Mai 1990: Der damalige Kaplan Rudolf Vorderholzer (l.) und Herbert Krist (r.) gehen Seite an Seite. foto: se

Ruhe nach „Erdbeerpfarrern“

Zorneding - Wenn Rudolf Voderholzer am 26. Januar im Regensburger Dom zum Bischof geweiht wird, ist auch eine Gruppe Zornedinger dabei. Denn der künftige Bischof von Regensburg war früher Kaplan in der Zornedinger Pfarrei Sankt Martin.

Als Voderholzer seinen Dienst in Zorneding antrat, hatte die Gemeinde unruhige Zeiten hinter sich. Nach dem Dienstende von Pfarradministrator Rupert Rigam im Mai 1987 hatte die „Katholische Integrierte Gemeinde“ (KIG) das Ruder in der Pfarrei übernommen.

In Zorneding sind Ingo Gassner, Titus Lenherr und Peter Zitta noch heute als die „Erdbeerpfarrer“ bekannt. Warum? Die KIG lebte schon seit den 1960er-Jahren auf dem Günter-Stöhr-Hof in Wolfesing und hatte dort auch Erdbeerfelder angebaut. Jeder, der wollte, durfte zum Ernten kommen. Was heute üblich ist, war damals einmalig in der Region. Dennoch erinnert man sich nicht gerne an die „Erdbeerpfarrer“.

Hermann Trax, der zusammen mit seiner Frau schon viele Jahre Mitglied im Zornedinger Kirchenchor ist, erzählt: „Anfangs waren die drei Geistlichen durchaus gern gesehen, wir waren ja froh, dass es Nachfolger für Rupert Rigam gab.“ Doch dann gab es immer mehr Konflikte: Die KIG bekennt sich zu einer Lebensform der Integration von Familien und Ledigen, Priestern und Laien. Diese leben zusammen in Integrationshäusern oder bilden zumindest Tischgemeinschaften und verknüpfen ihr Leben in den verschiedenen Bereichen miteinander.

Einer der eifrigsten Weggefährten und Förderer der KIG ist der heutige Papst Benedikt XVI., der schon 1976 in Wolfesing zu Gast war. Die Zornedinger selbst indes waren skeptisch. „Zündstoff gab es vor allem, weil die KIG alles integrieren wollte: Schule, Kindergarten - sogar das Pfarrhaus sollte nach Wolfesing umziehen“, so Trax. Das ging vielen zu weit. Die KIG hatte sogar den Ruf einer Sekte. Während eines Gottesdienstes, an dem Trax selbst nicht teilnahm, kam es seines Wissens nach zur Eskalation: „Es muss sogar Protestrufe und heftigen Widerstand gegeben haben.“ Das Zornedinger Kapitel „Integrierte Gemeinde“ endete unrühmlich.

Pfarradministrator Herbert Krist und Kaplan Rudolf Voderholzer fiel die Aufgabe zu, wieder Ruhe in die zerstrittene Gemeinde zu bringen. Beide waren neben ihrer Tätigkeit in Zorneding, Pöring und Harthausen auch für die Pfarrei Sankt Konrad in Haar zuständig. Von Beginn an war klar, dass beide nur für eine gewisse Übergangszeit - von Oktober 1988 bis Herbst 1990 - da sein würden. Dennoch denken die Zornedinger voller Lob an die beiden Seelsorger zurück: „Das waren gute Leute, die haben wieder Ruhe reingebracht.“ Hermann Trax schwärmt sogar: „Wir haben sie lieben gelernt.“ In Erinnerung geblieben ist ihm seine Silberhochzeit, die Voderholzer sogar im Gottesdienst gewürdigt hatte, als er durch Zufall davon erfuhr.

Im Oktober 1990 wurde das Duo Krist/Voderholzer von Pfarrer Erhard Wachinger abgelöst, der bis 2005 blieb. Für Voderholzer ging es zunächst weiter an die Ludwig-Maximilians-Universität München und von dort über zahlreiche Stationen bis zur Theologischen Fakultät Trier, wo er bis zum Beginn diesen Jahres als ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte tätig war. Am 6. Dezember 2012 wurde er von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Regensburg ernannt.

Das Ehepaar Trax wird dann dabei sein. Denn die Zornedinger Pfarrei hatte im Vorfeld ein Kontingent von 20 Karten für die Veranstaltung in Regensburg zur Verfügung gestellt. Bei seiner Ernennung zum Bischof wird Rudolf Voderholzer dann einige bekannte Gesichter sehen - aus seiner Zeit nach den „Erdbeerpfarrern“. (se)

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