foto: dziemballa

Prämierte Integration

Markt Schwaben - Als eines von sieben Projekten in Bayern ist das "Offene Haus" in Markt Schwaben vom Bundesfamilienministerium ausgezeichnet worden. Wie hier die Integration ausländischer Kinder in der Praxis funktioniert:

Über Integration reden, das können Politiker gut. Aber in der Praxis umsetzen? Das können sich Politiker aller Coleur in Markt Schwaben anschauen. Dort existiert seit zehn Jahren das Projekt "Offenes Haus", initiiert von Bettina Ismair. Heuer ist es vom Bundesfamilienministerium mit dem Preis "Bildungsidee Deutschland 2011" ausgezeichnet worden, als eines von 52 preisgekrönten Projekten bundesweit und eines von sieben in Bayern.

Als Anerkennung für dieses "außergewöhnliches Ereignis in unserer Marktgemeinde" (O-Ton Bürgermeister Georg Hohmann) hat Markt Schwabens Verwaltung am Freitagmittag eine Feierstunde für die beteiligten Eltern, Lehrer und Schüler im Rathaus gegeben.

Dort zeigte Hohmann anhand eines Wollknäuels, wie sich das Projekt "Offenes Haus" in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. Zu Beginn warf er den Knäuel Bettina Ismair zu, die den Faden weiter reichte an die ersten Eltern, die Kindern von Asylbewerbern bei sich zu Hause beim Deutschunterricht geholfen haben und heute noch immer helfen. Von dort flog der Ball weiter zu den Leitern des Kinderhortes der Arbeiterwohlfahrt sowie der Grundschule, der Mittelschule und zum Direktor des Franz-Marc-Gymnasiums.

Mittlerweile sind alle drei Schulen Teil des "Offenen Hauses". Dort gibt es Arbeitsgruppen und Initiativen, in denen Kinder mit Migrationshintergrund gemeinsam mit Markt Schwabener Schülern lernen. "Hier werden keine schöngeistigen Reden geschwungen, wie es Politiker gerne tun, hier wird aktiv Integration geleistet", lobte Gymnasiumsleiter Gerhard Dittmann. Er wünscht sich, ebenso wie Grundschulrektor Bernd Romir, dass dieses Projekt außerhalb der Gemeindegrenzen Nachahmer findet. "Das ,Offene Haus’ ist ein Erfolgsmodell", sagte Dittmann.

Romir bestätigte dies und kritisierte die Regierung von Oberbayern, die heuer an die Schulleitungen ein 30-seitiges Pamphlet zum Thema Integration verschickt habe. "Was da drin steht, habe ich schon wieder vergessen. Wichtig ist, was in der Praxis vor Ort getan wird." In Markt Schwaben seien es Eltern gewesen, die aktiv begonnen hätten, die Integration voranzutreiben. Mit dem Ziel, ausländische Kinder zu integrieren. Mittlerweile sind laut Bürgermeister Georg Hohmann 60 ausländische und 60 deutsche Familien in Markt Schwaben im "Offenen Haus" involviert.

Ein Ergebnis der Zusammenarbeit zeigten Kinder mit einem selbst produzierten Film, in dem dunkle Gestalten aus dem Weltall Markt Schwaben bedrohen. Den Kindern aller Schulen gelingt es gemeinsam, die Angreifer eines Besseren zu belehren. Am Ende feiern die vormals dunklen Gestalten mit den Schülern ein fröhliches Fest.

Ein solches war auch die Feierstunde im Rathaus. Besonders beeindruckt haben dabei Nicola Reichel (15) und Lisa Rothneiger (16), die mit Gitarre und wunderschönem Gesang zwei Poplieder zu Gehör brachten. Schade, dass keiner der von Hohmann eingeladenen Politiker aus Bundes- und Landtag Zeit gefunden hatten, am Freitag nach Markt Schwaben zu kommen. Wären sie hier gewesen, wüssten sie, wie Integration in der Praxis funktioniert.

von Armin Rösl

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