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Rodin-Quartett: Virtuos und sensibel bis in die leisesten Töne

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In höhere Sphären entführte das Rodin-Quartett die Zuhörer. Foto: jro
In höhere Sphären entführte das Rodin-Quartett die Zuhörer. Foto: jro

Grafing - So voll besetzt sah man den Rathaussaal selten bei einem Kammerkonzert. Das Rodin-Quartett und Wen-Sinn Yang rührten das Publikum zu Tränen.

So voll besetzt sah man den Rathaussaal selten bei einem Kammerkonzert. Der Vorsitzende des Kulturvereins Grafing, Friedhelm Haenisch war auch sichtlich zufrieden ob des regen Besuchs, zumal diesmal auch Kinder im Publikum waren, die das Angebot der günstigen Schülerkarten des Vereins angenommen hatten. Es waren wohl verschiedene Faktoren, die für diesen regen Besuch sorgten: Zum ersten mit Sicherheit die Künstler des Abends und zum zweiten das Programm. Zu Gast war das Rodin-Quartett (Sonia Korkeala, Gerhard Urban, Violine, Martin Wandel, Viola, Clemens Weigel, Violoncello), das an diesem Tag mit Wen-Sinn Yang, Violoncello, aufgerüstet war.

Der Schweizer, mit taiwanesischen Wurzeln, gilt als einer der besten Cellisten seiner Generation. Bereits mit 24 Jahren war er Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Eine kammermusikalische Rarität, das Streichquintett A-Dur op. 39, für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli, Alexander Glasunow, konnte an diesem Abend leider nicht zur Aufführung kommen, da der Bratschist des Rodin-Quartetts, Martin Wandel, an diesem Abend wegen Erkrankung ausfiel. Seinen Part übernahm Tilbert Weigel.

Natürlich gab es da einige Enttäuschung im Publikum, doch das bestens disponierte Rodin-Quartett entschädigte mit einem hinreißend und erfrischend gespielten „Jagd-Quartett“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Zudem gab es von Wen-Sinn Yang noch die Sonate für Violoncello solo o. 25 Nr. 3, von Paul Hindemith. Yang gab eine kleine Einführung in das Werk und wusste so interessant über Komponist und Werk zu erzählen, dass man dem kurzen Vortrag gerne länger gelauscht hätte.

Virtuos und sensibel interpretierte Yang dieses kurze, prägnante Werk. Das absolute Highlight des Abends war aber das Streichquintett C-Dur DV 956 op. post. 163, von Franz Schubert.

Hier lief das Rodin-Quartett, verstärkt mit Wen-Sinn Yang, zur absoluten Höchstform auf. War schon das „Allegro ma non troppo“ von fast überirdischer Schönheit, so gab das „Adagio“ einen kleinen Blick in den Himmel frei. Mit unbeschreiblicher Klangschönheit, Ruhe und nicht zu überbietender Homogenität bis in die leisesten Piani, entführten die fünf Musiker die Besucher in höhere Sphären. Das war Musik, die nicht nur das Gehör, sondern die Seele direkt traf und die Schönheit dieses Satzes ließ manches Auge tränennass werden.

Energiegeladen, temperamentvoll und rustikal dagegen, holte das „Scherzo presto“ die Zuhörer wieder auf die Erde zurück.

Der tänzerische, vor Lebensfreude strotzende Finalsatz „Allegretto“ schlussendlich, begeisterte das Publikum dermaßen, dass es sich mit Riesenapplaus und Bravorufen bei den Ausnahmekünstlern bedankte.

Doch trotz des enthusiastischen Beifalls gab es keine Zugabe. Was hätte nach diesem Schubert auch noch gepasst?

Von Johanna von Schutter

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