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Dieser nagelneue Platz an der Rotter Straße soll neu gestaltet werden. Die Stadt hofft auf gute Ideen.

Rotter Straße in Grafing

Neuer Platz wird neu gestaltet

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Die Bäume sind gepflanzt, die Geschäfte sind geöffnet, das Pflaster verlegt, die Steine fein säuberlich eingesandet. Alles top. Der neue Platz in der Rotter Straße in Grafing soll dennoch neu gestaltet werden. Wie bitte?

Grafing – In der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses wurde gegen die Stimmen der CSU einem Antrag des „Bündnis für Grafing“ grünes Licht gegeben. Inhalt: „Die Durchführung eines einfachen Ideen-Wettbewerbs für die Gestaltung des Platzes an der Rotter Straße“. Die CSU war erkennbar sauer. „Es gibt eine riesige Verärgerung bei uns“, sagte Thomas Huber, der in der Debatte später noch emotional werden sollte – aber damit wenigstens authentisch blieb. Grund für seinen Frust: „Es gab eine ziemlich lange Bauphase, in der offensichtlich vergessen wurde, Vorbereitungen für einen Brunnen zu treffen“.

Drei Vorschläge dazu gab es bereits, alle drei wurden abgelehnt, erinnerte Veronika Oswald (FW) in der Aussprache. Die CSU hätte einen Brunnen in Form eines Mühlrades favorisiert. „Der Platz ist modern, aber das kann man auch modern gestalten“, lehnte sich Huber auf und meinte zu den Kosten: „Wir wollen keinen Trinkwasserbrunnen.“

Der Kostenfaktor hatte in der Entwicklung vorher schon eine entscheidende Rolle gespielt. Ursprünglich war hier vom Städteplaner Klaus Immich nämlich die Freilegung eines unterirdischen Bachs vorgeschlagen worden. Das Wasser sollte in einer Rinne frei über den Platz fließen und so an historische Zusammenhänge erinnern. Das Ratsgremium kam aber zu dem Schluss: „Viel zu teuer.“ „Als wir die Preise gehört haben, haben wir gesagt. So nicht“, erinnerte Franz Frey (SPD) an die frühere Entscheidung. „Jetzt geht es nicht mehr, der Kanal ist gebaut, es ist alles zugeschüttet“, sagte Josef Rothmoser (CSU). Der Bach wurde wieder verrohrt und bleibt damit unsichtbar. Die Wasserleitung für einen Brunnen ist unter dem neuen Pflaster freilich im Untergrund vorhanden – sie müsste vermutlich nur wieder ausgegraben werden. Zufrieden zeigte sich zumindest Josef Klinger (FW): „Der Platz ist sehr schön“, meinte er. Regina Offenwanger (SPD) erinnerte in diesem Zusammenhang an das anstehende Jubiläum der Grafinger Partnerschaft mit der südfranzösischen Stadt St. Marcellin und machte deshalb den Vorschlag, das neue Areal danach zu benennen. Auch der Vorschlag „Öxinger Platz“ kursierte in der Debatte.

„Da jetzt noch einen Brunnen zu bauen, finde ich sehr schwierig“, wand Veronika Oswald ein. Worauf Thomas Huber erwiderte: „Wir haben einen überfraktionellen Beschluss für einen Brunnen.“ Für den Vorschlag, den Ideenwettbewerb etwa auf die Brunnengestaltung zu beschränken, hoben sich im Kulturausschuss nur vier Hände – gestorben ist die Idee aber damit noch nicht, wenngleich Huber zum Schluss zur Brunnenfrage grantig meinte: „Das ist mir vollkommen wurscht, wie Ihr das macht. Ihr habt gerade einen Bauausschuss-Beschluss aufgehoben.“

Jetzt werden zur Neugestaltung des neuen Platzes Ideen gesammelt. Einsendeschluss ist der 31. Mai 2018. Der beste Vorschlag wird mit 1000 Euro honoriert. „Gute Ideen lassen sich auch frei von großen Kosten verwirklichen“, war sich Wolfgang Huber (Grüne) sicher. Vielleicht wird’s ja doch ein Brunnen.

Kommentar von Michael Seeholzer zu dem Thema:

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis. Und wenn mir die Ideen ausgehen? Dann starte ich einen Ideenwettbewerb. So geschehen beim neuen Stadtplatz an der Rotter Straße in Grafing.

Der ist zwar haargenau so geworden, wie er in vielen Sitzungen umständlich diskutiert und entwickelt wurde. Aber jetzt passt’s wieder nicht. Trauen die Stadträte ihren eigenen Beschlüssen nicht mehr, dass sie sie nach Abschluss einer Baumaßnahme gleich wieder umwerfen müssen?

Wie soll denn das weitergehen? Kaum ist der Sand auf dem Platz zwischen den Pflasterfugen ganz eingesunken, da wird schon eine neue Gestaltung diskutiert. Vorher hätten sich genügend Gelegenheiten ergeben, kreativ einzugreifen. Dafür wurde jetzt bei der aktuellen Brunnendebatte das Kind mit dem Bad ausgeschüttet.

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