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Pssssssst! In diesem Gewerbegebiet ist schon ein Frühstück zu laut

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Die Stühle stehen bereit, doch Hotel-Betreiber Josef Folger darf die Terrasse nicht nutzen.  Foto: sro
Die Stühle stehen bereit, doch Hotel-Betreiber Josef Folger darf die Terrasse nicht nutzen. Foto: sro

Vaterstetten - In einem Gewerbegebiet herrschen andere Gesetze als in einem Wohngebiet. In einem Gewerbegebiet kann’s auch mal ein bisschen lauter sein. Dachten wir bisher! Ist aber nicht so. Zumindest nicht in Vaterstetten. Dort darf man im Gewerbegebiet nicht einmal im Freien frühstücken.

Josef Folger kämpft seit rund zehn Jahren. Er betreibt ein Hotel in der Baldhamer Straße in Vater-stetten. Dazu gehört ein Restaurant samt Terrasse. Dort sollen Gäste frühstücken können, ihr Mittagessen genießen oder den Tag beim Abendessen ausklingen lassen. Die Tische und Stühle stehen schon da. Benutzen darf sie jedoch niemand. Zwar steht das Hotel samt Terrasse in einem ausgewiesenen Gewerbegebiet. Doch die im Bebauungsplan festgelegten Vorgaben in punkto Lärmschutz sind dort strenger als im direkt angrenzenden Wohngebiet, was auch Vaterstettens Bauamtsleiterin Brigitte Littke bestätigt. Für die Nachtstunden ab 22 Uhr ist sogar eine Null-Emission vorgeschrieben, Friedhofsruhe, kein Lärm, kein Geräusch. „Streng genommen müsste ich mein Hotel dann räumen“, meint Folger. Hotelgäste dürften zu dieser Zeit eigentlich nicht mehr auf den Balkon gehen „Sogar eine Katze, die über die Platten läuft, wäre schon zu laut.“

Als er das Grundstück im Jahr 2001 erworben habe, seien ihm diese Vorgaben nicht bekannt gewesen, betont Folger gegenüber der Ebersberger Zeitung. Vom früheren Bürgermeister Peter Dingler sei ihm der Kauf des Grundstücks dringend nahegelegt worden. „Das Prospektmaterial der Gemeinde und die persönlichen Vorstellungen der Nutzung mit Hotel und Restaurant waren absolut verträglich und im Einvernehmen mit der Gemeinde.“ Es sei doch unsinnig, ein Gewerbegebäude zu genehmigen, das dann nicht als solches genutzt werden könne, so Folgers Argument. Seitdem hat er vier Mal den Antrag gestellt, die Terrasse nutzen zu dürfen und hat vier Mal einen negativen Bescheid bekommen. Zuletzt sagte der Vater-stettener Bauausschuss am vergangenen Dienstag „Nein“ - auch aus einem formalen Grund. Das vorgelegte Lärmgutachten bezog sich auf zehn Sitzplätze im Freien, im Bauantrag ging es um 24 Plätze. In der Ausschussdebatte war unter anderem auch vom Schutz für das Wohngebiet die Rede (siehe Bericht auf Seite 5).

Folger versteht die Welt nicht mehr. Schließlich steht in unmittelbarer Nähe seines Hotels ein Heizwerk, das man hört. Auch die Autos, die eine genehmigte Tiefgaragenausfahrt auf dem Gelände nutzen, verursachen Lärm. Und: Der Volksfestplatz ist nicht weit entfernt.

Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) räumt ein: „Das würde man heute nicht mehr so planen. Es ist mir egal, wer der Antragsteller ist und wer der Nachbar.“ Dennoch meint er: „Ich sehen einen Ausgleich nicht als möglich an. Das kann nur ein Gericht klären.“

Das Verwaltungsgericht hatte sich bereits vor einigen Jahren mit dem Fall beschäftigt, kürzlich gab es eine Mediation, den Versuch einer gütliche Einigung. Beides änderte nichts an der geltenden Rechtslage. Aber vielleicht geht es doch: Bauamtsleiterin Brigitte Littke sagt, sie wolle das Thema nochmals prüfen lassen. Und auf Nachfrage der EZ meint sie, vielleicht gebe es einen Weg, den Bebauungsplan zu ändern, vielleicht sei doch ein Mischgebiet möglich.

Von Robert Langer

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