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Rentner frieren, weil Geld für Heizung fehlt

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„Ich war erschüttert“: Helmut Wörner, Vorsitzender des Vaterstettener Altenhilfewerks.  Foto: S. Rossmann
„Ich war erschüttert“: Helmut Wörner, Vorsitzender des Vaterstettener Altenhilfewerks. Foto: S. Rossmann

Vaterstetten - "Ich war erschüttert." Im Gespräch mit Helmut Wörner merkt man, wie tief die Empfindung sitzt. Wörner ist Vorsitzender des Altenhilfewerks.

Der Baldhamer war viele Jahre im öffentlichen Leben der Gemeinde Vaterstetten aktiv, unter anderem im Vorstand der Volkshochschule. Erst als er sich im Altenhilfewerk engagierte, sei ihm jedoch bewusst geworden, wie viel versteckte Armut es in der reichen Kommune gebe. „Aber das sieht man nicht, glaubt es auch nicht“, meint er. Da gebe es Menschen in Seniorenheimen, die müssten mit 40 Euro Taschengeld im Monat für ihre persönlichen Bedürfnisse auskommen. Wenn sich die Kosten für den Platz in der Einrichtung schnell auf 2500 Euro im Monat beliefen, dann bleibe von der Rente oft nichts mehr übrig, erzählt Wörner. Es gebe auch Senioren, die im Winter in der kalten Wohnung säßen, weil das Geld für die Heizung fehle. „Und viele schämen sich, um Hilfe zu bitten.“ In solchen Fällen kann das Altenhilfewerk tätig werden. Die Einrichtung feiert jetzt ganz bescheiden ihr 25-jähriges Jubiläum.

Die Informationen über bedürftige Menschen erhält der Verein, deren Vorsitzender Wörner seit zwei Jahren ist, beispielsweise vom Sozialamt der Gemeinde oder von den Kirchen. Danach wird der „Fall“ genau überprüft. „Dafür braucht man Menschen mit sehr viel Einfühlungsvermögen, das erfordert hohe Sensibilität“, erklärt Wörner. Schließlich gehe es um sehr persönliche Fragen. Als nächster Schritt entscheidet ein Komitee, dem unter anderem der Bürgermeister sowie der Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe angehört, über die Unterstützung. „Das ist etwas kompliziert. Das wollen wir auch ändern“, so Wörner. Künftig sollte der Vorstand beschließen können. „Aber das müssen die Mitglieder entscheiden.“ Bei den Unterstützung müsse strikt auf das Prinzip der Gerechtigkeit geachtet werden, betont der Vorsitzende. Niemand erhalte von Verein Geld, der in einem eigenen Haus lebe. „So jemand kann die Immobilie verkaufen und mit dem Erlös gut leben.“

Bisher war das Altenhilfewerk stets dezent im Hintergrund tätig, machte kein großes Aufhebens um seine Arbeit. Die Hilfsgelder speisten sich aus dem Zinsertrag für ein Grundkapital, das einst von einem Ehepaar gespendet worden war. „Aber die Zinsen fallen, wir haben immer weniger Geld“, so Wörner. „Ich erwarte den Tiefpunkt unserer Einnahmen in ein bis zwei Jahren.“ Um gegenzusteuern, will das Altenhilfewerk stärker in die Öffentlichkeit treten und um Spenden werben. Möglich seien beispielsweise private Hauskonzerte, bei denen Geld gesammelt werde. Oder ein Jubilar verzichtet bei seinem Geburtstag auf Geschenke und bittet um einen Betrag für das Altenhilfewerk. Als Konkurrenz für andere Organisationen sieht Wörner sich nicht. Der Vorsitzende hat noch ein weiteres Ziel. Der Verein müsse um mehr Mitglieder werben und soll sich verjüngen. „Viele sind schon seit Anfang an dabei und ich selbst werde auch in zwei Jahren 70“, so Wörner. Bei den Wahlen am heutigen Abend will er jedoch erneut für den Vorsitz kandidieren.

Von Robert Langer

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