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Hauptbeschuldigte ist die 48-jährige Monika S., die trotz der Razzia vor sechs Wochen weiterhin ihr Unwesen treibe, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt mitteilt.

Polizeiaktion

Reichsbürger: Razzia bei der „Innenministerin“

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Schon wieder hat die selbst ernannte Zentralverwaltung des „Bundesstaates Bayern“ Besuch von Polizei und Staatsschutz bekommen. Das Haus in Landsham (Kreis Ebersberg) war eines von bundesweit 36 Objekten von „Reichsbürgern“, die am Dienstag durchsucht wurden.

Landsham Nach der Razzia vor exakt sechs Wochen durchsucht die Polizei seit Dienstagfrüh schon wieder Gebäude von mutmaßlichen Reichsbürgern. 36 Objekte mit 45 Beschuldigten in Bayern und Rheinland-Pfalz waren im Visier der Fahnder – unter anderem in St. Wolfgang, Erding, Fürstenfeldbruck, Landshut, München, Regensburg und Traunstein. Im Mittelpunkt aber steht erneut die Zentralverwaltung des „Bundesstaats Bayern“ in Landsham (Kreis Ebersberg). Hauptbeschuldigte ist die 48-jährige Monika S., die trotz der Razzia vor sechs Wochen weiterhin ihr Unwesen treibe, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt mitteilt. Wie schon vor sechs Wochen, ermittelt die Staatsanwaltschaft München II weiterhin wegen banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung sowie Amtsanmaßung.

Bei der bundesweiten Aktion Anfang Februar wurden gefälschte Urkunden sowie Bargeld und Waffen sichergestellt. Trotzdem war die sogenannte Zentralverwaltung in Landsham danach weiter aktiv, erklärt Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Nord. Dies sei der Anlass für die erneuten Razzien. „Wir dulden in Bayern keine Staatsverweigerer, die Gesetze missachten“, erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die in dem Dorf im Norden des Landkreises Ebersberg gut bekannte Beschuldigte Monika S., früher in einer harmlosen freien Wählergruppierung aktiv, gibt sich seit längerem als Innenministerin des „Bundesstaates Bayern“ aus. Gestern bei der Durchsuchung machte sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Verhaftet wurde sie nicht.

Reichsbürger-Razzia: Das schreibt Monika S.

Die „Reichsbürger“ beschäftigen seit geraumer Zeit Behörden mit Widersprüchen gegen Pfändungs- und Bußgeldbescheide sowie seitenlangen Schreiben, die ihr verqueres Weltbild belegen sollen. Eines dieser Schreiben, adressiert „An die öffentlichen Einrichtungen und Dienststellen der Bundesrepublik Deutschland“, liegt unserer Zeitung vor. Monika S. schreibt unter anderem: „Der Bundesstaat Bayern ist über seine aktuell geltende Verfassung (...) ausschließlich allein für das Staatsterritorium des Bundesstaates Bayern vertretungsberechtigt und die BRD-Bediensteten haben den Anordnungen der Amtsträger der sich in Reorganisation befindenden Glied-/Bundesstaaten sowie des Präsidiums des 2. Deutschen Reichs im Rahmen der Amtshilfepflicht Folge zu leisten.“ Wer dagegen verstoße, begehe Landes- und Hochverrat. Unterzeichnet: „Monika a.d.F. S., Bereich innere Angelegenheiten“.

Solche Fantasie-Dokumente und -Ausweise stellen die Reichsbürger mutmaßlich bis heute gegen Gebühr aus – im Internet sind solche Ausweise bei „Reichsdruckereien“ ab 20 Euro zu bestellen. Bei der Razzia gestern wurden Blankopapier zur Herstellung beispielsweise von Führerscheinen und Staatsangehörigkeitsausweisen sichergestellt, ferner Waffen, darunter zwei Langwaffen, Munition und ein Totschläger.

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