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Das Foto zeigt die S2 am Poinger Bahnhof, die im Landkreis in Poing und Grub hält.

S-Bahn-Ausbau: Soll der Landkreis zahlen?

Landkreis – An der Frage um die Finanzierung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke scheiden sich die Geister. Landrat Gottlieb Fauth erwägt eine Beteiligung des Landkreises, Gemeindetag-Bezirkschef Rudolf Heiler aus Grafing sagt „Nein“.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Stewens gestern, dass sie mit Landrat Gottlieb Fauth (CSU) das Thema besprochen habe. Ergebnis: „Der Landrat schließt eine Beteiligung an einer Vorfinanzierung nicht aus“. Eine solche Vorauszahlung – in welcher Höhe auch immer – sei laut Stewens allerdings an zwei Bedingungen geknüpft. Erstens: Die Vorfinanzierung ist rechtlich möglich. Zweitens: „Bundesverkehrsminister Ramsauer muss den Landkreisen schriftlich versichern, dass sie ihr Geld wieder bekommen.“ Fauth war gestern für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen.

Grafings Bürgermeister Rudolf Heiler (FW), der auch Bezirks- und Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages ist, fühlt sich wie im falschen Film. „Die Vorgänge um die Finanzierung der zweiten Stammstrecke in München werden immer skurriler“, schreibt er in einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Statt eines Einlenkens aller bisher Beteiligten sollten sich nun die Landkreise an der Finanzierung beteiligen – „als ob die Landkreise nicht schon genügend andere finanzielle Probleme am Hals hätten“. Heiler lehnt den Geldverleih ab, denn in Wahrheit geschehe dies zu Lasten der Gemeinden, die über die Kreisumlage „die Suppe bezahlen“.

In diesem Punkt zeigt die Landtagsabgeordnete Christa Stewens Verständnis für Heilers Kritik. „Es ist richtig, dass die Finanzierung für die Landkreise schwierig wird.“ Dennoch: Der Bau der zweiten Stammstrecke sei für die Umlandkommunen und deren Pendler enorm wichtig. „Bei ihrem Start im Jahr 1972 war die S-Bahn für 250.000 Fahrgäste täglich ausgelegt, heute sind es 800.000 – und alles fährt durch einen Tunnel. Das geht nicht mehr“, sagt die Poingerin. Laut Münchner Verkehrs- und Tarifverbund sind allein zwischen dem Landkreis Ebersberg und der Landeshauptstadt München täglich etwa 32.000 Fahrgäste unterwegs.

Am Wochenende will die Kreis-CSU bei ihrer Klausur in Kreuth (Kreis Miesbach) diskutieren, wie sich der Landkreis an einer Vorfinanzierung beteiligen kann. Generell sei die CSU (mit 27 Sitzen die stärkste Fraktion im Kreistag) dafür, so Stewens. Oberbayerns Gemeindetagschef Rudolf Heiler sieht die Dinge anders: „Die Gemeinden werden sich (...) nicht in die Schulden stürzen, während der Freistaat beginnt, seine Schulden abzubauen.“

Armin Rösl

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