1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Über ein Jahr im Sattel: Simon Piwowarsky aus Zorneding radelt 18 000 Kilometer

Erstellt:

Von: Raffael Scherer

Kommentare

Die Satteltaschen vollgepackt: So radelte Simon Piwowarsky in den USA, Kanada und Neuseeland. Das Bild zeigt ihn in Las Vegas.
Die Satteltaschen vollgepackt: So radelte Simon Piwowarsky in den USA, Kanada und Neuseeland. Das Bild zeigt ihn, unschwer zu erkennen, in Las Vegas. © privat

Über ein Jahr war der Zornedinger Simon Piwowarsky mit dem Fahrrad unterwegs. Seine Reise führte ihn um die halbe Welt.

Zorneding – Bei seiner ersten internationalen Radtour vor acht Jahren, war der Zornedinger Simon Piwowarsky noch etwas improvisierter unterwegs: „Ich habe mir damals alles ausgeliehen von Freunden und auch das Rad meiens Bruders“, erinnert sich der Zornedinger an seine Tour nach London. Nun ist er zurück von seiner zweiten halben Weltreise auf dem Sattel: von Kanada über die USA bis nach Neuseeland radelte er über ein Jahr lang um die Welt. Nun stellte der mittlerweile 27-Jährige seine Erlebnisse beim Vortrag „Zeit im Sattel: Mit dem Rad um die halbe Welt“, organisiert von der Sektion Zorneding Deutscher Alpenverein in der Christopheruskirche in Zorneding vor.

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker, also alles rund ums Fräsen und Metall, 2019 hatte Piwowarsky endlich Zeit und ein wenig angespartes Geld für seinen Traum: Eine Weltreise. „Bei so einem Zeitpunkt, wenn nicht jetzt, wann dann“, erinnert sich der Zornedinger. Also ab ging es noch im Juni ab nach Kanada und weiter in den Süden in die Vereinigten Staaten.

Positive Überraschung: „Extreme Gastfreundschaft“

Auf seiner Reise habe er sich meist mehr für die Natur interessiert, anstatt für die Städte. Besonders in Erinnerung blieb ihm dabei etwa seine Ankunft im Mount-Rainier-Park im Staat Washington: „Ich hatte die Tage davor nur schlechtes Wetter, und als ich dann in den Park hineingefahren bin, klarte es auf einmal auf und du hast diesen gigantischen Berg gesehen, das war sehr imposant“, schwärmt der Radler noch heute.

Besonders positiv überrascht war er während seiner Tour von der „extremen Gastfreundschaft“, wie er sagt, der Einheimischen: „Gerade in den USA und in Neuseeland wurde ich total oft eingeladen, bei den Leuten zu übernachten“, so Piwowarsky. Egal ob von reichen Familien mit Gästezimmer oder bei eher ärmeren Ein-Raum-Wohnungen, wo er seine Isomatte ausbreiten durfte. „Das ist bei dem, was ich aus Deutschland und Europa kenne, nicht ganz so krass“.

Piwowarsky: „Wenn man so lange weg ist, dann merkt man auch wer die richtigen Freunde sind.“

Und Gastfreundschaft konnte er auch gebrauchen, als dann 2020 die Pandemie ausbrach und Neuseeland quasi komplett abgeriegelt wurde. „Ich hab damals mit der netten Familie, bei der ich war, viel geredet, ob ich irgendwie sofort heim sollte oder nicht, aber sie haben mich aufgenommen und meinten ich kann länger bleiben“, erzählt der Zornedinger. So habe er dann bis zu seiner Rückreise im September 2020 genügend Zeit gehabt um „Neuseeland fast zweimal anzuschauen“, erklärt er und ergänzt: „Das war beeindruckend, weil wegen Corona wenige bis keine Touristen da waren.“

Bei Piwowarskys Rückkehr, kurz vor seinem Geburtstag, gab es dann eine riesige Willkommen-zurück-Feier und Geburtstagsparty in einem. Während seiner Zeit habe sich zwar der ein oder andere Freund daheim aus seinem Leben verabschiedet, mit denen er die ganze Zeit über keinen Kontakt mehr hatte, so seine schmerzliche Erfahrung: „Aber wenn man so lange weg ist, dann merkt man auch wer die richtigen Freunde sind.“

Piwowarsky: Menschen offen ansprechen, wenn man ein Problem hat

Am meisten bleibt ihm jedoch nach den geradelten 18 000 Kilometern die Erkenntnis, dass man überall Menschen offen ansprechen und fragen sollte, wenn man ein Problem hat. „Weil andere eben wissen, was du nicht weißt“, erklärt er. Auch wenn zugegebenermaßen der Ausländerbonus für ihn damals von Vorteil war: „Wenn ich hier auf Deutsch jemanden nach dem Weg frage, heißt es nur ’du hast doch ein Handy, schau halt nach.’“

Mittlerweile studiert Piwowarsky Luft- und Raumfahrttechnologie in München und wohnt mit Frau und Kind zufrieden in Zorneding. Da will er auch nie wieder weg. „Aber vielleicht ist nach dem Studium wieder so eine Zeit, bevor man in den Job startet, wo man zumindest ein halbes Jahr wegfahren kann“, ergänzt er und lacht verschmitzt.

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter

Auch interessant

Kommentare