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Fundstück: Fibel mit Granateinlagen. fotos: Landesamt

Riesenfriedhof unter Zorneding

Zorneding - Die Dame trug ein Gewand aus Wollstoff mit aufwändig gewebtem Rautenmuster. So viel steht fest: Die Dame war eine bajuwarische Ur-Zornedingerin, die vor rund 1500 Jahren hier lebte und beerdigt wurde.

Hunderte von Jahren ruhte die Verstorbene in der Zornedinger Erde. Dann rückten für die Erdarbeiten im Einheimischenbauland „Am Fenneck“ die Bagger an. Das Grab wurde entdeckt. Und nicht nur das. Insgesamt 28 frühmittelalterliche Gräber waren das Ergebnis der Ausgrabungen. Über sechs Jahre ist das nun her (wir berichteten). Am Freitag stellte Jochen Haberstroh, stellvertretender Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, einige der Funde vor.

Die historischen Stücke liegen im Untergeschoss, irgendwo in einem Labor, das durch die endlos scheinenden Gangfluchten im Landesamt zu erreichen ist. Tageslicht dringt nur spärlich herein, man muss sich mit elektrischem Lampen behelfen.

Die roten Steine auf der Fibel, die im Grab der Dame gefunden wurde, sind klar zu erkennen. „Die Fibeln waren Gewandschnallen, die ähnlich funktionierten wie unsere Sicherheitsnadeln heute“, erklärt Haberstroh. Bei dem Schmuckstück, so der Experte, handle es sich um ein vergoldetes Silberstück mit Granateinlagen. Daneben fanden die Archäologen eine Gürtelschnalle mit Resten des Ledergürtels sowie eine so genannte Wadenbindergarnitur, mit deren Hilfe sich die Menschen damals die Strümpfe befestigten.

Haberstroh deutet auf eine graue Kunststoffbox. Darin liegt etwas, das für den Laien aussieht wie ein erdverschmierter Kieselhaufen. Für die Experten ist es ein weiterer wichtiger Teil der Grabbeigaben. Ina Schneebauer-Meißner, Restauratorin „organischer Reste“, deutet vorsichtig auf das Gemisch. Ganz klar erkenne man hier ein Gehänge aus Eisen.

Ein Fundstück, das die Herzen von Haberstroh und seinen Kollegen höher schlagen lässt, liegt unter einem Mikroskop. Es handelt sich um ein eisernes Webschwert, also um ein Werkzeug, das am Webstuhl verwendet wurde. Auch ohne Blick durch das Mikroskop sind auf dem Stück Textilreste mit Rautenmuster zu erkennen. „Wir wissen, dass es sich dabei um Wolle handelt, vom Schaf“, sagt Schneebauer-Meißner. Reste von Baststoff habe man ebenfalls gefunden.

Warum der Verstorbenen ein Webschwert ins Grab gelegt wurde, darüber könne man nur spekulieren. „Möglicherweise hatte sie etwas mit Textilherstellung zu tun“, sagt Haberstroh. In einem anderen Punkt ist sich der Fachmann allerdings sehr sicher: „Es befinden sich noch weitere Gräber auf dem Areal, dort, wo jetzt Anwohner ihre Gärten haben. Mindestens 200 bis 250.“ Die Anwohner hätten jedoch nicht zu fürchten, dass demnächst Archäologen und Bagger anrücken. „Ein Schwimmbadbau ist aber erlaubnispflichtig.“ bee

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